Einschätzung Briefmarken Bayern, Deutsches Reich, Schlesien, Saargebiet, Indien, Postkarten 1890 bis ca. 1970

  • Hallo zusammen,


    ich habe einen ganzen Batzen Briefmarken geerbt (zum Glück ohne Todesfall). Zeit also, mich mit Briefmarken auseinanderzusetzen die lange vor meiner eigenen Sammlerzeit datiert sind. Wer kann mir bei der Einschätzung bezüglich Wert helfen? Ich hoffe, ich habe nicht im Eifer des Gefechts und vor Lauter Beglückung über für mich exotische Funde nur Banalitäten und Triviales gefunden, man möge es mir bitte nachsehen...


    Zunächst habe ich einen sehr großen Stapel Ersttagsbriefe. 1962-1972. Ob diese vollständig sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Ist so etwas noch gefragt? Vermutlich aus dieser Zeit nicht wirklich, oder?


    Dann habe ich einen Stapel Briefumschläge und Postkarten überwiegend von ca. 1890 - 1940. Darunter z.B.

    - Postkarten zwischen 1909 und 1917 aus den Niederlanden, Italien, Belgien, den USA, Schweiz, Österreich

    - Postkarte aus Suez von 1909

    - Karte aus dem Reserve-Lazaret Aachen vom 24.12.15 ohne Briefmarke (war das so üblich?)

    - Postkarte vom "Ersten Spatenstisch und 100km Autobahn fertig" abgestempelt am 15.10.36

    - "Olympische Winterspiele 1936" ohne Stempel

    Briefe:

    - Aus Frankreich von 1937 von der "Mairie de la Ville de Soultz"

    - Aus Britisch-Indien Briefe und Postkarten zwischen ca. 1900 und 1949. Dazu einen ganzen Schuhkarton Briefmarken von dort

    - "Laufenburg 1. Internationale Briefmarken-Ausstellung" mit Serie Wohlfahrtsmarke 1970 10+20+30+50 Pfennig mit sauberem Stempel von 1971 und "Mit Postkutsche befördert"


    Dann noch eine Reihe von Briefmarken die ich zum großen Teil nicht wirklich zuordnen kann. Ich zeige hier eine Auswahl, keine Ahnung ob ich "richtig" ausgewählt habe.


    - Kriegsmarken aus dem 1. Weltkrieg (rechts def. links ?) ohne Einheit beim Wert?


    - Briefmarken aus dem Saargebiet der Zeit der Weimarer Republik und der Bundesrepublik:

    - Dann etwas, von dem ich noch nie gehört habe: "commision de gouvernment haute silesie" - ich vermute es geht um Schlesien?

    - Verschiedene Bayrische Briefmarken, zum Teil überstempelt mit "Deutsches Reich" (warum?) und "Dienstmarken" (sind die gefragt?). Teilweise sind sie in Papiersammelbögen eingeklebt.

    - Verschiedene Briefmarken der Württembergischen Post und des Deutschen Reichs, teilweise auch eingeklebt:


    Wer kann weitere Informationen zu den Briefen, Briefmarken, ihrem Hintergrund und eventuell zu ihrem Wert geben? War es früher üblich, Briefmarken in diese Papierbögen einzukleben?


    Danke und viele Grüße!

  • Hallo Elch,


    zunächst willkommen hier im Forum.


    Da hast Du ja gleich eine ganze Menge Fragen gestellt. Ich versuche mich mal mit Antworten, kann aber ganz sicher nicht alle Fragen zufriedenstellend beantworten.


    Ersttagsbriefe Deutschland aus den 1960er und 1970er Jahren sind eher nicht so gesucht. Wenn keine Besonderheiten dabei sind, würde ich von 20-30 Cent pro Stück mal so ganz grob ausgehen.


    Briefe und Karten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (und davor) können durchaus sehr begehrt sein. Das kann man aber pauschal nicht sagen, da müsste man sich jedes einzelne Stück ansehen. Es geht dabei längst nicht nur um die frankierten Briefmarken, sondern auch um die Destinationen (Absender- und Empfängeradressen), um die Stempel, um Portorichtigkeit, um besondere Versendungsformen... Bei Postkarten zusätzlich natürlich auch um das Bildmotiv der Karte.


    Bei der Karte von 1915 aus dem Lazarett Aachen handelt es sich höchstwahrscheinlich um Feldpost. Die musste nicht frankiert werden. Hier sind bestimmte Stempel sehr gesucht.


