Erfahrung mit Kiloware von professionellen Anbietern

  • Hallo zusammen,


    ich finde Kiloware, Tütchenposten etc. immer interessant, weil man doch ab und zu eine besondere Marke entdeckt. Bisher habe ich nur auf Flohmärkten (wenig) und auf ebay (mehr) gekauft. Allerdings sind Posten von losen älteren Marken (vor 1940) eher selten. Und natürlich kann man gerade bei den ebay-Auktionen, wo dabei steht "undurchsucht", immer fest davon ausgehen, dass eifrig durchsucht wurde (ein echter Laie oder Unwissender käme ja gar nicht auf den Begriff "undurchsucht").


    Daher habe ich schon des öfteren überlegt, doch auch einmal bei einem der professionellen Anbieter Kiloware zu kaufen. Hier würde mir zunächst Bethel und Goldhahn einfallen. Bei Bethel gibt es die Sorte "Alle Welt", bei Goldhahn gibt es auch Übersee-Angebote, z.B. zu USA, was mich interessieren würde.


    Wie sind eure Erfahrungen? Ist hier die Chance größer, dass die Posten wirklich (teils) undurchsucht sind, weil die Zeit beim Sortieren fehlt und die sortierenden Mitarbeiter nicht in allen Bereichen Profis sind?


    Und sind da auch mal ältere Marken dabei (vor 1940)?

  • Hallo,


    undurchsuchte Kiloware kannst du eigentlich nur direkt aus dem Posteingang einer Firma bekommen.


    Gerade bei älteren Marken kannst du davon ausgehen, dass die schon mehrmals den Kreislauf Händler/Bethel - Sammler durchlaufen haben. Denn wenn nicht aus diesem Kreislauf, woher sollten denn die alten Marken kommen?


    In Kiloware eine (auf den ersten Blick erkennbar) wertvolle Marke zu finden - da gehört schon sehr viel Glück dazu. Bei nicht sofort sichtbaren Merkmalen sieht das natürlich anders aus, da kann man aufgrund der zu sortierenden Massen schon auf mehr hoffen, was "durchgerutscht" ist.


    Am Anfang habe ich aus Unwissenheit bei Karstadt mir auch mal ein paar Eimer Kiloware gekauft. Einen generellen Qualitätsunterschied zu späteren Posten aus dem Netz kann ich nicht feststellen. Wohl aber im Preis, denn der ist mir bei Goldhahn & Co. zu hoch. Allerdings schwankt die Qualität der Ebay-Angebote mehr, als es wahrscheinlich bei einem Händler der Fall ist. Ich habe schon Posten bekommen, die die Leichenfledderei schon hinter sich hatten. Aber auch wirklich jungfräuliche Ware, wo etliche Stücke garantiert beim ersten Durchsuchen schon draußen gewesen wären.


    Wenn ich auf neuere Marken aus bin, versuche ich Angebote zu finden, die nach Posteingang eines Unternehmens aussehen.


    Bei älteren Marken eher auf Posten und Lots. Gerade bei angebotenen Alben kann man gut an den Lücken sehen, ob ein Profi schon alle besseren rausgepickt hat oder nicht. Und an Präsentation, Beschriftung von Tüten etc., ob man eine 08/15 70er Jahre Jugendsammlung vor sich hat oder nicht.


    Grüße

    Jens

  • Meine Meinung / Erfahrung als Kilowaren-Junkie:


    Es gibt keine undurchsuchte Kiloware, nirgends. Die Frage ist, wie oft und wie gut durchsucht der Posten ist, den du kaufst, egal bei wem. Beides kann man aber im Vorfeld nicht wissen. Und natürlich ist für die Zufriedenheit entscheidend, wonach du suchst. Chancen auf Erfolgserlebnisse hat man bei Kiloware m.E. nur, wenn man Dinge sucht, die nur eine ganz kleine Anzahl von Sammlern interessiert und/oder nur mit richtig Aufwand zu erkennen sind (z.B. Plattenfehler).


