Magie der Papierzacken und Motive

  • Begutachen, tauschen, ergänzen - der Verein der Hochheimer Briefmarkensammler



    HOCHHEIM Aktivitäten im Verein bereichern das Leben vieler Menschen, und Vereine machen eine Kommune lebendig. Diese Zeitung stellt in loser Folge ganz unterschiedliche Beispiele vor. Heute ist es der Briefmarken-Sammler-Verein Hochheim.



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    Ordnung ist das halbe Leben, sagen die Großen oft - Briefmarken trainieren gerade bei kleinen Fans der bunt-gezackten Papiermotive die Fähigkeit des Sortierens.



    Ob Gastsammler, Neugieriger oder potenzielles Mitgliede: Beim Briefmarkensammler-Verein ist jeder willkommen, der sich für Briefmarken interessiert, Exemplare tauschen oder zum Beispiel eine geerbte Sammlung begutachten und schätzen lassen will.


    "Es gibt viele schwarze Schafe auf dem Markt, die die Philatelie in Misskredit bringen", sagt der Vorsitzende Hubert Klupsch. Es seien jedoch genau diese Leute, die Marken nachgummieren, mit falschen Stempeln versehen oder reparieren, indem sie abgerissene Zähnchen ansetzen, die eine Vereinszugehörigkeit für die Briefmarkenfreunde so wertvoll machen. Denn jedes der 47 Mitglieder bezieht über den Verein nicht nur die Monatszeitschrift "Philatelie". Bei den monatlichen Montagstreffen informiert der Vereinsvorstand außerdem sofort darüber, "wenn eine Sammlung gestohlen oder ein Betrug entdeckt wurde", erzählt Klupsch.


    Neben dem Informations- und Erfahrungsaustausch schätzen alle die Möglichkeit, bei den Treffen zu tauschen. Denn jeder hat sein Spezialgebiet. Da sammelt der eine nur Marken aus Frankreich, der andere konzentriert sich auf Spanien und die einzige Frau im Verein auf Deutschland, ergänzt um Österreich und die Schweiz. Für wieder andere spielt das Herkunftsland eine untergeordnete Rolle. Sie jagen bestimmten Motiven nach wie Tieren oder Eisenbahnen. So gibt es zwar im Verein für alle westeuropäischen Länder Spezialisten, die osteuropäischen sind eher in den Motivsammlungen vertreten.


    Im Verein


    Zu tauschen gibt es bei jedem Treffen etwas. Gäste und Mitglieder, die aus der ganzen Region, aus Wiesbaden, Mainz und Gustavsburg kommen, bringen immer neue Marken mit: aus dem Urlaub, von Auktionen, Nachlassversteigerungen oder anderen Sammlern, die sie außerhalb des Vereins treffen. "Beim Händler kaufen wir nicht, wir wollen unsere Sammlungen im Tausch ergänzen." Da sind sich alle einig, ob Lehrer, Beamter, Ingenieur, Arbeiter oder Rentner. Sie verraten: "Nur so macht es richtig Spaß". Das Sammeln sei zwar mitunter "mühsam", aber auch die Freude größer, wenn einer Passendes findet.


    Wie Klupsch, der 1957 zum Verein kam, sind mehrere Mitglieder seit Jahrzehnten dabei. Dass ihre Sammlungen oft 50 bis 100 Alben umfassen, hat einen einfachen Grund: "Die Sache nimmt kein Ende." Sie spendieren auch die Marken für die zwei Mädchen und acht Jungen der neuen Jugendgruppe, die Klupsch, Kassierer Reinhard Klak und Schriftführer Werner Koch betreuen. Die Kinder haben an Motiven zuerst das Systematisieren nach dem Michel-Katalog gelernt, jetzt mit der Bundesrepublik angefangen und sind begeistert, "weil man dabei viel lernt".


    Klupsch erklärt, warum das Hobby so lehrreich ist: "Jede Marke ist ja zu einem ganz bestimmten Anlass herausgegeben." Die erfahrenen Sammler erklären den Kindern, was genau und weshalb zu sehen ist. Um die kleinen Briefmarkenfans nicht zu enttäuschen, ist es dem Verein wichtig, dass "für die Kinder nie eine Stunde ausfällt". Deshalb springen andere Mitglieder ein, wenn einer der üblichen Betreuer einmal nicht kommen kann. Langweilig wird das Sammeln selbst für die Senioren nicht. "Man lernt nie aus", schwärmen sie "vom Wissen, das die Marken vermitteln". Deshalb sei Briefmarkensammeln gerade auch für sie, "die wir nicht mehr so beweglich sind", eine "sinnvolle Freizeitbeschäftigung", die den Geist fit halte. Klupsch bestätigt, wie attraktiv das Hobby für alle Alterstufen ist, und betont: "Jeder kann ganz zwanglos in unseren Verein kommen und gucken, ob ihm das zusagt."




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