Mit Unnaer Postkarten fing alles an

  • Unna. "Der älteste Post-Stempel, den es für Unna gibt, ist fast 200 Jahre alt." Warum Hans Borghoff das weiß? Weil er sie fast alle gesammelt hat - rund 30 inklusive Sonderstempel.



    "Ich weiß nicht, ob ich wirklich alle Stempel habe, aber ich arbeite dran", erzählt Hans Borghoff und lacht. Kürzlich erst, da hatte er auf einem Flohmarkt eine Karte in die Finger bekommen, die ihn staunen ließ. Diesen Stempel hatte er noch nie gesehen. Aus der Hand gab er sie nicht mehr. Eine süße Belohnung für seine Mühen - für stundenlanges durchblättern von Postkartenkartons, wunde Finger und so manche Diskussion mit seiner Frau. "Ich bin ein Jäger und Sammler", das gibt Hans Borghoff unumwunden zu. "Und dafür opfere ich viel Zeit." Alles begann mit seiner Leidenschaft für Briefmarken.


    Um an die Briefmarken zu kommen, sammelte er Postkarten und Briefe. Doch irgendwann erkannte er, dass auch die Stempel unterschiedliche Motive hatten. "Von wegen Stempel ist Stempel." Doch der gebürtige Mendener interessierte sich nur für eine ganz bestimmte Sorte. Und da kommt wieder seine Frau ins Spiel. Sie ist eine waschechte Unnaerin, beide lernten sich in der Kreisstadt kennen und leben seitdem hier. Deshalb die Liebe zu den Briefmarkenaufdrucken aus Unna. Die Geschichte der Unnaer Stempel beginnt im Jahre 1808. "Der erste war rot, noch ohne Datum und Kennung - danach gab es diese nur noch in schwarz."


    Interessant sind für Borghoff vor allem die Exemplare aus der Zeit der Preußen. Ihre viel zitierte Ordnung spiegelte sich auch auf den Stempeln wider. "Jeder Beamte hatte einen eigenen Stempel mit Kennung." Unterschiedlich sind auch Durchmesser, Größe, Farbe, Form. "Ich hätte auch nicht gedacht, dass es so viele verschiedene gibt - aber es ist so."


    Für die Texte auf den Karten hatte sich Hans Borghoff nie wirklich interessiert. "Mir gehts gut, ist schön hier, Grüße an alle - sehr spannend ist das nicht", findet der Sammler. Aber dafür entdeckte er etwas anderes. Die Bilder. Und ganz speziell die von Unna.


    Auf der Fährte einer vergangenen Zeit


    Über 640 Karten und Briefe hat er mittlerweile zusammen. Viele von den abgebildeten Gebäuden existieren nicht mehr. Hans Borghoff kam auf die Idee, die Motive neu zu fotografieren und bestückte damit sogar eine Ausstellung. Unna: damals und heute. "Ich war nie Pfadfinder", erzählt er, "aber ich weiß nun, wie sie sich fühlen." Nach dem Prinzip "Wer suchet, der findet" begab er sich auf die Fährte einer längst vergangenen Zeit.


    Der 58-jährige Logistikleiter eines Großhandelsbe-triebs zog von Tür zu Tür, um Zeitzeugen zu finden. Manchmal suchte er stundenlang das Motiv, wartete auf den richtigen Moment für den Kamera-Klick. Dabei entdeckte er neue Orte und ein Stück Heimatgeschichte. Zum Beispiel der Verlobungsstein im Kurpark. "Der stand früher ganz woanders, ich habe ewig gesucht." Um so schöner, als er ihn endlich vor Augen hatte. Und diese Freude empfindet er noch immer, bei jedem Stempel, den er entdeckt.


    Übrigens, Briefmarken samelt er noch immer. Seit 14 Jahren sogar amtlich, als Mitglied im Briefmarkenverein "Philatelisten Unna".



    Mit der Kamera bewaffnet zog Hans Borghoff durch Unna - auf der Suche nach dem richtigen Motiv. (s. Bild)


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