Eilboten-Ortspostkarte durch Rohrpost befördert?

  • Hallo Zusammen!


    Nach meinen Informationen wurden nicht nur Rohrpostsendungen mit Minutenstempeln entwertet, sondern auch Eilsendungen, die in Berlin auf Grund des vorhandenen Personals zum Teil auch durch die Telegraphenämter zugestellt wurden.
    Gibt es eine Möglichkeit irgendwie zu bestimmen, ob die Karte durch das Berliner Rohrpost-System befördert wurde? Möglicherweise weist die kurze Laufzeit von 40 Minuten, die durch die Minutenstempel sichtbar wird, auf Rohrpost hin? ?(
    Über Aufklärung würde ich mich freuen!


    Liebe Grüße
    BUND

  • Hallöle,


    grundsätzlich waren Eilsendungen schnellstmöglich zu befördern und da bot sich in Berlin die Nutzung der Rohrpost an.


    Allerdings sieht die Karte nicht danach aus, als ob sie eine Rohrpostkartusche von innen gesehen hat, denn die Briefe bzw. Karten mussten ja gerollt werden, damit sie in die Kartuschen passten. Scheint eher philatelistisch angehaucht zu sein. Ob tarifrichtig frankiert, kann ich nicht sagen.


    Gruß
    Laberix

  • Die Minuten-Angaben im Stempel sind wohl ein sicheres Zeichen für eine Rohrpost-Beförderung:


    In den Rohrpostbezirken von Berlin und Wien wurden bei den angeschlossenen Postämtern Tages- oder auch Sonderstempel mit Stunden- und Minutenangaben, üblicherweise in 10-Minuten-Abständen verwendet.


    aus:



    Gruß kartenhai

  • Hallo!


    Vielen Dank schon mal für die beiden Antworten!


    Zitat

    Original von laberix


    Ob tarifrichtig frankiert, kann ich nicht sagen.


    Das Porto von 68 Pfennig setzt sich aus dem Tarif für eine Ortpostkarte von 8 Pf sowie der Eilbotengebühr von 60 Pfennig zusammen und ist somit portogerecht.


    Zitat

    Original von laberix


    Allerdings sieht die Karte nicht danach aus, als ob sie eine Rohrpostkartusche von innen gesehen hat, denn die Briefe bzw. Karten mussten ja gerollt werden, damit sie in die Kartuschen passten.


    Auch wenn man es auf der Vorderseite nicht so gut sieht, könnte die Karte durchaus eine Rohrpostkartusche von innen gesehen habe, da sich doch einige Büge auf der Karte abzeichnen, schaut euch dazu die Rückseite der Karte an.


    Zitat

    Original von kartenhai


    Die Minuten-Angaben im Stempel sind wohl ein sicheres Zeichen für eine Rohrpost-Beförderung


    Nach meinen Informationen wurden, wie bereits im Anfangsposting geschrieben, nicht nur Rohrpostsendungen mit Minutenstempeln entwertet, sondern auch Eilsendungen, die in Berlin auf Grund des vorhandenen Personals zum Teil auch durch die Telegraphenämter zugestellt wurden. Allerdings wäre es schön, wenn mir jemand mal so einen Beleg mit Minutenstempeln zeigen könnte, der garatiert nicht durch Rohrpost befördert wurde und diese Informationen belegen könnte.


    Gab es die Möglichkeit die Post innerhalb Berlins so dermaßen schnell zu bewegen, ohne die Rohrpost zu benutzen? Weiß jemand eventuell eine Arge an die ich mich wenden könnte?


    Liebe Grüße
    BUND

  • Hallo BUND,


    Spezialist für die Berliner Rohrpost ist Peter Koegel vom Berliner Philatelisten-Club von 1888, der 2012 für seine Rohrpost-Sammlung einen Preis erhielt. Ich würde mal bei ihm über den Verein anfragen, falls sich hier niemand mehr meldet.


    Als bestes Exponat erwies sich die Sammlung von Peter Koegel (Berlin) „Postschnelldienst Berlin – Rohrpost 1949 bis 1963“.




    Gruß kartenhai

  • Hallo Zusammen!


    Ist zwar schon ein bisschen länger her, aber vielleicht interessiert es den ein oder anderen. Peter Koegel, auf den kartenhai verwies (Vielen Dank für diese Information :)), teilte mir folgendes mit:


    [...]"Bei dieser Karte kann ich ganz genau sagen: mit Rohrpost vom Aufgabeamt N 65 mit Minutenstempel nach Wilmersdorf Minutenstempel befördert."[...]
    [...]"Grundsätzlich braucht man eine Rohrverbindung zwischen den beteiligten Ämtern. Dann muß man sich die Freigaben der einzelnen Teilstrecken ansehen. Aufgabe war N 65. Liegt im Französischen Sektor in der Gerichtsstraße. Zustellamt war Wilmersdorf, gelegen in der Uhlandstraße. Die Entfernung dürfte um die 10 Kilometer betragen. Aufgabe 15:30 Uhr - Ankunft 16:10 Uhr - also glatte 40 Minuten. Eilsendungen wurden seit Alters her immer auf dem schnellsten Weg befördert, hier also korrekterweise mit der Rohrpost. Bei Eilsendungen erfolgte die sofortige Zustellung durch Eilboten, die bereit standen. Außer dem Hinweis auf den Minutenstempel bei Aufgabe und Zustellung keine weiteren Hinweise. Den gleichen Effekt erreicht man ( zur gleichen Zeit !!) als Schnelldienstsendung. Gebühr dann 80 Pfennig. Wenn die letzte ( vierte !!) Fahrt aber schon beim PA N 65 weg war gab's ein Problem. Zweite Möglichkeit: Ortskarte 8 Pf. mit Rohrpost 15 Pf. und Eilzustellung 60 Pf. - macht zusammen 83 Pfennig Porto. Sinnvoller war doch schon die Eilkarte mit 68 Pf. Aber ich schätze, Sie können aus dem Buch auch Ihre Schlüsse ziehen."[...]


    Ja, ich hab mir gleich noch das Buch "1948–1963 Postschnelldienst Berlin, Rohrpost-Schnelldienst Berlin, Berliner Rohrpost" von Günther Steinbock/John H. Gunn geholt. 308 Seiten Lektüre! Ich will ja nicht dumm sterben! :jaok:


    Liebe Grüße
    BUND