Magdeburg-Briefmarke wird Fall fürs Kuriositäten-Album

  • Bei der legendären Blauen Mauritius sind es die Umstände und die geringe Anzahl, die den sagenhaften Wert ausmachen. Eine Verwechslung von Schumann- und Schubert-Partituren hat den Preis einer DDR-Marke hochgeschraubt. Das könnte vielleicht auch der Jubiläumsbriefmarke 1200 Jahre Magdeburg passieren. Als Kuriosität gilt sie schon jetzt.


    Magdeburg. Vor wenigen Wochen hatte Günter Hammerschmidt die höchst erstaunliche Tatsache publik gemacht: Die historische Magdeburg-Ansicht auf der Sondermarke zum Stadtjubiläum ist auf der linken Hälfte haargenau mit der von Paris identisch.


    Johannes Richter, Puppenspiel-Historiker und profunder Kenner der Schedelschen Weltchronik von 1493, setzt jetzt noch eins drauf: In dem mittelalterlichen Standardwerk, das als Vorlage für die Magdeburg-Sondermarke diente, ist die italienische Provinzhauptstadt Terni (Umbrien) die Dritte im Bunde, mit Türmchen, Segelboot und Uferregion wie in Magdeburg oder umgekehrt.



    Das Geheimnis der Kommission


    Richter schließt sich Vermutungen an, dass damals die Holzschnitte beim Druck vertauscht wurden. Andere meinen, dass aus Kostengründen auf Versatzstücke zurückgegriffen wurde – überprüfbar war es damals kaum.


    Wenn er das auch den Machern des „Buches der Chroniken“ verzeiht, so sieht er die Sache bezüglich der Sondermarke etwas anders.


    Und spitzt zu: Weshalb unter vier Entwürfen der zwar eindrucksvolle, aber seiner Meinung nach sachlich unpräziseste von Prof. Schillinger aus Nürnberg unter vier Vorlagen ausgewählt wurde, „bleibt wohl das gehütete Geheimnis der Auswahlkommission“, glaubt er.


    Allerdings hat so der mittelalterliche Fehlwurf dem 1200-jährigen Magdeburg nicht nur den Status einer Welt- oder (Allerwelts? -) Stadt beschert. Das Briefmarken-Sammelwesen hat jetzt ein Kuriosum mehr. Wird die Elbestadt-Sondermarke irgendwann eine Art Blaue Mauritius?


    Der Magdeburger Briefmarkenhändler Walter Klatt äußert sich vorsichtig: „Ob der Preis mal sensationell hochgeht, da bin ich mir nicht sicher.“ Tatsache sei aber, dass Marken mit bestimmten „Macken“ gefragt sind. Bekannt sei die Verwechslung von Schubert- und Schumann-Partituren auf einem DDR-Postwertzeichen aus den 50 er Jahren. Da gebe es Marken, wo die Fahnen auf dem Segelschiff entgegen der Windrichtung wehen, andere, wo der Druck oder die Zahnung Fehler aufweist. Aber hier? Abwarten. Zumindest gesteht er der Marke einen Platz im Album von Kuriositätensammlern zu.


    Nur reine Freude hat der Briefmarkenkenner trotzdem nicht daran. Wegen der Nichtübereinstimmung werde jetzt überall diskutiert.


    Die Stadt hatte ein Wort mitzureden


    Alfred Höltge, Ehrenvorsitzender des Sammlervereins „Globus“, hatte 2001 die Herausgabe der Sondermarke vorgeschlagen. Schön, dass sie Wirklichkeit wurde, sagte er. Auch er hat wie Richter längst die Ungenauigkeit der historischen Darstellung entdeckt. „Philatelistisch kein Beinbruch. Im Gegenteil, das steigert den Reiz der Marke“, meinte Höltge. Bedauerlich sei es aber schon, so der Experte, dass nur mit viel Fantasie Magdeburg auf der Marke zu entdecken sei. Johannes Richter vermutet, dass nicht nur der berühmte Schedel die Stadt nicht kannte, sondern auch der Grafiker und die Mitglieder der Marken-Auswahlkommission nicht.


    Das könnte wohl sein. Denn das Bundesfi nanzministerium bestätigte gestern, dass sich sein Kunstbeirat für „den Entwurf entschieden habe, weil er Magdeburg treffend widerspiegelt“. Aber: Er sei anschließend der Stadtverwaltung vorgelegt worden. Die habe nach Prüfung ihr vorbehaltloses Okay signalisiert, hieß es aus Berlin.


    Das Magdeburger Markenmalheuer ist also auch hausgemacht. Vor diesem Hintergrund dürften Vergleiche mit Blauer Mauritus & Co. so abwegig doch nicht sein.



    [Blockierte Grafik: http://www.volksstimme.de/VSOB…1_2005/5/MDX/Pc00710S.jpg]
    Weitere Entwürfe, die zur Auswahl standen, aber verworfen wurden.



    Quelle: