Eine Briefmarke zu Ehren Adalbert Stifters

  • Bedeutender Schriftsteller Motiv für Sonderpostwertzeichen - Ab morgen millionenfach an Postschaltern zu haben


    Lackenhäuser. »Diese Marke wird zu einer Botschafterin für die ganze Region, für Land und Leute, für Natur und Kultur im bayerisch-böhmisch-oberösterreichischen Dreiländereck.« Davon ist Bundestagsabgeordnete Bruni Irber überzeugt. Und mit ihr die anderen Teilnehmer, die gestern bei der Präsentation der neuen Adalbert-Stifter-Briefmarke beim Rosenberger Gut dabei waren.
    Die Organisatoren um Karl-Heinz Paulus nutzten den herrlichen Herbsttag, der laut Landrat Alexander Muthmann wie gemalt gewesen ist für diese Aktion zu Ehren von Adalbert Stifter, der gerade hier bei seinen Aufenthalten für sein ganzes Leben gezehrt habe:»Stifter hätte sein Freude an diesem Tag gehabt.« Der Landrat begrüßte auch MdB Bruni Irber, MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler, Bezirksrat Max Brandl, seinen Passauer Landratskollegen Hanns Dorfner, dazu zahlreiche Bürgermeister, »Hausherr« Otto Wirthensohn vom Deutschen Jugendherbergswerk, Persönlichkeiten aus der Region und darüber hinaus. Im Mittelpunkt freilich stand Karl Kühn, seines Zeichens Leiter der Zentralabteilung im Bundesministerium der Finanzen, der die druckfrische neue Marke zur Präsentation »im Gepäck« hatte.
    Ministerialdirektor Karl Kühn betonte, dass nur Nichtalltägliches die Chance habe, Motiv für eine deutsche Briefmarke zu werden. Entschieden werde dann im Bundesfinanzministerium, wobei der Grundsatz der Ausgewogenheit gelte - sowohl in regionaler als auch thematischer Hinsicht. Mit dem neuen Sonderpostwertzeichen werde ein Mann gewürdigt, der 1805 in Oberplan geboren wurde und der zu einem der bekanntesten österreichischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts avanciert sei. Weit über die Grenzen seiner Dreiländerregion, über Österreich und gar über Europa hinaus seien seine Werke bekannt. Adalbert Stifter habe eine weltumspannende Lesergemeinde, werde in zahlreiche Sprachen übersetzt.
    Kühn würdigte Stifter als sehr heimatverbundenen, traditionellen Menschen und das nicht im Sinne von Nationalismus, sondern vielmehr, was die Liebe zu den Menschen und dem Land betreffe. Stifter hinterlasse Erzählungen, die beispielhaft Heimat- und Naturverbundenheit, Beobachtungsgabe, tiefen Glauben und Heimat widerspiegeln.
    Das soll auch die Optik der neuen 95-Cent-Marke symbolisieren - mit der goldenen Handschrift des Dichters und der Spitze einer Schreibfeder: »Dieses Motiv führt uns in sanfter und dennoch eindrucksvoller Weise auch vor Augen, dass zur damaligen Zeit nur mit der Hand geschrieben wurde und kein Computer oder Laptop mit Einfügen und Löschen die Arbeit erleichtert hat!«
    Während unter der Leitung von Stefan Artinger die Blaskapelle Neureichenau schneidig aufspielte, konnten sich die Gäste ganz genau das Großformat der Marke ansehen. Mit nach Hause nehmen durften sich die Marke als Erstdrucke gerade jene Leute, die sich sehr auf dem langen Weg hin zu ihrer Realisierung dafür engagiert hatten: Walter Bermann als Neureichenauer Bürgermeister, Dr. Peter Becher vom Adalbert-Stifter-Verein München, Dr. Theo Waigel als Bundesminister a. D., die MdBs Ernst Hinsken, Bruni Irber und Barthl Kalb, die Landräte Alexander Muthmann und Hanns Dorfner, Otto Wirthensohn als Vorsitzender des Jugendherbergswerkes, MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler, Ilse Boxleitner als langjährige Herbergsmutter im Rosenberger Gut, Bezirksrat Max Brandl, Klaus Eitner, stellvertretend für die Bürgermeister der Region Fritz Gibis aus Haidmühle, Bernhard Hain aus dem oberösterreichischen Schwarzenberg und Helmut Rührl aus Breitenberg, dazu Eberhard Höck vom Landesverband der bayerischen Philatelisten, Otmar Puchner als Obmann der Mühlviertler Briefmarkensammler und Helmut Meyer vom Adalbert-Stifter-Institut Linz.
    Für Landrat Alexander Muthmann war dies gestern nach dem 8. April 2005, als die Sondermarke »Nationalpark Bayerischer Wald« vorgestellt wurde, erneut ein ganz wichtiges Ereignis für die ganze Region. Das betonte auch Neureichenaus Bürgermeister Walter Bermann, der an die zahlreichen Veranstaltungen zum Stifter-Jahr 2005 ansprach, die Herausgabe dieser Briefmarke aber als Höhepunkt bezeichnete. MdB Bruni Irber sieht darin eine Liebeserklärung an den großen Dichter des Böhmerwaldes, die dank des Bundesfinanzministeriums möglich geworden sei. Sie dankte allen, die auf Initiative des Landkreises hier mitgeholfen hatten und vergaß da nicht ihre beiden MdB-Kollegen Ernst Hinsken und Barthl Kalb: »Möge die Marke eine Botschafterin für die Region werden und großen Absatz finden.«
    Viel wurde über Stifter gesprochen - aber dann auch von ihm gehört. Denn Dr. Peter Becher vom Adalbert-Stifter-Verein München erinnerte an die so starke Beziehung von Stifter zu Lackenhäuser und dem Rosenberger Gut, das Generationen von Schulklassen als Jugendherberge kennengelernt hatten, nun aber an Attraktivität verloren habe. Für Stifter sei es der Ort für Ruhe und Erholung, zur Linderung seiner körperlichen Gebrechen, zum Schreiben von wichtigen Erzählungen gewesen.
    Aus einer von ihnen, »Aus dem bairischen Walde«, zitierte Otto Wirthensohn und hatte aufmerksame Zuhörer, als er Stifter erzählen ließ - vom reizenden Blick über die Landschaft, den Wald und der unendlichen Ruhe in ihm, den Dreisessel, das Steinerne Meer. Es sei die Schönheit in Worte gefasst, um sie in der Seele wirken zu lassen.
    Danach ließen die Gäste süffiges Stifter-Bier von Bernhard Sitter und Stifter'sche Hausmannskost aus der Guts-Küche von Ilse Boxleitner auf sich wirken.


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    Die Adalbert-Stifter-Marke ist ab dem morgigen Donnerstag an allen Postschaltern und -agenturen in ganz Deutschland zu haben. Der Wert ist 95 Cent. Neun Millionen beträgt die Auflage. Der ausgewählte Entwurf stammt von den renommierten Grafikern Professor Peter Steiner und Regina Steiner aus Stuttgart.
    Eine Lanze für das Rosenberger Gut
    Natürlich standen Stifter und Briefmarke im Mittelpunkt. Aber weil die Zukunft des Rosenberger Gutes ungewiss ist, nahmen sowohl Landrat Alexander Muthmann als auch Bürgermeister Walter Bermann die Veranstaltung zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass »wir alle darum kämpfen sollten«.



    Lokalteil Waldkirchen:
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