    Briefmarken und Belege aus den britischen Kolonien werden teilweise sehr hoch gehandelt. Hier habe ich aber eigentlich keine Ahnung. Eine gute Hilfe zur groben Einschätzung ist ebay. Ich habe eben mal auf die Schnelle bei den verkauften Artikeln gesucht und (nur als Beispiel) Folgendes gefunden:

    https://www.ebay.de/itm/Britis…-ungebraucht/293016781128

    https://www.ebay.de/itm/Indien…s-abgebildet/202630609414

    - "Laufenburg 1. Internationale Briefmarken-Ausstellung" mit Serie Wohlfahrtsmarke 1970 10+20+30+50 Pfennig mit sauberem Stempel von 1971 und "Mit Postkutsche befördert"

    das klingt für mich eher nach einem Beleg aus der 1-Euro-Grabbelkiste...


    Bild 1:

    das sind keine Briefmarken, also keine Postwertzeichen. Hier handelt es sich um Spendenmarken. Auch dafür gibt es Sammler, aber nicht so viele. Die linke Marke ist sehr ramponiert...


    Bild 3:

    Das sind Briefmarken aus dem Abstimmungsgebiet Oberschlesien. Sie sind auch im MICHEL-Deutschland-Katalog enthalten. Michel-Nr. 21 (40 Pf.), 22 (50 Pf.) und 26 (1M) haben gestempelt einen Katalogwert im einstelligen Euro-Bereich.


    Bild 4:

    Die Bayern-Marken findest Du ebenfalls im Michel-Deutschland-Katalog. Hier gibt es viele Varianten und Spezialitäten... Ich bin aber kein Spezialist. Die großen Luitpold-Marken (1 M = Michel-Nr. 86 / 10 Pf = Mi-Nr. 92 oder 93) haben jedenfalls recht schöne Stempel. Die bayerische Aufdruck-Serie ist nicht unter Bayern, sondern beim Deutschen Reich katalogisiert. Hier wurden Restbestände bayerischer Marken mit Aufdruck versehen und aufgebraucht. Sind aber auch nicht sonderlich selten.


    Dass die Briefmarken auf Vordruckseiten direkt aufgeklebt wurden, war früher normal. Meist wurde dafür ein kleiner Klebefalz benutzt. Bei gestempelten Marken ist das überhaupt kein Problem und stellt auch keinen Mangel dar. Bei ungestempelten Marken ist der Falz jedoch stark wertmindernd, weil dadurch die Gummierung unwiederbringlich beschädigt wurde und die Marken somit nicht mehr postfrisch sind. Im Michel-Katalog gibt es dafür die Bewertung als "ungebraucht". Ungebrauchte Marken sind - bis auf wenige Ausnahmen bei ganz seltenen Marken - kaum an den Mann zu bringen.


    Bild 5:

    Die Württemberg-Marke oben links hat einen superschönen Stempel! Auf keinen Fall vom Papier ablösen (das sollte man sowieso eigentlich am besten nie machen!). Die Marken rechts sind aus dem Deutschen Reich, zum Beispiel aus der "Germania-Serie", bei der es Tausende von Besonderheiten gibt, mit denen ich mich nicht auskenne. Links unten (mit Aufschrift DÜSSELDORF) ist keine Briefmarke, sondern eine Ausstellungsvignette. Dass sie einen normalen Poststempel hat, ist eigentlich eher unüblich, macht die Vignette jedoch nicht wertvoller.


    Soweit mal von mir. Es gibt sicher noch andere Forumsmitglieder, die meine Ausführungen ergänzen können.


    Viel Spaß beim Sortieren und viele Grüße

    Christoph

  • ach so, ich habe das Saarland (Bild 2) noch vergessen...


    Das Saarland hatte über einen sehr langen Zeitraum eigene Briefmarken. Das ist ein sehr beliebtes Sammelgebiet.


    Du zeigst die Michel-Nummern 87 (oben rechts), 114 (oben links), 98 (zweite Zeile links), 143 (zweite Zeile rechts). Die liegen bei den Katalogwerten alle unter 1 €. Auf dem Briefstück sind die Michel-Nummern 288, 284 und 2x 320. Ein hübsches Stück, aber richtig wertvoll wäre es auch nur dann, wenn der komplette Brief erhalten wäre.