Belege aus Amerika "produzieren"

  • Hallo zusammen,


    nachdem ich dank dieses Forums vor kurzem gelernt habe wie man Ersttagsbelege bzw. Belege mit Sonderstempeln in Deutschland sich erstellen lassen kann, hätte es mich nun noch interessiert wie das von Deutschland aus mit amerikanischen Sonderstempel und Ersttagsbelegen funktioniert. Habe leider im Forum dazu nichts konkretes gefunden außer einem Thread der schon ein paar Jahre alt war zu neuen Stempeln aber nicht was man tun muss um diese zu bekommen. Im Internet habe ich auch nichts konkretes gefunden (bzw. was ich auf Anhieb verstanden hätte, bin des englischen nicht so ganz mächtig). Aber vielleicht auch nur mit den falschen Begriffen gesucht. Falls mir jemand das erklären kann oder einen Link posten mit den erhellenden Erläuterungen, dann wäre ich sehr dankbar.

    Viele Grüße

    Marko


    Sammelgebiete: 

    Motiv: Eisenbahn (Nordamerika, Europa, Australien, Neuseeland), 

    Motiv: Autos (amerikanische Classic-Cars), 

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    Motiv: Weihnachten (eher Brauchtum, Kunsthandwerk, weihnachtliche Stimmung, weniger der religiöse Ursprung)

  • Das einfachste sind Ersttagsbelege, die bekommt man von der USPost (haben ein Online-Portal).


    Das hat allerdings den Haken, dass die Marken auf einem leeren Couvert mit Ersttagsstempel entwertet werden. Solche FDC haben in den Staaten keinerlei Wert. Neue FDC werden da nur mit Cachet (ein Zusatzdruck zum Markenthema), unadressiert, gesammelt. Man kann natürlich so ein Couvert selbst herstellen mit einem eigenen Cachet, das ergibt dann "inoffizielle Cachets".


    Es gibt auch z.B. ArtCraft Couverts (von Washington Press glaube ich) zu kaufen, das sind Couverts mit "offiziellen" Cachets drauf. Sind einzeln gekauft aber schweineteuer wenn ma nicht grad eine Wagenladung kauft, was als Privatperson natürlich nicht drin liegt.


    Die Reihenfolge für FDCs ist grob (von wertvoll bis wertlos):
    1. Handgemalte Cachets von bekannten Künstlern, unadressiert (je toter der Künstler, je teurer)

    2. Handgemalte Cachets von bekannten Künstlern, adressiert

    3. Gedruckte Cachets (z.B. Artcraft), unadressiert

    4. Gedruckte Cachets (z.B. Artcraft), adressiert

    5. Ohne Cachet, unadressiert

    6. Ohne Cachet, adressiert


    Arthur Craft hat die vorgedruckten Couverts erfunden und als Erster vermarktet, deshalb "ArtCraft"


    Wobei das Alter auch eine Rolle spielt. Frühe FDCs sind alle adressiert, da man die Briefe tatsächlich auch befördern musste.


    Sehr alte FDCs haben meist gar keine speziellen Stempel drauf, da muss man einfach wissen/nachschauen, welcher Tag der Ersttag war. Wirklich sehr alte FDCs sind "EKU"s (earliest known use), weil man gar nicht weiss, an welchem Tag die Marke erstmals auftauchte auf einer Poststelle.

    Was man auch wissen muss, es findet eine Ersttagszeremonie statt an einem bestimmten Ort (der zur Marke passt). Nur dort kann man die Marke wirklich kaufen am Ersttag, an allen anderen Poststellen gibt's die Marke erst am Folgetag zu kaufen.


    Die American First Day Cover Society hat sicher eine Website wo man sich informieren kann.

    Im Forum des VSC http://www.virtualstampclub.com/ gibt es auch Threads zu FDCs und Sonderstempel, inkl. Cachetmaker die ihre Ware anpreisen. (Wahrscheinlich kann man da auch eine Art "Abo" abschliessen, was wahrscheinlich auch für die AFDCS gilt).

    Ohne Englischkenntnisse steht man da allerdings mit abgesägten Hosen da, die meisten Amis können nur eine Art Englisch.


    Wenn man sich auf Kategorie 1 und 2 oder alte FDC einschiesst, muss man aufpassen. Hier tummeln sich auch Fälscher. Es gibt auch einen Katalog bekannter Cachets/Cachetmaker.


