Sonder,- und Ortswerbestempel im Deutschen Reich

  • so das wars jetzt erstmal von mir. Wiereres Material folgt, sobald es die Zeit erlaubt. Ihr seid herzlich dazu eingeladen, Kommentare zu schreiben, Ergänzungen und/oder Korrekturen.


    Für viele mag es vielleicht zu trivial sein, sich mit Stempeln aus dem Deutschen Reich zu beschäftigen aber ich finde das Thema interessant, wir sind darüber hinaus alles erwachsene Menschen die auch zu dieser Vergangenheit stehen können (entsprechende Konterfeis und Motive gehören nun einmal dazu).


    Mein Beitrag soll insbesondere ein kleiner historischer Abriss sein unterlegt mit einigen Exponaten. Wenn der ein oder andere ebenfalls interessante Stempel hat und zeigen möchte- Her damit !


    Gruß


    Wolfgang

  • Jetzt habe ich euch schon Hoffnungen gemacht habe aber trotzdem gerade noch einige schöne Ortswerbestempel, die ich unbedingt zeigen will und habe jetzt gerade noch ne ruhige Minute. Also:


    "Die Stadt des Stolper Jungchen"


    Stempel vom 26.03.1937 aus Stolp Pommern. Stolp (polnisch Slupsk) st eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Pommern.


    Abgebildet ist ein Junge der über die Stadtmauer steigt.


    (...)Bis zum Zweiten Weltkrieg war Stolp Garnisonsstandort und eine gewerbereiche Stadt mit einer bedeutenden Möbelindustrie, Bernsteinverarbeitung, Maschinenfabriken und Stickereien.

    Über die pommerschen Landesgrenzen hinaus bekannt wurde Stolp unter anderem auch durch den dort seit dem 21. August 1921 in der Käserei des süddeutschen Fabrikanten Heinrich Reimund hergestellten Camembert Stolper Jungchen. Dieser Weichkäse wird heute wieder in dem 25 km von Słupsk entfernten Ort Zielin (dt. Sellin) produziert.


    Nach dem Zweiten Weltkrieg brachte der Hersteller Karl Wilhelms das Rezept in die Molkerei Bergen auf der Insel Rügen mit. Der geschützte Name Stolper Jungchen ließ einen neuen Namen notwendig werden, sodass in der ehemaligen DDR der ,,Brie aus Bergen" fortan als Rügener Badejunge verkauft wurde.1994 wurde die nach der Wende eingestellte Produktion der Käsemarke durch die Firma Rotkäppchen Peter Jülich GmbH erworben und wieder aufgenommen.(...)wikipedia.de

    Diese Information nur am Rande :)


    Zum Vergleich habe ich ein besseres Exemplar mit einem Abschlag eines bereits etwas abgenutzten Stempelgeräts) vom 20.10.1937 aus philastempel.de kopiert.

  • "Bad Neustadt (Saale) /Kaiserpfalz Salzburg"


    Stempel vom 7.7.1937; abgebildet ist eine Ansicht der Burganlage


    Die Burganlage wurde vermutlich im 9. Jahrhundert errichtet unter Kaiser Ludwig I. -genannt Ludwig der Fromme - (778-840).




  • "Deutscher Alpenpreis 1942"


    Mit Sonderstempel aus München Riem vom 19.7.1942.


    Abgebildet ist ein Pferdekopf. Der Alpenpreis wurde als Preis im Rahmen vom Rennen um das Braune Band verliehen.


    (...)Der Deutsche Alpenpreis war eine Disziplin, die als Jagdrennen gelaufen wurde. 1937 war er mit 30.000 Reichsmark und ab 1938 mit 50.000 Reichsmark dotiert. Der Alpenpreis war damit das höchstdotierte Jagdrennen in Deutschland und in der Dotierung teilweise dem 'Großer Preis von Baden' ebenbürtig. Teilweise war das Rennen Amateurrennreitern und Offizieren vorbehalten. (...) wikipedia.de

  • und noch ein Ortswerbestempel:


    "Erbach /Luftkurort /weltberühmte Sammlungen"


    Abgeschlagen am 8.4. 1937. Dargestellt ist vermutlich der Schlossturm.

    Mit "Weltberühmte Sammlungen" sind offenbar (noch zwei heute erhaltene) Sammlungen gemeint:


    - Die Schätze des Sammlers und Altertumsliebhabers Graf Franz I. zu Erbach-Erbach. Die Sammlung besteht aus einer Antiken- und Mittelaltersammlung sowie einer beeindruckenden natur- und jagdkundlichen Dokumentation


    - und es gibt das DEUTSCHE ELFENBEINMUSEUM auf über 450m²







  • Zu #1: Es handelt sich um Pallas Athene (der Kopf wurde bereits 1937 so im Sonderstempel zum Tag der Kunst dargestellt. Siehe Bochmann-Katalog Nr. 98 und der von 1939 unter Bochmann-Nr. 133 (leider ohne Abbildung wird auch mit "Pallas Athene" beschrieben und der Vogel wird als "ein sitzender Adler " bezeichnet.

  • Es geht von meiner Seite weiter mit einem schönen Ortswerbestempel aus:


    "Königstein/Sächsische Schweiz"


    abgeschlagen am 20.06.1935.


    Abgebildet ist im unteren segment die Stadtkirche mit Gebäuden. Im oberen Segment die Festung Königstein, in der der Legende nach das "weiße Gold" von Johann Friedrich Böttger (vermutlich 4. Februar 1682 in Schleiz; † 13. März 1719 in Dresden) hergestellt wurde. August der Starke von Sachsen ließ ihn in der Festung quasi in haftieren, damit das Geheimnis der Herstellung des Meissener Porzellans - welches daraus hervorging - nicht gefährdet und verbreitet wurde. Böttger durfte die Festung nur unter strengsten Sicherheitsbedingungen und unter Geleitschutz verlassen.


  • Ich bitte um Nachsicht dass dieser Thread so schlecht von mir gepflegt wird; allerdings sind andere auch herzlich dazu eingeladen schöne Sonderstempel und dergleichen mit ein paar interessanten Informationen zu zeigen.


    Hier habe ich einen schönen Ortswerbestempel aus Dresden Wiesser Hirsch mit Abschlag aus dem Jahr 1923.


    (...)Erstmals erwähnt wurde das Gebiet des heutigen Weißen Hirschs im Zusammenhang mit den Mönchen des Altendresdner Augustinerklosters, die 1420 vom späteren Kurfürst Friedrich I. ein Stück Wald zum Holzschlagen erhielten. Noch heute trägt ein Teil des Ortes den Namen „Mönchsholz“. Im Lauf der folgenden Jahrhunderte wurde das Waldstück immer mehr besiedelt. Im Jahr 1838 wurde der Weiße Hirsch in eine freie Landgemeinde umgewandelt. Der Dresdner Vorort wurde zunehmend von den Städtern als Ausflugsziel und später verstärkt als Daueraufenthalt für den gesamten Sommer aufgesucht. Im Jahr 1867 errichtete Theodor Lehnert im Nordwesten der Ortsflur Weißer Hirsch am Waldrand ein luxuriöses Bad für kränkelnde Menschen, das er nach seiner Tochter Frida „Fridabad“ nannte. Die Gäste verbanden ihre Sommerfrische nun gern mit einer Badekur – der Grundstein für die Entwicklung des Ortes zum Kurort war gelegt.

    Der Seifenfabrikant Ludwig Küntzelmann kaufte 1872 das alte Gut „Weißer Hirsch“ und teilte die Gutsfelder in Parzellen auf, auf denen „eine Colonie der Villen und Sommerfrischen“ entstand. Die ihm genehmigte Bauordnung „verbot gewerbliche Anlagen mit Dampfmaschinenbetrieb sowie alle rauch- und lärmbelästigenden Einrichtungen.“ Zudem durften die Gebäude nur im Villenstil und maximal dreigeschossig errichtet werden. Zwischen einzelnen Gebäude war ein Mindestabstand vorgeschrieben. Auf Künzelmanns Gesuch an das Innenministerium erhielt der Weiße Hirsch im Jahr 1875 den Namenszusatz „klimatischer Kurort“. Mithilfe des 1876 gegründeten „Verschönerungsvereins Weißer Hirsch/Oberloschwitz“ wurden Bäume gepflanzt, Wege angelegt, Ruhebänke aufgestellt und ein Kinderspielplatz angelegt. Bis zum Jahr 1882 entstand so mit dem Waldpark eine Stütze des Kurbetriebs. 1887 pachtete der Arzt Heinrich Lahmann das Grundstück und eröffnete es 1888 als „Dr. Lahmanns physiatrisches Sanatorium“ neu.

    Mit dem Bau zahlreicher Villen und der Ansiedlung vieler Geschäfte und Cafés entwickelte sich der Ort zunehmend zu einer gehobenen Wohngegend und wurde wie das angrenzende Loschwitz ein bevorzugter Wohnort von Wissenschaftlern, Künstlern, Fabrikanten und hohen Beamten. Ab 1897 war der Weiße Hirsch eine eigenständige Kirchgemeinde, im Jahr 1898 wurde der Waldfriedhof angelegt. Im Jahr 1899 wurde der Weiße Hirsch mit der Linie WaldschlößchenBühlau an das Dresdner Straßenbahnnetz angebunden. Der Erste Weltkrieg führte zu einem vorläufigen Ende des Kurortes Weißer Hirsch. In Lahmanns Sanatorium wurde 1914 ein Lazarett eingerichtet und erst 1919 wieder aufgelöst. Neben dem Sanatorium hatte Jacques Bettenhausen das Parkhotel erbauen lassen, das im Dezember 1914 eröffnete. Am 7. Januar 1921 wurde der Weiße Hirsch nach Dresden zwangseingemeindet und erhielt die Bezeichnung „Kurort Weißer Hirsch-Dresden“. (...) Auszüge aus wikipedia.de


  • seit neuestem bin ich im Besitz diverser Bände des "Julius Bochmann Katalog der deutschen Gelegenheitsstempel" und kann deshalb jetzt auch die Bochmann-Nummer zu diesem Stempel mitteilen: Es ist Dresden Nr. 28. Einsatzzeitraum nach Bochmann: 1922 bis 1926.


    Jean Philippe : Das war kein Stempel der Kurverwaltung, das war nur ein für die Kurverwaltung werbender Poststempel, sprich: der Stempel wurde nicht von der Kurverwaltung verwendet, sondern ganz normal von der Post.

  • Hier ist ein Ortswerbestempel als Maschinenstempel aus dem Jahr 1921 aus Eisenach.

    Das Motiv zeigt Martin Luther mit Bibel im Stempelkopf.


    zwei kleine Korrekturen:


    1. Ein Maschinenstempel ist nie gleichzeitig ein Ortswerbestempel. Ortswerbestempel sind immer Handstempel. Man kann also höchstens von einem Maschinenwerbestempel sprechen, aber solche Wortungetüme mag ja eigentlich auch keiner lesen.

    2. Das Motiv zeitgt Martin Luther mit Bibel im Entwerter. Der Stempelkopf ist rechts. Es ist ein Kreisstempel.


    Viele Grüße

    Christoph

  • ok danke das wusste ich bisjetzt nicht. Also der Entwerter bei Maschinenstempeln ist de facto der Datumsstempel bei den Handstempeln (?). Maschinenstempel werden leider im Bd. 193 von Goedicke /Werdermann nicht behandelt.

  • Also der Entwerter bei Maschinenstempeln ist de facto der Datumsstempel bei den Handstempeln (?).

    Nein. Ein Maschinenstempel besteht in aller Regel aus einem Stempelkopf und einem Entwerter. Der Stempelkopf enthält alle wichtigen Angaben wie Ort, Postleitzahl, Datum, UB. Der Entwerter dient eigentlich ursprünglich nur dazu, dass mehrere nebeneinander klebende Briefmarken ebenfalls noch etwas vom Stempel abbekommen. Der Entwerter kann beispielsweise aus einer Welle oder einem Werbeklischee bestehen. In Deinem Fall zeigt das Werbeklischee ein Luther-Motiv. Häufig ist es auch Post-Eigenwerbung. Bei Handstempeln gibt es (bis auf ganz wenige Ausnahmen) keinen Entwerter, sie bestehen ausschließlich aus einem Stempelkopf.

  • Fürstenfeldbruck "die belebte Wohnstadt vor München"


    Abschlag vom 31.07.1937 auf 516 X


    Fürstenfeldbruck ist eine große Kreisstadt und die die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. Die Stadt liegt etwa 25 Kilometer westlich der bayerischen Landeshauptstadt München. Fürstenfeldbruck ist Teil der Metropolregion München.

  • Ich hoffe natürlich nicht dass ich Euch mit der Fortführung meines Beitrages hier langweile :-P


    Aber ich habe hier noch ein paar schöne Stücke die ich gerne zeigen möchte; wie gesagt darf der ein und andere hier auch mitmachen!


    Ortswerbestempel aus Hamburg mit Stempelinschrift anlässlich "70Jahre deutsches Derby", abgeschlagen am 25.05.1939