Er macht Marken zu Euros

  • Peter Klein sichtet, sortiert und verkauft Briefmarken für die Deutsche Leprahilfe.


    Ein Ehrenamt, das viel Mühe, viel (überflüssiges) Wissen und einiges Geld bringt


    Hilden. Das Arbeitszimmer des Chemielehrers Peter Klein ist in einem Zustand, dass er keine Fremden hineinlässt, ach, was schreib ich: Niemanden lässt er hinein. Schulsachen sollen da liegen, die Unterlagen zur etwas sehr fälligen Steuererklärung und natürlich die ganzen Briefmarken. Briefmarken in Alben, in Kartons und in Bananenkisten - und es ist jetzt nicht so, dass Klein Briefmarken sammeln würde.


    Der 55-Jährige aus Hilden hat vielmehr ein Ehrenamt aus dem Bereich "Kleinvieh macht auch. . .": Für die "Deutsche Lepra- und Tuberkulose-Hilfe (DAHW)" macht er Briefmarken zu Euros. Er kniet sich in aufgelöste Sammlungen, in gespendete Marken, in Kiloware (Briefmarken, die noch auf Umschlägen kleben) und Feldpostkarten, sortiert und systematisiert und verkauft sie. Früher auf Basaren und über Anzeigen, heute im Internet. "Man hat schnell so einen Job an der Hose, wenn es dafür kein Geld gibt", sagt Klein, aber, zugegeben, Spaß macht es ihm auch.


    Beispiel Feldpostkarten: Die bekommt er seit Jahren von einem Sammler. "Wenn ich pauschal schreiben würde ,300 Ansichtskarten´, würden sie vielleicht 10 Euro bringen." Wenn er sie aber sortiert nach Regionen oder Städten, geht der Preis schnell höher: "Wenn ich zum Beispiel speziell eine Karte von 1915 aus Scy anbieten kann, gibt es vielleicht jemanden in Scy, der dafür allein zehn Euro zahlt." Außerdem weiß Klein jetzt, wo Scy ist. In den Ardennen. Das ist zwar völlig überflüssiges Wissen, wenn man mit den Ardennen sonst nichts am Hut hat - aber überflüssiges Wissen ist ja meistens amüsant. Oder hätten Sie gedacht, dass Plovdiv in Bulgarien so groß ist wie Peking im 14. Jahrhundert? Oder dass die Zelluloid-Rolle des Films "Der Soldat James Ryan" vier Meter länger ist als die Insel Borkum?


    Ordnungsruf!


    Jedenfalls bringt Klein mit seiner Klein-Klein-Arbeit dem DAHW jedes Jahr 1000 bis 5000 Euro ein. Außer der vielen Zeit, die das Ehrenamt kostet, ist ihm dabei eigentlich nur eines abhanden gekommen: der Spaß an der eigenen Briefmarkensammlung.





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