Kleine Welt mit Zacken

  • Briefmarkensammeln bildet, sagen die Mitglieder des Melsunger Philatelisten-Vereins



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    Aus kleinen Anfängen zur stattlichen Sammlung: Die Briefmarkenfreunde Arno Müller, Alfred Gulde, Rainer Kettner und Ludwig Below (von links) stellen sich regelmäßig gegenseitig ihre neuesten Errungenschaften vor.



    MELSUNGEN. Seit 500 Jahren werden in Europa Briefe mit der Post befördert. Dieser Transport kostet Geld, und so werden seit 150 Jahren kleine bunte Bildchen auf Briefe und Pakete geklebt und bei Benutzung abgestempelt - zum Zeichen, dass der Kunde den Postweg bezahlt hat.


    Heutzutage sind Briefmarken manchmal richtige kleine Kunstwerke. Deshalb werden sie von vielen Menschen gesammelt. "Jeder fing mal klein an und sammelte zunächst die Briefumschläge in der Familie und Nachbarschaft", erzählt Hermann Kirchner aus Melsungen, der seit vielen Jahren Briefmarken sammelt. Dieses Hobby erweitere automatisch das Allgemeinwissen, erklärt der kundige Philatelist. Zum Beispiel Geografie: Der Sammler wolle ergründen, wo eine spezielle Marke herkommt.


    Auch die Motive regen laut Kirchner dazu an, sich mit vielen verschiedenen Themen auseinanderzusetzen. Ob Sport oder Tiere, Pflanzen oder Zirkus, Gemälde oder Technik – die Themenwelt auf den kleinen Marken ist grenzenlos weit.


    Die Mitglieder des Vereins Briefmarkenfreunde Melsungen treffen sich einmal im Monat, um ihre Neuerwerbungen zu begutachten und miteinander zu tauschen. Jeder einzelne Sammler hat seine Motivsammlungen und Spezialgebiete. So sammelt Hermann Kirchner unter anderem Zirkusmotive und Wappen aus aller Welt: "Die Wappen sind hochinteressante Motive - da kann man richtig über Geschichte und Heraldik forschen."


    Viele Geschichten und Schnurren rund um das Markensammeln lassen die Melsunger Vereinsmitglieder heute schmunzeln: So habe ein Junge, der die ersten Briefmarken geschenkt bekam, die Zacken mit der Schere abgeschnitten, weil sie ihm nicht gefielen. Oder wie ein anderer Junge die ersten geschenkten Marken sorgfältig auf einer Schnur auffädelte, statt sie ins Album zu sortieren.


    Die Briefmarkenfreunde veranstalten hin und wieder Ausstellungen, auf denen Marken zu bestimmten Themen zusammengestellt präsentiert werden. Eine Motivsammlung zum Thema Wald zeigt beispielsweise Briefmarken mit Schmetterlingen, Vögeln, Amphibien, Bäumen, Sträuchern – eben alles, was im Wald wohnt und wächst, und auch Märchenmotive. Denn auch Rotkäppchen läuft ja in den Wald, wo die Großmutter wohnt, und wird dann vom Wolf gefressen.


    Wer die kleinen Postwertzeichen sammle, der erfreue sich an den schönen Marken. Eine Geldanlage sei das Ganze nicht, meint Ludwig Below. Er sammelt auch Briefumschläge aus jener Zeit, als es in Melsungen noch gar keine Marken gab. Damals vermerkte die Post mit einem Stempel und handschriftlich auf dem Brief, ob die Beförderungsgebühr bezahlt ist. "Mussten die Räder der Postkutsche unterwegs geschmiert werden, war dafür ein Extra-Obolus zu entrichten", berichtet Below: "Das Schmiergeld."


    Heutzutage beziehen die Sammler ihre Marken frisch von der Post, über Versandhändler und Kataloge, oder sie werden auf Tauschtagen und Briefmarkenbörsen fündig – immer auf der Suche nach noch fehlenden Exemplaren. (zzh) Kontakt: Ludwig Below, Tel. 0 56 61 / 6665




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