Tauschtag: Briefmarkensammler haben die Jugend im Blick

  • Über der gerahmten Bildwand steht das Thema: Schildkröten. Die Gestalterin: Pia Futterknecht, 14 Jahre alt. Daneben ist ausdrucksstark das Thema Weltraum aufgegriffen. Von der achtjährigen Laila Keil.


    Diese Kunst ist nicht etwa in einer Schule entstanden, sondern in mühevoller Kleinstarbeit zu Hause. Denn die Teile, aus denen die Werke zusammengesetzt sind, sind winzig: Briefmarken.


    Wer denkt, Briefmarken seien ein Hobby nur für ältere Leute, irrt. Und wer nicht weiß, was hinter Philatelie alles stecken kann, sollte sich bei einem Tauschtag umsehen. Zum Beispiel beim Briefmarken-Sammler-Verein Remscheid.


    Der blickt nicht nur auf eine lange Historie des Sammelns und Tauschens zurück - der Verein ist bereits 1935 gegründet worden - sondern blickt auch in die Zukunft. "Wir wollen mehr Jugendliche für unser Hobby begeistern", sagte der erste Vorsitzende Jochem Raflewski.


    Deshalb gab es am Sonntag beim Tauschtag in der Sophie-Scholl-Gesamtschule eine Extra-Börse für Kinder und Jugendliche, eine Grabbelkiste, aus der kostenlos und ohne entsprechendes Tauschobjekt Marken herausgeholt werden durften, und einen Pokal für denjenigen, dessen ausgestellter Rahmen von den Besuchern als schönster gekürt wurde.


    Vom Herrn der Ringe bis Griechenland äDabei konnten die jungen Philatelisten ebenso nach ihrem persönlichen Geschmack die Rahmen gestalten, wie die älteren. Der eine zeigt den Herrn der Ringe, der als Filmposter mit zahlreichen Briefmarken gespickt ist, ein anderer chronologisch geordnete Briefmarken aus Griechenland.


    "In unserer Briefmarken-Werbeschau sind die Exponate frei gestaltbar", so Raflewski. Andere Ausstellungen des Bundes Deutsche Philatelisten unterliegen einem strengeren Reglement. "Dafür findet man hier auch keine wirklich kostbaren Marken", schränkt der Vorsitzende ein.


    Die älteste deutsche Marke stammt bereits aus dem Jahr 1849. "Bei den historischen kommt es auf Papier- und Farbdifferenzen an", erklärt der Experte. Auch der Stempel sei bei alten Marken interessant, da er noch von Hand gesetzt sei und Datum und Herkunftsort erkennen lasse.


    Manche Briefmarken werden sogar mit dem dazu gehörenden Umschlag gerahmt und ausgestellt. Ein anderer Philatelist setzte sogar noch eins drauf, indem er passende Fotos dazu stellte. Er hatte sich das Thema Dirigenten ausgesucht und fleißig gesammelt: Briefumschläge mit Sondermarken aus der Heimatstadt und Autogramm auf dem Porträtfoto des Orchesterleiters.


    Jochem Raflewski erklärte den Grund: "Das Schlimmste für einen Sammler ist, wenn alles komplett ist. Deswegen entstehen immer neue Ideen, welche Serie man als nächstes beginnen kann." Von der romantischen Vorstellung, dass die Objekte der Begierde auf dem Dachboden in Opas alten Lieblingskisten gefunden werden, müssen sich Philatelisten allerdings befreien: "Briefmarken bekommen Sammler heute über Tauschbörsen im In- und Ausland und über das Internet."




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