Briefmarken als Wertanlage bzw. Spekulationsgut

  • Sg. Damen und Herren,


    zuerst vielen Dank für die Aufnahme in Ihrem Forum. Mich treibt seit längerem ein Thema um, welches ich gerne mit Ihnen erörtern möchte - und zwar, wie sind Briefmarken unter dem Aspekt der Marktlage als Investitionsgut zu bewerten?


    Ich selbst besitze eine kleine aber feine Sammlung (Schwerpunkt Deutsche Kolonien, Auslandspostämter, Besetzte Gebiete, Deutsche Abstimmungsgebiete, Altdeutschland, Deutsches Reich, Alliierte Besetzung und BRD/Berlin/DDR bis ca. 1953, sowie Briefe/Postkarten von ca. 1800 bis 1949), die trotz geringer Anzahl der Einzelstücke (ca. 5.000 Stück) einen sehr ordentlichen Katalogwert aufweist - Massenware für unter 5,00 € / Stück ist nicht enthalten, leider auch keine absoluten Spitzenwerte für 1.000,00 € +), dafür vieles im Bereich 50,00 € - 800,00 €; und zwar besitze ich diese Sammlung aus 2 Gründen:


    a) Ich habe Spaß am Sammeln

    b) Ich möchte ein Anlageobjekt aufbauen, welches über die Zeit an Wert gewinnt; Orientierungshilfe sollen dabei nicht Katalog- sondern Marktpreise sein.


    Der Erwerb der Marken läuft bei mir über Flohmärkte, Ebay-Kleinanzeigen und Co ab, von Ebay sehe ich ab, da dort keine wirklichen Schnäppchen zu machen sind. Meist kaufe ich ein Konvolut von 20-50 Alben an, entnehme meine Sammelgebiete und verkaufe den Rest preiswert weiter. Dadurch realisiere ich extrem gute Einkaufspreise pro Marke. Eine tiefe Durchsuchung (PF & Co) nehme ich nicht vor (außer bei Infla-Werten), erstens fehlt mir die Zeit und zweitens soll auch der Käufer noch die Gelegenheit haben, einen Schatz zu finden.


    Mein Ziel ist es, der Sammlung bis 2034 einen Katalogwert von ~ 1.000.000,00 € zu verleihen, was je nach Einkaufspreisen für Konvolute ein realistisches Ziel ist, derzeit beträgt der Katalogwertzuwachs pro Jahr ca. 75.000,00 €, wobei ich davon ausgehe, dass ich in absehbarer Zukunft mehr Zeit für die Sammlung haben werde - derzeit leite ich ein KMU als Geschäftsführer und habe entsprechend limitierte Zeitressourcen.


    Drei weitere Punkte zur Berücksichtigung:


    a) Ja - mir ist klar dass ich, würde ich die Zeit, die ich in meine Sammlung investiere, anderweitig investieren (z. B. in die Durchführung von Consulting-Veranstaltungen), mehr Gewinne realisieren könnte, als durch das Zeitinvestment in die Briefmarkensammlung. Diese entstehenden Opportunitätskosten sollen jedoch nicht Teil der Betrachtung sein.


    b) Ich kenne die Marktpreise, mir ist daher absolut klar, dass ein Katalogwert von den angestrebten 1.000.000,00 € sich nicht in einem annähernd so hohen potentiellen Verkaufspreis niederschlägt - ich würde je nach Auktion dann eher von 50.000,00 € ausgehen.


    c) Ziel der Sammlung ist nicht der Verkauf 2034, 2034 habe ich mir nur als realistischen Milestone gesetzt. Ich plane eher, die Sammlung fortzuführen (und den Wert als schönes Beiwerk zu betrachten), sie zu vererben oder, sollte es notwendig sein, zur Aufbesserung der Altersrente zum Zeitpunkt meines Renteneintritts (2049) zu veräußern.


    Nun meine Themen:


    a) Wie betrachten Sie das Unterfangen generell? Gibt es ähnliche Unterfangen in der Community?


    b) Teilen Sie meine Einschätzung, dass die Katalogwerte von Marken aus meinen Sammelgebieten bis 2049 weiter steigen werden?


    Gerne natürlich auch weiterer Input, den ich jetzt nicht berücksichtigt habe.


    Beste Grüße

  • Meiner Meinung nach sind die allermeisten Briefmarken als Investitionsgut vollkommen ungeeignet. Warum?