    Je älter die Marken sind, desto größer ist die Gefahr mehrfacher Durchforstung und desto geringer natürlich die Chance interessante Stücke zu finden. Marken vor 1940 in nennenswerter Anzahl habe ich bislang nur bei Ware entdeckt, die als "Historien-Posten" oder ähnlich angeboten wurden. Bethel hatte so etwas mal vor Jahren als Sonderaktion angeboten.


    Gruß

    Uli

    Sind in eurer Sammlung Bund-Marken mit Stempel aus Düsseldorf? Tausche gegen gleiche Marke mit mindestens gleichwertigem Stempelabschlag plus "Dankeschön" oder fehlende Marken!


    Meine Tausch- und Verkaufsangebote im Philaforum:  Ulis Flohmarkt

  • vielen Dank euch beiden. Damit weiß ich schonmal deutlich mehr und habe einen realistischeren Blick darauf. Ich wusste zum Beispiel nicht, ob so ältere Marken überhaupt irgendwo als vernünftige Kiloware angeboten werden. Goldhahn wirbt ja sehr deutlich (und übertrieben) damit, dass alles undurchsucht sei :). Was mir natürlich auch sagt, dass sie sehr gut durchsucht ist....


    Bei Posten und Lots bei ebay ist mir leider oft der Preis zu hoch. Erstaunlich, wie viel manche Leute für solche Posten zahlen, ohne zu wissen, wie die Qualität der einzelnen Marken ist. Bzw. man weiß natürlich, dass fast keine fehlerfreie dabei ist.


    Für ein altes Dublettenalbum mit Marken aus Übersee, wo auch Marken vor 1900 und vor 1940 (aber keine ersichtlichen Raritäten) dabei sind, möchte ich i.d.R. nicht mehr als 30-50 EUR zahlen. Manchmal, v.a. bei USA, gehen diese Alben bis 300 EUR...

  • Bei professionellen Anbietern zieht man wahrscheinlich meist eine Niete. Geringfügig bessere Chancen dürften bei Angeboten von privat bestehen.

    Wann ein Posten letztmalig durchsucht wurde ist noch interessant. Alte(!) Bündelware enthält oftmals Besonderheiten, die zum Zeitpunkt der Bündelung noch gar nicht bekannt oder katalogisiert waren.

    Leider sind die wenigsten angebotenen Bündel tatsächlich alt, auch wenn die Anbieter sich oft große Mühe geben, diesen Eindruck zu erwecken.

    Dagegen habe ich noch etliche Ulbricht-Bündel von meinem Großvater. Die sind seit über 40 Jahren unangetastet. Ich werde sie nicht öffnen, da schlicht nicht mein Gebiet. Bei Abgabe wären diese also tatsächlich undurchsucht.

    Auch darüber hinaus gibt es natürlich, wenn auch selten, undurchsuchte Kiloware. Allerdings braucht man z.Bsp. von einem Frankreichsammler keine Kiloware Frankreich kaufen, und dann irgendwelche Besonderheiten erwarten.

    Mit USA z.Bsp. habe ich mich nie beschäftigt. Trotzdem hat sich in den Jahren vieles angesammelt.

    Ob da seltene Stempel, Farben, Zähnungen habe ich nie überprüft. Wie auch, mangels Ahnung vom Gebiet. Einzig besser notierte Hauptnummern sortiere ich aus. Das war's. Alles andere kommt in Tüten/Umschläge. (Einige hundert Gramm papierfreier Kiloware USA bis 1945 kommen so sicher bei mir zusammen.)

    Gruß,

    Frankreichsammler

  • Kürzlich habe ich in Kiloware von Goldhahn tatsächlich ein (allerdings schon mal geknicktes und an wenigen Zähnen geteiltes) Paar von 1876 gefunden, gut erhalten. Zusammen selbst als einzelne Marken gerechnet ein Katalogwert, der höher liegt als der Kaufpreis der Packung Kiloware.