    Kategorie 3 kauft man am Besten paketweise auf ebay USA, man muss einfach Geduld haben bis ein passendes Paket angeboten wird. Auch bei US-Auktionen werden oft FDC-Sammlungen angeboten (zu absoluten Schleuderpreisen bei Kategorien 3-6)



    Die Sonderebelege sind etwas komplizierter, die bekommt man nicht von der US-Post. Die letzte übrig gebliebene Briefmarkenzeitung "Linns Stamp Journal" (Online erhältlich, die Papierversion kann man nicht bezahlen im Ausland) hat eine wöchentliche Kolumne, wer wann wo einen Sonderstempel herausgibt und im Idealfall wen man wie kontaktieren muss.


    Auch hier ist ebay USA wohl die billigste Variante


    In einer anderen Linns-Kolumne steht jeweils auch, an welches Postamt man seine Eigenkreationen schicken muss, damit sie dort einen FDC-Stempel (und Marke) bekommen. Dazu hat man eine "grace period" zur Verfügung, die Eigenkreation muss nicht unbedingt bis zum Ersttag dort eintreffen. Das Verfahren dürfte allerdings komplizierter sein vom Ausland aus.

  • Vielen Dank für die ausführlichen Informationen. Wenn ich also aus Amerika einen Brief bekommen möchte mit einer bestimmten Marke und Stempel ist das Prozedere ähnlich wie in Deutschland. Ich frankiere einen Brief mit der Marke und schicke diesen in einem Umschlag mit Informationen was ich haben will an die Ausgabestelle. Die US-Marken kaufe ich dann vorher erstmal bei USPS?

    Viele Grüße

    Marko


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  • Wie immer in solchen Fällen kann es sich lohnen, nach Frankaturware aus Sammlungsauflösungen zu schauen. Beachte aber, dass ein Auslandsbrief aus den USA immerhin schon rund 1.20 USD kostet, da nützen dir kleine Werte nicht mehr viel.

  • Nur mal als Beispiel wie ich es jetzt machen würde. Angenommen ich interessiere mich für diese Marken:



    Diese kaufe ich auf beim USPS.


    Wenn ich diese bekomme habe klebe ich die auf einen Brief mit meiner Adresse packe diesen in einen Umschlag und sende ihn an diese Adresse:


    FDOI – Barns Stamps

    USPS Stamp Fulfillment Services

    8300 NE Underground Drive, Suite 300

    Kansas City, MO 64144-9900


    So steht es zu mindestens hier:


    Viele Grüße

    Marko


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  • Vielen Dank für die ausführlichen Informationen. Wenn ich also aus Amerika einen Brief bekommen möchte mit einer bestimmten Marke und Stempel ist das Prozedere ähnlich wie in Deutschland. Ich frankiere einen Brief mit der Marke und schicke diesen in einem Umschlag mit Informationen was ich haben will an die Ausgabestelle. Die US-Marken kaufe ich dann vorher erstmal bei USPS?

    Da gibt es verschiedene Methoden (von denen ich keine je durchführte da ich keine Briefe sammle). Zumindest früher war es so (im Wesentlichen vor dem Internet), das man ein selbstadressiertes Couvert (in einem Couvert, vorsicht andere Masse in den USA, nix DIN) geschickt hat mit einem Scheck für den FDC-Brief, der Marke auf dem FDC und der Marke auf dem selbstadressierten Couvert - es sei denn das Rückcouvert ist der selbstgemachte FDC). Die Ersttagstelle klebt danndieMArke auf denFDC, stempelt, klebt Marken aufs Rückcouvert und schickt dann das Ganze zurück.


    Heutzutage gibt es wahrscheinlich wegen Internet weniger komplizierte Verfahren um ans Ziel zukommen.


    Hier musst du besser in einem/mehreren Foren (D undUSA) einfach mal Fragen stellen und hoffen das Jemand das (beste) Verfahren schon kennt.


    Erst die Briefmarke kaufen bei der USPost und dann der FDC-Stelle das Ganze zu schicken ist keine gute Idee, speziell jetzt in Corona-Zeiten. Ist sauteuer weil Bearbeitungsgebühr anfällt (war früher mal $6, heutzutage wohl eher $10). Die "Grace Periods" waren früher schon 2-3 Wochen bis nach dem Ersttag aber das reicht nicht wegen Corona.


    Unter dem Strich ist es wahrscheinlich weniger nervig über einen Händler zu gehen. Die FDC und Sondercouverts auf ebay sind oft von Händlern hergestellt (und Angebote von diesen selbst oder von deren Kunden).

  • Was mir noch einfiel: Versuche in einem englischsprachigen Forum (davon gibt es mehrere) einen Tauschpartner zu finden, so nach dem Prinzip: Ich besorg' dir deutsche Sonderstempel, wenn du mir welche aus deinem Land besorgst.