    - Postwertzeichen als solches kommen häufig bis massenhaft vor

    - Belege kommen häufig bis massenhaft vor

    - Einer kleiner werdenen Anzahl von Sammlern steht eine steigende Anzahl von Verkäufern gegenüber

    - durch digitale Kommunikationswege und Verkaufsportale steigt die Marktübersicht und die Kenntnis über die Häufigkeit

    - Scheinbar geht der Trend vom klassichen Ländersammler zum Spezialisten


    Um es kurz zu machen, wer sich heute mit der Bayern Einser oder der Sachsen Dreier eindeckt (welche übrigens in fast jeder klassischen Aukiton angeboten werden), hat später noch einer werthaltige Briefmarke, wird aber sicher nicht mir einem Plus aus der ganzen Sache aussteigen.

  • Erst mal Grundätzliches:

    Den Markt auf mehr als ein paar Jahre abzuschätzen ist wohl nicht mehr möglich. Der Preiszerfall ist nach wie vor in vollem Gange. Auf mein Sammelgebiet bezogen, die "alten" Sammler sterben langsam weg und werden nicht mehr ersetzt durch junge Sammler. Ob da je eine Trendwende einsetzt oder die Lage sich auf niederem Niveau einpendeln wird? Niemand weiss es, das gilt für alle Sammelgebiete. Es gibt schon Gebiete, die JETZT Profit versprechen (China war so ein Ding), aber die Lage kann sich innert Jahren völlig drehen.

    Das Endresultat ist, das Angebot übersteigt irgend wann die Nachfrage. Die Preise werden fallen.


    Die Katalogpreise sind so eine eigene Sache. Natürlich werden sie in Zukunft auch steigen (zumindest die Raritäten). Aufpassen muss man einfach, dass man nicht reingelegt wird vom Kataloghersteller (Der Afinsa-Skandal sollte noch nachklingen. Und Stanley-Gibbons ist auch so eine Sache..) Aber schon jetzt gibt es Gebiete, wo die Katalogpreise nichts mehr zu tun haben mit dem Markt.


    Briefmarken als Geldanlage: Ein heisses Eisen für den Profi, beinahe eine Unmöglichkeit für den engagierten "Laien". Grundätzlich gilt hier: Alles unter einem Wert von unter 10'000 Euro (pro einwandfreie Marke, grober Schätzwert) taugt nicht als Anlageobjekt. Es gibt schon Leute, die Kasse machen mit Marken als Anlageobjekte. Das sind dann bekannte Figuren, die erst mal einen Hype auslösen können für ihr Sammelgebiet und dann mit gutem Marketing ihre WAre verklickern können an Grossauktionen.

    Also meiner Meinung nach ist eine Sammlung mit vielen 50-800 Euro Marken kein erfolgversprechendes Rezept. Niemand wird das, als Paket, auch nur näherungsweise zum Katalogwert kaufen. Meine Sammlung , als Beispiel, hatte mal einen Katalogwert von ca $200'000 (ca 6000 Markenhefte). Davon kann ich vielleicht 50 Markenhefte verkaufen zu einem guten Preis, der Rest wird wohl als Ramschlot bei einer Auktion unter Nennwert verscherbelt. Ich werde deutlich mehr ausgegeben haben als ich je dafür bekommen werde.


    Also lange Rede, kurzes Fazit: Für eine Geldanlage braucht man sehr, sehr gute Kenntnisse des Marktes, und man muss wohl in einige wenige, sehr teure, einwandfreie Marken investieren. Was natürlich voll in die Hose gehen kann in der fernen Zukunft. Besser eine gepflegte Sammlung aufbauen, sich daran freuen, Kontakte knüpfen (an MEssen, in Clubs wenn es diese denn noch gibt). Im Wissen, das Geld kommt wahrscheinlich gar nicht oder nur zu einem kleinen Teil zurück.

  • Zitat

    Teilen Sie meine Einschätzung, dass die Katalogwerte von Marken aus meinen Sammelgebieten bis 2049 weiter steigen werden?

    Klare Frage - klare Antwort: Nein.


