BAYERN Paketkarte? französisch?

  • Liebe Sammler und Spezialisten!
    Ich bin neu hier und mir ist schon oft die Luft weggeblieben weil man hier absolut fachkundige interessante Beiträge liest. Also Hut ab!


    Selber bin ich noch ein blutiges Greenhorn und weiß nicht so recht wie ich diesen Bayern-Beleg einordnen soll. Im Michel-Ganzsachen Katalog habe ich ihn nicht gefunden. Auch nicht im SEM Spezialkatalog .Gibt es da noch einen speziellen Paketkarten Katalog?


    Kann mir also jemand folgende Fragen beantworten:
    1) Was ist das genau für ein Beleg?
    2) Wie finde ich heraus was das genau für eine 1Mark Marke ist?
    (Wasserzeichen rauszukriegen hab ich mit einem ROLL-A-TECTOR versucht. Keine Chance.)
    3) Wie finde ich heraus, was das alles für postalische Vermerke sind? blau? rot? grüner Zollstempel usw..
    4) Wo kann man sich dieses ganze Wissen aneignen?
    5) Wann gibt es endlich eine Briefmarken Akademie mit online Kursen für sein spezielles Sammelgebiet? (Spass)


    Für Euere Mühe bedanke ich mich jetzt schon 1000 mal!


    Gruss
    Hufkreuzer


    (Ich hab mal versucht ein Foto dieses Beleges draufzuladen und hoffe es hat geklappt)

  • Ich bin zwar kein Bayern-Spezialist, aber viele der Fragen lassen sich mit philatelistischem Allgemeinwissen beantworten:


    ad 1) Es handelt sich um ein Bulletin d' expedition, auf deutsch eine Paketkarte. Das lässt sich auch schön an dem Gewichtsvermerk erkennen. Überdies kann man erkennen, dass es sich um ein Paket der Bleistiftfabrik Faber (die es auch heute noch als Faber-Castell gibt) handelte, vermutlich befanden sich darin ehemals Bleistifte.


    ad 2) Der erste Hinweis zur Marke ist, dass der Stempel von 1909 ist, es kann sich also nicht um eine Marke handeln, die später als 1909 erschienen ist. (z.B. die 1911er Ausgabe)
    Vor 1909 gibt es folgende Möglichkeiten:
    Mi. 30 - lebhaft- bis dunkelrotviolett [Ganzsache mit gleichem Markenbild vorhanden]
    Mi. 31 - lebhaft- bis dunkelrotviolett [Ganzsache mit gleichem Markenbild vorhanden]
    Mi. 43 - mittel- bis lebhaftbraunpurpur
    Mi. 53 - lebhaftbräunlichlila bis lebhaftrosalila
    Der einzigste Unterschied außer der Farbe sind die Wasserzeichen, um die zu bestimmen, müsstest du die Marke von dem Beleg lösen, was aber zu vermeiden ist. Nimm einfach in solchen Fällen immer die billigste Variante an (hier die 53 mit 2,40 € Kat.-Wert), ist am wahrscheinlichsten. Zumal die Marke auch recht "rosa" wirkt.


    ad 3) Du solltest dir Literatur zum Sammelgebiet Bayern ausleihen /kaufen, sofern dich dieses interessiert. Oder du wendest dich an die ARGE Bayern ().


    ad 4) Literatur, noch mehr Literatur und am Ende noch mehr Literatur. Dazu gehört auch die Arge-Mitgliedschaft, wodurch man Zugriff auf noch mehr Wissen in Form von Literatur bekommt


    ad 5) Das wird es erst geben, wenn man das Wissen irgendwie verkaufen kann. Da aber keiner das Wissen kaufen wird sondern nur die Marken, lohnt es sich eher nicht, extra eine Akademie dafür zu eröffnen ;)


    Ich hoffe, ich konnte dir helfen.

  • Bayjack:


    Paketkarten sind ein sehr kompliziertes Feld, da nicht jedes UPU-Mitglied auch dem UPU-Paketabkommen beigetreten ist. Die Berechnung ist eine Wissenschaft für sich, da sind Portointerpretationen bei Briefen Kinderkram. Darum nur ein paar generelle Anmerkungen:


    1. Auf dem linken Abschnitt findest Du das Gesamtporto angeschrieben: 160 (Pfg.) - auf der Rückseite müsste sich noch eine 10 Pfg. Marke befinden.


    2. Pro Karte konnten maximal drei Pakete verschickt werden. Hier sind es zwei, die Nummern findest Du auf den weissen Zetteln oben.


    3. Gewicht: Je 5 KG - in Blaustift unten angeschrieben - daraus schliesse ich auch, dass pro Paket 80 Pfg. berechnet worden sind.

