Große Preise für kleine Marken

  • Große Preise für kleine Marken
    Versteigerung: Rund 200 Sammler und Händler bei der Briefmarkenauktion in Eberstadt


    „Das Los 5142 beginnt bei 150 Euro.“ Auktionator Albert Kiel schaut sich aufmerksam im Saal um. Der Bieter mit der Nummer 585 hält seine Karte hoch. Doch auch Kommissionärin Ute Feldmann hat einen Auftrag: Für einen Interessenten, der bei der Auktion nicht anwesend sein kann, bietet sie mit. „160, 170, 180.“ Kiel schaut von einem zum anderen. Die beiden liefern sich einen Schlagabtausch. Nummer 585 hält seine Nummer beständig weiter nach oben: „380,390, 400.“ Schließlich gibt Feldmann auf, Nummer 585 bekommt den Zuschlag für 430 Euro. Er darf sich freuen, denn soeben hat er eine Briefmarkensammlung aus den zwanziger Jahren ergattert.


    Rund 200 Sammler und Händler sind am Samstag nach Eberstadt zur 15. Briefmarkenauktion gekommen, die zweimal im Jahr von Albert Kiel in den Räumen der Tanzschule Stroh ausgerichtet wird. Philatelisten finden dort alles, was das Sammlerherz begehrt: Von einzelnen Briefmarken über Sammlungen aus verschiedenen Gebieten und Zeiten bis hin zu Münzen, Ansichtskarten, und Literatur. Was 1998 mit 1800 Objekten begann, ist mittlerweile auf über 5500 angewachsen.


    Konzentriert schauen die Briefmarkenfreunde, von denen der Großteil ältere Herren sind, in den Auktionskatalog. Dort sind alle Objekte, ob einzelne Briefmarken oder Sammlungen, mit einer Losnummer, einer Beschreibung und dem Startpreis verzeichnet.


    Der Bieter mit der Nummer 79, der sich Lexi nennt und aus dem Hunsrück kommt, will 80 Lose ersteigern, vor allem Sammlungen. Er hat sich ein Limit für jedes Objekt gesetzt, doch bisher hatte er kein Glück: „Ich wurde teilweise um 300 Prozent überboten.“


    Siegfried Graf dagegen ist sehr zufrieden. Er habe etwa 70 Prozent von dem bekommen, was er wollte, erzählt er stolz. Für knapp 4000 Euro hat er am Samstag 21 Lose für seine Sammlung ersteigert, die rund 50 000 Briefmarken zählt. Wilfried Palka aus Dortmund dagegen denkt ans Geschäft, denn er ist Briefmarkenhändler. Zusammen mit seiner Mutter Gertrud ist er im Jahr auf dreißig Auktionen in ganz Deutschland unterwegs.


    Während die Palkas ihre ersteigerten Marken abholen und sich auf den Heimweg machen, ruft Auktionator Kiel mit ruhiger Stimme weiter die Losnummern aus, jongliert mit Zahlen und Beträgen, reagiert auf jede erhobene Hand. „Losnummer 5825 beginnt bei 450 Euro.“ Die postfrankierte Cept-Sammlung von 1993-2001 ist sehr begehrt. In Zehnerschritten steigt der Betrag bis auf 720 Euro, während bei Los 6035 keiner im Raum mitbieten will. Die Beträge für die Zuschläge sind höchst unterschiedlich, sie reichen an diesem Tag von zwölf Euro bis hin zu 15 500 für eine umfangreiche deutsche Briefmarkensammlung aus den Jahren 1949 bis 2001.


    Nach der neunstündigen Versteigerung herrscht im Hof des Auktionshauses reger Betrieb. Einige der Käufer laden die ersteigerte Ware kartonweise in ihre Autos. Für Albert Kiel und seine Mitarbeiter fängt die Arbeit jetzt erst richtig an: In der kommenden Woche müssen etwa 1000 Pakete an Bieter verschickt werden, die nicht anwesend waren, sondern über Fax, E-Mail oder Telefon mitgesteigert haben.



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