    Die mit Abstand größte Eintrittsahrscheinlichkeit hat die Aussage "Die Masse der Sammler wird (rapide) kleiner werden." Das gilt aus heutiger Sicht für alle Sammelgebiete; Ausnahmen wird es evtl. geben und sind unter Zufall einzuordnen. Das bedeutet automatisch weniger Nachfrage und ein größeres Angebot und damit fallende Preise. Als riskantes Spekulationsobjekt (!!!) taugen m.E. nur Stücke mit einem heutigen Marktwert von 100.000 Euro und mehr.

    Sind in eurer Sammlung Bund-Marken mit Stempel aus Düsseldorf? Tausche gegen gleiche Marke mit mindestens gleichwertigem Stempelabschlag plus "Dankeschön" oder fehlende Marken!


    Meine Tausch- und Verkaufsangebote im Philaforum:  Ulis Flohmarkt

  • Sg. Damen und Herren,


    vielen Dank für die ersten Einschätzung. Meine Rechnung sieht in etwa so aus:


    Ich kaufe ein Lot von bspw. 20 Alben für (je nach Qualität) 150,00 - 400,00 € - daraus entnehme ich die (für meine Sammelgebiete) relevanten Marken, pro Sammlung meist ca. 50 - 100 Stück, die dann einen Gesamtkatalogwert von geschätzt 2.500,00 € - 10.000,00 € haben (je nachdem wie viel Glück ich hatte). Im Anschluss verkaufe ich die Sammlung (manchmal auch in kleineren Teilen) für ca. 75% meines Einkaufspreises weiter, d.h. ich habe für einen Katalogwertzuwachs von 2.500,00 € - 10.000,00 € einen Preis von 38,00 € - 100,00 € bezahlt, d.h. zwischen 1,5% und 1% des Katalogwertes. Zudem entnehme ich fair und bin im Einkauf recht geschickt bzw. suche (so glaube ich) ankaufwürdige Sammlungen gut aus, so dass ich (bislang) die 75% meines Einkaufspreises bislang auch immer als Verkaufspreis realisieren konnte, ohne das Gefühl zu haben, jemanden zu übervorteilen (Anm.: Ok - natürlich hole ich die "dicksten Dinger" raus, aber ich fahre dafür auch durch die Gegend und mache mir wirklich Mühe im Ankauf). Wer sich fragt wie ich an die Sammlungen komme, gerne ein paar Tipps: Wohnungsauflösungen, Flohmärkte (eher selten), Ebay-Kleinanzeigen (ab und an, aber da wird viel geschummelt), Hausflohmärkte (Geheimtipp: In besseren Gegenden), Aushänge an öffentlichen Plätzen in besseren Gegenden (z. B. Supermärkte - auch ein Geheimtipp), Mundpropaganda im Freundes & Bekanntenkreis.... meine derartigen Aktivitäten beschränken sich derzeit nur auf die Wochenenden und den Feierabend, aber es klappt eigentlich sehr gut und ich habe wirklich Freude daran, neben meiner Bürotätigkeit, noch ein "Schatzsucher" zu sein.


    D.h. für meine aktuelle Sammlung mit Katalogwert geschätzt um die 120.000,00 € habe ich zusammengerechnet und geschätzt etwa 1.300,00 € bezahlt, d.h. ein bisschen über 1% vom Katalogwert - bei einem Verkauf in Einzelstücken wäre doch (denke ich zumindest) schon jetzt ein Erlös von ca. 8.400 € (7% Katalogwert - basierend auf meiner Einschätzung aus Ebay, Ebay-Kleinanzeigen und Co) möglich?


    Bitte korrigieren Sie mich, falls ich falsch liege, ich würde das Sammeln trotzdem nicht aufgeben, weil es mir Freude bereitet, aber als Unternehmer liegt mir natürlich auch die Betrachtung der Wertperspektive einfach sehr nahe.


    Beste Grüße

  • Für mich hinkt die ganze Darstellung gewaltig und ist ein typisches Beispiel dafür, wie man sich an Katalogpreisen reich rechnen kann.


    - In den bisherigen Anschaffungskosten von geschätzt 1.300 Euro fehlen der Zeitaufwand für den An- und Verkauf und die Durchsicht nebst Reisekosten vollständig. Bei einem Stundensatz von 100 Euro sieht die ganze Geschichte dann sicher schon ganz anders aus.

    - Bei höhenwertigen Stücken sind nur aktuell BPP geprüfte Werte einigermassen am Markt absetzbar. Liegen diese Prüfungen nicht vor, entstehen entweder weitere Kosten oder man muss niedrigste Verkaufspreise akzeptieren.