    Einmal editiert, zuletzt von Gagrakacka ()

  • Können das nicht auch 2 Pakete gewesen sein? Weil: 2 x Einschreibnummer (220 und 221) und 2 x Gewichtsangabe ( 5kg).


    Gruss
    Afredolino

    Beginn den Tag mit einem lächeln und du hast ihn schon gewonnen

  • Zu jener Zeit ist bzgl. Pakete Deutschland in Quadrate aufgeteilt. Diese Quadrate waren je 15 x 15 km. das Gewicht ist hierbei das alle einfachste. Die Entfernung vom Quadrat zu Quadrat war immer aus der Mitte des Quadrates gezogen (hierzu gibt es die ersten Ausnahmen). Eines jedes Quadrat hat ein eigens dafür vorgesehenes Portobuch erhalten (es muss ein Vermögen gekostet haben). Hiervon sind ganz weniger übrig erhaltengeblieben.


    80 Pfg Porto in die Schweiz war ein mit der Schweiz Sonderabkommen. Kommt auch häufig vor. Also €10, auch wenn 2 Pakete mit der gleichen Karte aufgegeben worden sind. 3 Pakete wertet ein bischen mehr.


    Paketkarten sind meist unten mit dem Vermerk C20 zu treffen. Bedeutet Inlandspaketkarte. In das Ausland ist dann A20 zu sehen.


    Bei Selbstbücher ist desöfteren kein Vermerk zu erkennen. Die Karte von Dir ist Selbstbucher. (Absenderangaben draufgedruckt). Die Verzollung ist üblich, ganz selten sind die Vermerke Gebührenfrei oder Zollfrei. D.h. der Absender hat die Pakete bei der Aufgabe verzollt. Bewertet werden solche in die Schweiz mit €60-100. Anderswo meist noch mehr.


    Ferne können Pakete normalaufgegeben werden oder mit Zusatzleistungen; Eingeschrieben, Eigenhändig, Nachnahme, Versichert versiegelt, Versichert unversiegelt, Eilboten, Dringend usw.


    Hinzu Versendungsart Pakete, Sperrgut, Sack. Letztere sind selten und bedingen teils hohere Aufschäge.


    Es ist ein Fach für sich. Steig ein, es ist lüstig.


    mfG


    Nigel

  • bevor hier die Spekulationen noch mehr ins Kraut schiessen, und der Fragende bald gar nichts mehr versteht werde ich auch mal eine Erklärung versuchen!
    Wahrscheinlich handelt es sich um eine Michelnummer 53 - Katalogbewertung 100 EUR für die billigste Frankatur
    - zweitens (für die meisten Sammler das wichtigste) da es sich um eine gelochte Marke der Firma Faber handelt sollte das Ding bei Ebay (Trotz Bug durch die 50 Pfennig) zwischen 40 und 50 EUR bringen.
    Soweit genug der unwichtigen Dinge!
    Zu den angesprochenen Fakten: Paketkkarten sind weder schwierig noch kompliziert, man muss sich nur damit beschäftigen, ohne Beschäftigung bekommt man auch kein Briefporto erklärt.
    Es handelt sich hier um ein "ordinäres" Standardporto im Weltpostpaketabkommen bei zwei beteiligten Ländern!
    In deisem Abkommen ist geregelt dass, unter Mitgliedern, pro Land 0,5 Goldfranken zu bezahlen waren.
    Der Wechselkurs war damals 1 Goldfranken = 0,80 Reichsmark, deswegen ergibt sich: pro Paket 1 Goldfranken = 2 Goldfranken = 1,60 Reichsmark, auch wenn wir hier in Bayern sind. Nach aussen war das auch "NUR" ein Mitglied im deutschen Reich!
    Bedeutet ausserdem dieses Standardporto von 80 Pfennig für Pakete bie 5 kg gibt es in folgende Länder: Schweiz - Frankreich - Belgien - Holland - Dänemark
    Russland hatte aufgrund seiner Grösse und verkehrstechnischen Gegebenheiten einen Zuschlag, da beträgt das Standardporto 1,40 Reichsmark (auch nicht selten).
    Das Höchstgewicht betrug im Regelfall 5 Kilogramm, manche Länder haben auf 3 Kilogramm beschränkt, aufgrund der verkehrstechnischen Möglichkeiten.
    Also leider nichts mit Sonderporto C20 - A 20, oder sonstigen Spekulationen, lass mir aber gerne vom Herrn Doctorstamp erklären was er damit meint!
    Auch Taxquadrate sind hier völlig nebensächlich, und nur verwirrend!
    Bei dem grünen Stempel handelt es sich um eine der häufigsten Form eines Zollstempels, handschriftlich vermerkt sind der Zoll in rot (2 Franken) und eine Gebühr von 20 Rappen in blau.
    Bei der handschriftlichen 9,8 handelt es sich wahrscheinlich um das vom Absender angebrahcte Nettogewicht.
    Unten rechts N3 könnte der Leitweg über Nürnberg 3 sein.
    DAs BLAUE B würde ich norwalerweise als "B" für Beutelstück interpretieren - dafür waren die Pakete eigentlich aber zu schwer.


