Traunreut: Kleine Schätze seltener gefragt

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    An Nachwuchs fehlt´s dem Traunreuter Briefmarken-Verein. Beim Großtauschtag waren immerhin einige Jugendliche vorhanden.




    Großtauschtag der Philatelisten in Traunreut aber nach wie vor Anziehungspunkt für Sammler


    Traunreut. Wer sich am Sonntag der Sportgaststätte näherte, der hatte Mühe einen Parkplatz zu finden. Der Großtauschtag des Traunreuter Briefmarken- und Münzsammler-Vereins hatte die Philatelisten aus dem südlichen Bayern und Österreich in die Stadt gelockt. Im Laufe des Tages kamen rund 100 Gäste, die Aktion ist seit vielen Jahren ein Renner.


    Zuhause hat der Verein allerdings mit Mitgliederschwund zu kämpfen, derzeit sind es weniger als 50 Mitglieder: "Zu unserem Ferienprogramm kommen zwar immer viele Jugendliche, aber an den Verein binden wollen sie sich nicht. Dabei wäre das gar nicht nötig. Wir würden uns freuen, wenn sie zu unseren monatlichen Tauschtagen kommen würden", sagt Vorsitzender Ulrich Schönherr in der TuSGaststätte.


    Dort geht´s am Sonntag ruhig zu. Michel-Kataloge werden gewälzt, Briefmarkenalben durchfilzt, Pinzetten und Lupen in Aktion gebracht, die Fachleute sind unter sich. Wen man am Großtauschtag immer vor Ort findet, ist das Ehepaar Nitsch: "Ich sammle schon seit 60 Jahren" erzählt Günther Nitsch. Sein Interesse gilt Österreich, der Schweiz, dem Bund, Berlin und dem 3. Reich: "Diese Sammlungen sind praktisch fast vollständig", sagt er. Jetzt sammelt er nur mehr "Heimat", das heißt Traunreut, vor allem die Muna-Zeit, Trostberg oder Traunstein. Seine Frau lacht auf die Frage nach ihren Interessen: "Ich bin nur die Angestellte und darf die Briefmarken waschen und die Kataloge wälzen." Sie sammelt aber vor allem Ansichtskarten, die Traunreut zeigen und da hat sie schon einen dicken Ordner zum Vorzeigen.


    Münzenhändler-Profis sind diesmal keine gekommen, aber die Amateure sind gut vertreten. Der Traunreuter D. Meinrad sammelt schon seit seiner Jugend und hat sich auf die EuroMünzen spezialisiert: "Interessant sind aber nur einige Länder mit kleinen Auflagen wie San Marino, Irland oder Slowenien. Letztere haben besonders schöne Motive auf ihre Münzen geprägt, wie etwa die Lipizzaner. Eine Rarität sind die Ein- und Zwei-Centmünzen aus Finnland, die wurden zwar geprägt, sind aber nicht im Umlauf, weil man dort im Handel aus fünf Cent aufrundet", erklärt er.


    Hans Rosenegger aus Oberteisendorf sammelt vor allem "schöne Bilder" aus Polynesien. Die haben ihn schon seit seiner Jugend fasziniert: "In der Schule habe ich einen Lehrer gehabt, später ist der Standortkommandant in Traunstein geworden, der hat uns zum Sammeln animiert. Gesammelt hat er allerdings Bomben- und Granatsplitter aus dem 2. Weltkrieg, weil ich ihm da immer was bringen konnte, hab´ ich einen guten Stand bei ihm gehabt".


    Der Rosenegger Hans fährt wegen seiner Sammelleidenschaft auch ins nahe Ausland, vor allem nach Kroatien: "Ich


    bin auch Mitglied beim Verein in Rijeka, da sind Kroaten, Russen, Slowenen und ein paar Deutsche dabei!" Ein großer Flohmarkt in Kroatien ist übrigens ein Geheimtipp von ihm; "Da findet man immer noch manchmal ein Schnäppchen!"


    Der Traunreuter Achim Mugaj, ebenfalls Sammler seit Jahrzehnten, hat andere Probleme: Er will seine kompletten


    Sammlungen Bundesrepublik, Berlin und Österreich verkaufen, aber damit hapert es: "Früher hat´s einmal geheißen, Briefmarken sind die Aktien des kleinen Mannes, aber das stimmt schon lange nicht mehr. Wenn man Sammlungen verkaufen will, ist das ein riesiges Verlustgeschäft. Man kann sie höchstens versteigern, aber übrig bleibt da auch nicht viel!" Früher waren seine Kinder begeistert von den kleinen bunten Bildchen: "Aber jetzt interessiert sich keiner mehr dafür". So geht´s wahrscheinlich vielen Sammlern seiner Generation.


    Ehe der Berichterstatter zum Lokaltermin auszog, machte ihn seine Frau aufmerksam darauf, dass in einer Schublade noch eine Schachtel der verstorbenen Tante Mimi mit Münzen läge. Ein Augenschein ergab: Es waren keine Münzen, sondern Medaillen. Vom 200 Todestag des Herrn von Goethe, eine Prägung zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig und eine an die Weltausstellung, alle kurz nach der vorletzten Jahrhundertwende geprägt, auch eine Dankesmedaille für die Tante Mimi, die sich offenbar als Helferin bei öffentlichen Angelegenheiten als "Patriotin" verdient gemacht hatte, wie die Medaille vermeldet. Heute heißt man solche Leute "Volunteers", wie uns die Fußball-WM gelehrt hat, Patrioten machen sich eher verdächtig bei den linksliberalen Eggheads. Alles schwere Kupfer-Brocken. Sie sind jetzt im Besitz des Traunreuter Clubs, vielleicht finden sie ja einen Liebhaber.


    Der Großtauschtag der Traunreuter BriefmarkenFreunde dauert den ganzen Tag. Zwischendrin stärken sich die Sammler an Lores Schweinsbraten und dabei geht das Fachsimpeln weiter. Auch den NichtSammlern wäre ein Besuch durchaus anzuraten. Man trifft dort interessante Leute, die sich gerne in ein Gespräch verwickeln lassen.




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