    - Eine Reihe von Sammlern bedient sich bereits auf diese Art und Weise am Käufermarkt. Es war wohl niemals so günstig wie heute, sich vermeintlich wertvolle Sammlungen aufzubauen.

    - Wirklich wertvolle Sammlungen werden über namenhafte Auktionshäuser oder direkt unter Sammlerfreunden (z.B. in ARGEN) weiterverkauft. In der Regel wurden diese auch unter hohem finanziellen Aufwand aufgebaut.


    Ist aber nur meine Meinung.

  • Das was du uns erzählst ist aber keine klassische Geldanlage! Geldanlage heißt, ich kaufe heute und verkaufe später (meist mehrere Jahre dazwischen) mit Gewinn, der über der Inflation liegt. Und sowas funktioniert eigentlich mit Briefmarken nicht.


    Was du machst ist quasi Einzelhandel, du kaufst Sammlungen auf und verkaufst daraus bessere Stücke. Ein einzelhändler kauft auch z.B. große Mengen Kaffeemaschinen und veerkauft sie einzeln und macht demit Gewinn, das ist aber keine Geldanlage, sondern einfach Handel.

  • Für mich ist das typisch "Kaufmann"-Denken. Wie schon geschrieben, nur absolute Spitzen bringen den betuchten Verkäufern Gewinn. Sie können auch den Markt durch Kauf und Verkauf in Bewgung halten.


    Ein Aspekt ist noch gar nicht angesprochen worden : Die Katalogänderungen. In letzter Zeit - bedingt durch die besseren Prüfmöglichkeiten - werden viele gestern noch teure Katalognotierungen heute als nicht mehr haltbar abgewertet. ---> Futsch ist der angedachte Verkaufspreis.


    Ich bin Sammler mit einem Hobby und vernichte aus Freude an der Sache (in meinem Rahmen) Geld, denn jedes Hobby kostet. Nach mir die Sinnflut - mein Erbe hat jetzt schon kein Interesse an meinen Beständen.


    Zitat drkohler :

    Meine Sammlung , als Beispiel, hatte mal einen Katalogwert von ca $200'000 (ca 6000 Markenhefte). Davon kann ich vielleicht 50 Markenhefte verkaufen zu einem guten Preis, der Rest wird wohl als Ramschlot bei einer Auktion unter Nennwert verscherbelt. Ich werde deutlich mehr ausgegeben haben als ich je dafür bekommen werde.


    Mir fehlen noch MH ;)


  • Mir fehlen noch MH ;)

    Aus den USA? Ich habe schon einige Duplkate, die ich für (abgerundet) Postwert verscherben kann. Sind aber wahrscheinlich zum grössten Teil Spezialvarianten, im Scott Spezialkatalog werden diese nicht erwähnt (wir haben Jahre mit Scott verhandelt/gebettelt um eine bessere Darstellung des MH-Teils, aber Scott hat a) keinen Platz (Die Regel ist: der Katalog ist so dick, wenn Neues kommt muss Altes raus) b) kein Geld (auch sie spüren die langsam aussterbende Rasse der Markensammler).

  • Aber nochmal zurück zum Thema:

    Wenn du 1 Million Marken hast mit einem Einzelwert im Euro-Bereich, dann hast du kein Vermögen, dann hast du ein Abfallproblem. Heute 20 Alben für 200 Euro gekauft werden in zwanzig Jahren für maximal 210 Euro verkauft werden können. Mit solchen Lots ist Nichts zu holen.

    Es gilt auch die Grundregel für ebay (und ähnliche Orte): Ein Lot das mit "garantiert undurchsucht" ausgeschrieben ist, ist mit 100%er Sicherheit durchsucht worden. Das heisst nicht, das man ab und zu doch ein Schnäppchen findet, aber reich wird man damit nie und nimmer,l und Anlageobjekte sind solche Käufe garantiert nie.

  • Spannendes Thema :-) Schließe mich einigen Vorrednern an. Ich glaube auch nicht, dass sich mit Sachen, die nicht schon heute wirkliche Raritäten sind, in absehbarer Zeit Gewinn erzielen lässt. Und selbst das ist fraglich. Die Katalogwerte sehe ich da aus den genannten Gründen auch kaum als Maßstab, Dürfte da auch schon einiges zusammen haben, wenn ich alle Umzugskartons mit Restsammlungen, Kiloware usw. zusammenrechnen würde. Nur gibt mir ja keiner auch nur ansatzweise was in Richtung Katalogbewertung dafür. Habe als mahnendes Beispiel immer noch meinen Michel Junior von Anfang der 1990er Jahre hier irgendwo rumliegen. Was da an Preisen genannt wurde, erzeugt heute wahrscheinlich nur noch Kopfschütteln.


    Die Methode "Viel einkaufen und dann teurer verkaufen" dürfte auch wenig erfolgversprechend sein. Ich probiere das auch hin und wieder. Habe beim Auktionshaus um die Ecke mehrmals so Gebots-Posten für unter 100 Euro "geschossen", die mühsam auseinander sortiert, das was ich gebrauchen konnte, halt behalten und den Rest verscherbelt. War dann stolz, wenn am Ende mehr reinkam, als ich für den Posten ausgegeben habe - was eigentlich immer der Fall war. Aber Zeit und Aufwand lasse ich mal lieber unerwähnt, sonst passt meine schöne Rechnung nicht mehr so.

  • Hallo,

    der Beschreibung nach betreibst du einen klassischen Briefmarkenhandel.

    Der ist aus vielerlei Gründen am Aussterben....Mangel an Material mit aufsummierten hohen Katalogwerten ist keiner davon.

    Ob der Verfall der Marktpreise deine günstigen Einkäufe in den nächsten Jahren unterbietet, kann man kaum vorhersagen, ob die Katalogwerte dabei steigen, ist jedoch völlig egal.

    Tendenziell würde ich vermuten, dass der Verkauf der geplünderten Restsammlungen als erstes ins Stocken kommt, sodass die Einkaufspreise des "guten" Materials steigen.

    "Gut" sollte an dieser Stelle vielleicht genauer definiert werden - ich verlange, für in meinen Augen gute Marken, ein Vielfaches von 7% des Katalogwertes und bekomme es auch, bei ebay oder anderswo....

    Alles, was irgendwie Standardware oder nicht einwandfrei oder falls nötig, nicht aktuell geprüft ist, auch mit hohen Katalogwerten, gehört nicht dazu, da gibt es eine Preisspirale nach unten, die sich eher verschärfen wird.

    Im Übrigen sollte man auch den Aufwand nicht unterschätzen, 5000 Artikel oder in 30 Jahren dann 50.000 Artikel bei ebay einzustellen. Bei Lots oder Sammlungen sinkt der Erlös rapide ab.....


    Geld, für Briefmarken ausgegeben, ist erstmal weg. Man bezahlt für das Vergnügen der Sammelei und darf sich dabei gern reich rechnen. Wenn man Glück hat, bekommt man im Verkaufsfall einen Teil des Geldes wieder....

  • Sogar manche Bank und manche Zeitung befassen sich mit diesem Thema:


    https://wissen.consorsbank.de/…-geeignet-sind/ba-p/52377


    https://www.mz-web.de/wirtscha…ls-kapitalanlage--1434896


    Manchmal ist es auch Glückssache:


    Wer Bund und Berlin ab den 60er-Jahren in Bogen gehortet hat, hat falsch investiert, er kann die Marken nicht einmal als Frankatur verwenden, da sie nicht mehr gültig sind.


    Wer dagegen zur richtigen Zeit auf China gesetzt hat, insbesondere auf Blöcke oder den Roten Affen, der hat sein Kapital vervielfacht.


    Gruß kartenhai

  • Sg. Damen und Herren,


    vielen Dank bisher für den vielseitigen Input. Zum Thema Handel: Als Handel im steuerlichen Sinne würde ich es nicht bezeichnen, da vorwiegender Zweck der Aufbau der Sammlung ist und die Transaktionen mit Verlust stattfinden - d. h. es wäre eher bei Liebhaberei einzuordnen, falls steuerliche Fachtermini Anwendung finden würden.


    Aber ja: Das Denken des Kaufmanns ist mir inherent, darum auch dieser Faden.


    Ich stimme aber zu, dass der Betreff bzw. die Worte "Wertanlage" und "Investitionsgut" falsch gewählt sind, da dort der Sachverhalt tatsächlich anders läge - bitte um Entschuldigung.


    Zum Thema Preisentwicklung bei Ebay & Co: Leider beobachte ich diese auch. Anfangs habe ich im Verkauf durchschnittlich 18,00 € pro Album erzielt, mittlerweile liegt es eher bei 13,00 € - 15,00 €, was ein durchaus merklicher Verfall ist - andererseits wirkt sich das auch auf meine Einkaufspreise aus, jedoch ist da der Preiswiderstand höher.


    rabege : Derzeit würde ich schätzen, dass ich pro Monat ca. 2 Posten verarbeiten kann, das entspricht rund 30-40 Alben, was bei einem entnommen Katalogwert von jeweils 2.500,00 € bis 10.000,00 € zum kalkulierten Wertzuwachs von ca. 75.000,00 € pro Jahr führt - jedoch: Ich merke, dass meine anfangs wirklich sehr überschaubare Sammlung (4 Alben) mittlerweile zu sehr wächst, weil sich einiges 10,00 € - 20,00 € Material aufstaut, das ich eigentlich nicht behalten muss. Hier werde ich Anfang 2019 eine harte Kante setzen und konsequent alles mit einem Katalogwert von <20,00 € in kleinen Lots abverkaufen.


    Zum Thema Prüfung: Manche Stücke sind geprüft, die meisten jedoch nicht. Da ich aber von vielen, gerade frühen, Werten eine hohe Farbvarianz besitze, werde ich hier Prüfungen durchführen lassen - das traue ich mir, anders als Wasserzeichen, Zähnungen und Co - einfach nicht zu, mein Farbsehen ist, so glaube ich, eher mangelhaft. Auch das Thema Papier finde ich leider sehr kompliziert zu bewerten, gerade auch z. B. bei bayerischen Dienstmarken, von denen ich vor kurzem eine große und gut sortierte Menge in einer Sammlung gefunden habe, die durchaus eine gewisse Variantenvielfalt aufweisen könnte.


    Mit den besten Grüßen

  • Zum Thema Handel: Als Handel im steuerlichen Sinne würde ich es nicht bezeichnen, da vorwiegender Zweck der Aufbau der Sammlung ist und die Transaktionen mit Verlust stattfinden - d. h. es wäre eher bei Liebhaberei einzuordnen, ...

    Da irrst du aber gewaltig:

    a) sobald Gewinnabsichten vorhanden sind, die ja bei dir gegeben sind, bist du zur Abgabe von Mehrwertsteuer verpflichtet und zudem musst du deinen Gewinn versteuern.

    b) Als Liebhaberei wird bezeichnet, wenn du keinen Gewinn erziehlst.

  • a) sobald Gewinnabsichten vorhanden sind, die ja bei dir gegeben sind, bist du zur Abgabe von Mehrwertsteuer verpflichtet und zudem musst du deinen Gewinn versteuern.

    b) Als Liebhaberei wird bezeichnet, wenn du keinen Gewinn erziehlst.

    Ist leider so auch nicht richtig.


    Im Einkommensteuerrecht liegen Einkünfte aus Gewerbebetrieb vor, wenn eine:


    selbständige und nachhaltige Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr mit Gewinnerzielungsabsicht vorliegt (§ 15 Abs. 2 EStG).


    Nach dem Umsatzsteuerrecht gilt man als Unternehmer, wenn eine:


    selbständige und nachhaltige Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr mit Einnahmeerzielungsabsicht vorliegt (§ 2 Abs. 1 UStG).


    Allerdings gibt es im Umsatzsteuerrecht noch Gestaltungsmöglichkeiten, wie die Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) oder die Differenzbesteuerung (§ 25a UStG).


    Richtig und sicher wäre es aber, sich bei dieser Art der Materialbeschaffung und -verwertung mit dem Steuerberater zusammenzusetzen. Spätestens, wenn man im weltweiten Netz kundtut, dass man solch einen "Handel" betreibt.


    PS: Liegt Liebhaberei nicht dann vor, wenn man dauerhaft keinen Gewinn erzielt, also über den gesamten Zeitraum der Tätigkeit?

  • Als Handel im steuerlichen Sinne würde ich es nicht bezeichnen, da vorwiegender Zweck der Aufbau der Sammlung ist und die Transaktionen mit Verlust stattfinden - d. h. es wäre eher bei Liebhaberei einzuordnen, falls steuerliche Fachtermini Anwendung finden würden.

