Eintrag ins Guinness-Buch?

  • Menschlich gesehen: Fragen an Günther Borchers, Vorsitzender der Briefmarken- und Münzfreunde der Geest


    [Blockierte Grafik: http://www.tageblatt.de/upload…_10/051004MJ_mensch40.JPG]
    Günther Borchers


    Stade (knk). Die „Geest-Elbe-Posta“ steht bevor. Das philatelistische Großereignis steigt vom 21. bis 23. Oktober in der Fredenbecker Geestlandhalle, mehr als 100 Aussteller sind dabei. Dabei wollen die Briefmarkenfreunde mit der größten „Freistempelwand der Welt“ ins Guinness-Buch der Rekorde kommen. Wie soll das vor sich gehen?
    Ursprünglich wollte ich ein Auto mit Briefmarken bekleben. Das gab´s schon. Daraus entstand dann die Idee, eine Hauswand zu bekleben. Von Freitag, 21. Oktober, 11 Uhr, bis Sonntag, 23. Oktober, 13 Uhr, werden unsere Kinder aus dem Landkreis Freistempel-Abdrucke auf eine 18-Quadratmeter-Wand kleben. Die Firma Frankotyp-Postalia sammelt inzwischen für uns Freistempel von Kommunen und Firmen aus dem Jahr 2005; 2000 Freistempel liegen da jetzt schon parat. Wir haben die Aktion beim Guinness-Buch der Rekorde eingereicht, ob aus dem Eintrag etwas wird, kann ich noch nicht sagen. (Anm. der Redaktion: Freistempel sind die individuell gestalteten Stempel, mit denen Private, Firmen und Kommunen ihre Post ohne Briefmarke frankieren können. Die Post erkennt daran, dass das Porto bezahlt ist)


    Wie und wann hat das Briefmarken-Sammeln bei Ihnen angefangen?
    Mit acht Jahren. Mein Onkel hatte immer einen Wühlkasten, da waren auch Marken drin. Ich bekam ein Album und habe mir dann – natürlich die besonders bunten – Marken aus der Wühlkiste gekauft, das Stück zu fünf Pfennigen. Bis ich etwa 16 Jahre alt war. Dann waren Fußball, Handball und das weibliche Geschlecht interessanter. Vor 25 Jahren, da bin ich wieder aktiver geworden. Ich sammele „Bedeutende Deutsche“ und „Deutsche Einheit“. Zur Deutschen Einheit habe ich allein 60 000 Freistempler. Es ist alles in Kartons. Das Sortieren hebe ich mir auf fürs Rentenalter.


    Viele Leute haben von verstorbenen Verwandten alte Briefmarkensammlungen herumliegen. Reagieren die meisten enttäuscht, wenn sie irgendwann hören, dass da nun doch keine „blaue Mauritius“ dabei ist?
    Viele machen in solchen Fällen Fehler, die Sammlung an Trödler und Aufkäufer zu geben, die versuchen, die Anbieter über den Tisch zu ziehen. Wer eine alte Sammlung liegen hat, sollte sich erstmal immer von einem Briefmarkenvereins-Vorstand beraten lassen. Bei vielen Frauen, deren Männer verstorben sind, ist es so, dass sie gar nicht wissen, was ihr Mann da jahrelang gesammelt hat. Oft gab es dann auch „schwarze Portemonnaies“, also Geld aus Nebenverdiensten, das der Mann heimlich von der Haushaltskasse abgezwackt und für Briefmarkenkäufe verwendet hat.
    Oft wird bestimmten Marken ein großer Wert bescheinigt. Lässt sich dieser Wert einfach in bare Münze umsetzen?
    Der in den Katalogen angegebene Preis ist ein Tauschpreis. Vom Katalogpreis wird ein Händler in der Regel nur 30 bis 40 Prozent für Marken zahlen.


    Wenn Sie Chef der Deutschen Post AG wären, was würden Sie zuerst ändern?
    Die Briefmarke ist am Aussterben, sie wird wohl irgendwann nur noch in Shops erhältlich sein, und in Poststellen gibt´s dann irgendwann nur noch eine Dauerserie. Ich würde sammlerfreundlicher agieren. Weil für das, was die Sammler an Briefmarken kaufen, schließlich auch keine Gegenleistung erbracht werden muss. Ich würde außerdem in den größeren Dörfern wieder eigene Poststellen errichten und nicht die Marken neben der Wurst verkaufen. Im Landkreis Stade gibt es nur noch drei offizielle Poststellen in Stade, Buxtehude und Harsefeld; ansonsten ist die Post in Lebensmittelläden integriert. In den Briefzentren würde ich die Briefmarken sauberer stempeln lassen. Viele Marken sind teils nicht erkennbar, so verschmutzt sind sie von der verwischten Druckerschwärze.


    Ihre größte Stärke?
    Organisation.


    Die größte Schwäche?
    Ich hasse Computer.


    Ihr Traumurlaub?
    Ich würde gerne mal mit einem Wohnmobil durch ganz Deutschland fahren, um all die schönen Dinge kennen zu lernen, die man noch nicht gesehen hat.


    Wenn Sie ein Tier sein könnten, welches?
    Ein Löwe: Alles, was man anpackt, wird auch gelingen. Der Löwe ist beherrschend.


    Ihr Lieblingsessen?
    Nudeln als Auflauf, Fisch.


    Wenn Sie eine Zeitreise unternehmen könnten, wohin geht´s: in die Vergangenheit oder in die Zukunft?
    In die Zeit vor dem 19. Jahrhundert. Die Entstehung unserer Region, die Besetzung durch Dänemark und Schweden, das würde ich gerne verfolgen.


    Ihr erster Kuss?
    Mit 14 oder 15 Jahren. In der Schule, in einer Nische. War nett. Zwar noch ein bisschen unbeholfen, aber es hat funktioniert.



    Herr Borchers, Danke für das Gespräch.


    Zur Person


    Günther Borchers ist seit 15 Jahren Vorsitzender der Briefmarken- und Münzfreunde der Geest in Harsefeld und Organisator der „Geest-Elbe-Posta“, der großen Briefmarken-Landesverbandsausstellung im Oktober in der Fredenbecker Geestlandhalle. Der 54-Jährige leitete rund fünf Jahre lang die Jugendgruppe der Buxtehuder Briefmarkenfreunde, trat vor 18 Jahren dem Harsefelder Verein bei. Während seiner Amtszeit stieg die Mitgliederzahl des Vereins von rund 30 auf inzwischen 130. Günther Borchers wurde in Drestedt (Kreis Harburg) geboren und lebt seit 25 Jahren in Sauensiek. Der gelernte Einzelhandelskaufmann war fünf Jahre lang in Hamburg Filialleiter eines Supermarktes, arbeitete fünf Jahre als Außendienst-Vertreter in der Kaffeebranche und weitere fünf Jahre als Vertreter für Süßwaren. Seit 20 Jahren ist er als Außendienstler für den Suppen- und Soßenhersteller Knorr im Landkreis Stade unterwegs, besucht hier vor allem Einrichtungen wie Kantinen, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Zehn Jahre lang war er in Sittensen Fußball-Jugendtrainer. In seiner Freizeit schreibt er philatelistische Bücher. Günther Borchers hat mit Ehefrau Angelika zwei erwachsene Kinder.



    Quelle: