Dreifach abgestempelte Hepburn

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    Die Marke wurde wegen der Zigarette aus dem Verkehr gezogen


    Hat Audrey Hepburn geraucht? Hat sie. Und das nicht nur als Holly Golightly im Film „Frühstück bei Tiffany”. Auch privat konnte sie mehr als 40 Jahre lang nicht von Zigaretten lassen. Warum also sollte eine Grafikerin die Schauspielerin nicht nach ihrem Tod auf einer Briefmarke so verewigen, wie sie ohnehin vielen in Erinnerung geblieben ist?


    Als Holly Goligthly nämlich, die unter einem breitkrempigen Hut kokett ihre besonders lange Zigarettenspitze hervorlugen läßt. Ein reizendes Motiv, das im Auftrag der Deutschen Post an die 14 Millionen Mal gedruckt wurde - um drei Wochen später komplett eingestampft zu werden.


    Statt der rauchenden Audrey Hepburn wurde am 11. Oktober 2001 in dem Wohlfahrtsmarkensatz „Internationale Schauspieler” eine ganz und gar unverfängliche Filmrolle herausgegeben sowie eine Greta Garbo, die kurzfristig für das gleichfalls zurückgezogene, allerdings noch nicht gedruckte „Casablanca”-Traumpaar Ingrid Bergman und Humphrey Bogart einspringen mußte.


    Marken des Finanzministeriums unauffindbar


    Drei Jahre dauerte es, bis eine erste Hepburn-Marke in sogenannter Kiloware auftauchte, in einem bei Sammlern beliebten Paket aus Brief- und Postkartenstücken mit gebrauchten Marken. Auch Holly Golightly war aufgeklebt, abgestempelt und - zum Verdruß ihres Finders, des Briefträgers Werner Dürrschmidt aus Leupoldsgrün - links leicht beschädigt.


    Im Januar 2005 entdeckte dann ein Frankfurter Rentner in seinem Briefmarkenalbum eine zweite Hepburn-Marke. Dort hatte das bestens erhaltene Stück schon einige Wochen unbeachtet gesteckt: Der Philatelist hatte die Wohlfahrtsmarke ebenfalls aus einem Stapel Kiloware gezogen, konnte mit dem ihm unbekannten Motiv aber zunächst nichts anfangen. Dafür brachte ihm das abgestempelte Bild der Schauspielerin ein halbes Jahr später bei einer Auktion 58 000 Euro ein.


    Eine Sensation. Und es war klar: Nicht alle Hepburn-Marken waren ordnungsgemäß verwahrt oder vernichtet worden. Bekannt ist, daß von den ersten gedruckten Marken drei Zehnerbogen an das Bundesfinanzministerium gingen, zwei weitere bekam die Deutsche Post. Diese beiden sind auch noch vorhanden: Sie liegen im Tresor des Museums für Post und Telekommunikation in Berlin. Das Ministerium aber kann seine drei Bogen nicht finden.

    Mindestpreis 50.000 Euro


    „Wir wissen gar nicht, ob wir die Marken überhaupt jemals empfangen haben”, sagt Ulrike Bohm, Leiterin des Referats Postwertzeichen, und verweist auf mögliche undichte Stellen in der Bundesdruckerei. Die Suche im Ministerium wurde jedenfalls schon aufgegeben. Die Druckkosten mußte ohnehin die Deutsche Post tragen. Denn: „Wer bestellt”, so Bohm, „der zahlt auch.”


    Inzwischen ist eine dritte Hepburn-Marke aufgetaucht: mit Bogenrand, sauber gestempelt und bestens erhalten. Am Freitag wird sie in Düsseldorf im Auktionshaus Ulrich Felzmann versteigert. Für die Losnummer 7245 hat sich der Einlieferer als Ansatzpreis 50.000 Euro gewünscht.


    „Ich denke, sie wird ebenfalls etwa 58.000 Euro einbringen”, vermutet der Sprecher des Bundes deutscher Philatelisten, Reiner Wyszomirski. Er kann nur darüber spekulieren, wieso wohl Hepburns Söhne die Genehmigung zur Veröffentlichung des Fotos verweigerten und damit der deutschen Philatelie die wertvollste moderne Briefmarke der Welt bescherten. Offenbar wollten sie keine Marke ihrer rauchenden Mutter: Audrey Hepburns Sucht könnte mitschuldig am frühen Krebstod im Jahr 1993 gewesen sein.



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