    Auch diese Aussage ist so nicht richtig. Das Ergebnis (Gewinn oder Verlust) wäre wie folgt zu ermittelt:


    Verkaufserlöse

    abzgl. Verkaufskosten (z.B. Versandkosten, Fahrtkosten)

    abzgl. Anschaffungskosten (in der Regel der Kaufpreis)

    abzgl. Anschaffungsnebenkosten (z.B. Reisekosten)


    = Zwischenergebnis


    zzgl. Entnahmen, bzw. spätere Verkaufserlöse


    = Gewinn oder Verlust


    Und ohne ordentliche Aufzeichnungen schätzt das Finanzamt dieses Ergebnis, wenn es mal hart auf hart kommen sollte.

  • Zum Thema Steuern: Ich bin natürlich in Beratung und habe dort das Thema auch schon diskutiert; mir wurde es als vollkommen unkritisch erläutert, weil der Aufbau der eigenen Sammlung im Vordergrund steht, und zudem die Ausgaben die Einnahmen überschreiten, zudem ist keine Gewinnerzielungsabsicht vorhanden. Die Einnahmen, die irgendwann einmal entstehen könnten, sollte ich meine Sammlung veräußern, sind für diese Betrachtung irrelevant. Das ist analog zu der Person zu betrachten, die sich 1959 eine schönen Sportwagen gekauft hat, diesen gepflegt und mit Geld und Zeit hergerichtet hat, gebrauchte Einzelteile ver- und neue angekauft hat, und diesen dann 2018 veräußert und das x-fache der Einkaufspreise erhält.


    Anders wäre es zu betrachten, wenn ich z. B. lediglich Sammlungen ankaufen würde, diese dann zerlegen, und in Einzelteilen zu einem höheren Preis verkaufen würde. Das wäre dann steuerlich relevant.

    Und ohne ordentliche Aufzeichnungen schätzt das Finanzamt dieses Ergebnis, wenn es mal hart auf hart kommen sollte.

    Das ist richtig, kann aber auf sehr viele Themen angewandt werden; in der Regel sind die Kleinsummen, die bei der Hobby-Ausübung anfallen, aber völlig uninteressant für das Finanzamt. Trotzdem: Eine ordentliche Dokumentation ist wichtig und richtig für jede(n), der/die (wenn auch nur als Hobby) Dinge an- und verkauft, so z. B. sicherlich auch der Verkauf einzelner Dubletten auf Ebay, der ja sehr gerne betrieben wird.


    Im Grunde gilt meiner Meinung und der Aussage meines Steuerberaters nach zusammengefasst: Betreibt man das Briefmarkenhobby ohne unmittelbare Gewinnerzielungsabsicht, dokumentiert ordentlich und setzt keine Unsummen an Geld (da spreche ich aber wirklich von mittleren fünfstelligen Beträgen) durch, wird man steuerlich keine Probleme bekommen. Der irgendwann erfolgende (Not-)Verkauf der eigenen Sammlung ist steuerlich nicht relevant.


  • Die Einkommensteuer dürfte weniger das Problem sein. Bei der Umsatzsteuer (dem häufigsten Haftungsfall der Steuerberatern) wird es gefährlich.


    Nach den bisherigen Ausführungen werden regelmäßig (nachhaltig) eigene Sammlungsbestandteile an Dritte gegen Entgelt ( auch Tausch ist Entgelt) veräußert. Dadurch ergibt sich eine umsatzsteuerliche Unternehmereigenschaft (eine Gewinnerzielungsabsicht ist nicht erforderlich). Und daraus ergibt sich zumindest die Pflicht zur Abgabe entsprechender Erklärungen gegenüber dem Finanzamt, die ohne Aufzeichnungen aber nicht möglich sind.


    Zum Glück interessieren sich die Finanzämter aber noch nicht wirklich dafür.

  • Nun dann mal paar Zahlen. Ich kenne einen Sammlerfreund, der hat Marken auf einer Auktion im Katalogwert von 80.000 € versteigern lassen. Es war eine vollständige, geprüfte Sammlung. Erlös für ihn 30.000 €. Ich kenne nicht die Zeit und das Geld, die er aufgebracht hat, um diese Sammlung zusammenzutragen. Aber mal als Frage: War es das wert? Ein einmaliges vollständiges Objekt wird jetzt wieder in die Welt verteilt.


    viele Grüße

    labarnas


    PS Eine Wertanlage, egal was, Gold, Diamanten, Immobilien, Aktien, ruhen über viele, viele Jahre. Sie sind ja eine Anlage