    Hoffe gedient zu haben - und verbleibe mit freundlichen Grüssen


    MINIMARKE -

  • Zitat

    Wann gibt es endlich eine Briefmarken Akademie mit online Kursen für sein spezielles Sammelgebiet? (Spass


    Wie Du aus den Antworten zu Deinen Fragen siehst


    Bist Du in der Briefmarken Akademie gelandet ;)

    Suche immer Berlinstempel auf Marken und Belegen, Bitte alles anbieten

  • Zusatz:
    Das mit dem Selbstauflieferer (Selbstbucher) ist nicht korrekt.
    Eine gedruckte Adresse ist noch kein Selbstauflieferer, da musste der Absender schon auf dem Aufgabezettel stehen.
    Den Wert von Gebührenfrei und Zollfrei sehe ich nicht höher als die normale Frankatur, gibt es genügend, man muss nur die Augen offenhalten.

  • also so nen kleinen Kommentar hätte ich vom Fragenden schon noch erwartet!
    Ansonsten gehe ich nun davon aus dass alle seine Fragen erklärt sind :-)
    Allen noch einen Guten Rutsch - und ab und zu die Ruhe zum Nachdenken - bevor man die Finger auf die Tasten knallt ;-)

  • Jetzt bin ich völlig geplättet!


    Eine derartige Anhäufung von fachkundigen Experten - Kommentaren hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet.


    Respekt und Dank an Euch!


    Denis ad2): Soweit war ich auch schon, aber es geht mir nicht in erster Linie um den Wert, sondern um das Know how, wie die echten Marken-Füchse die genaue Marke bestimmen können. Bei losen Marken kriegt man das Wasserzeichen relativ leicht heraus und die Farbbestimmung geht immer besser, je mehr Farbvarianten man von der jeweiligen Marke gesehen hat. Hilft denn die Wasserzeichensuche mit Benzin eindeutig weiter? Mir kommt die Benzin Methode etwas brachial vor, und ich habe immer Angst dass sich dann etwas auflöst, oder Flecken bleiben.


    Denis ad3): Bisher hab ich halt die Kreuzer-Bücher vom SEM und bin dann über die Stempel zu den KLAUCKE-Stempeln, dann zu den Hufeisenstempeln, Briefen, und es ist alles so interessant aber es ist zuviieel!
    Deshalb wäre es doch gut, wenn es Philatelie Kurse gäbe. Aber so wie ich das bisher überblicke ist jeder Sammler sein eigener Forscher.



    Gagrakacka 1: Ja das stimmt. Auf der Rückseite ist noch eine 10Pf Marke. (Du musst ein Hellseher sein!)


    doktorstamp: Ja jetzt glaub ich, dass Paketkarten ein lustiges Gebiet ist. Ich hab diese Karte nur gekauft wegen der Marken. Die wollte ich auf Belegen haben weil ich meine Bayernsammlung ab Nr. 37 verkaufen und mich nur noch auf Kreuzer bis Nr 36 konzentrieren will. Aber jetzt tut sich da eine völlig neue interessante Welt auf. ich fürchte nur soviel Zeit bleibt mir nicht mehr um das alles zu lernen.


    Minimarke: Vielen Dank für die ausführliche Bearbeitung meiner Paketkarte und Danke für den Paketkarten-Link.


    Also nochmal: Dieses unglaubliche Wissen, welches Ihr alle mir jetzt "einfach so" rübergeschoben habt, wäre mit Geld überhaupt nicht zu bezahlen. Ich bedanke mich nochmal recht sakrisch und betrachte das ganze als Weihnachtsgeschenk von der Vorsehung.


    Gruß und alle guten Stempel für 2007


    bayjack*

  • die zehn Pfennig auf der Rückseite haben mit Hellsehen nix zu tun, sondern mit kombinieren. Steht doch 1,60 drauf!


    Wenn ich das nächste Mal auf der A8 durchrausche werde ich winken tun :-)


    Allen noch einen guten Rutsch und einen guten Start in 2007 :-)


    MINIMARKE