Du bist ja 'ne Marke!

  • Beim Online-Postdienst Stamps.com kann jeder Kunde seine eigenen Briefmarken entwerfen. Das Geschäft boomt, wie die jüngsten Quartalszahlen belegen.


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    Die digitale Software PhotoStamps entwickelt sich zum Renner


    Briefmarken haben ebenso wie diejenigen, die sie sammeln, den Ruf, langweilig zu sein. Seit einigen Monaten gibt es in den Vereinigten Staaten nun aber einen Dienst, der das Briefmarkensammeln zu einem regelrechten Breitensport machen könnte: PhotoStamps. Unter dieser Bezeichnung vermarktet die US-Firma Stamps.com einen Service, der es den Kunden ermöglicht, private Fotos auf Briefmarken zu übertragen. Fotos von Babys, zukünftigen Eheleuten oder ganz profan Vati, Mutti und den Großeltern sind ebenso erlaubt wie Schnappschüsse beispielsweise vom Abschlussball der Tochter - freilich nur, solange die auch adrett in die Kamera lächelt und nicht etwa mit dem pickligen Nachbarn knutscht. Die US-typisch umfangreiche Liste mit verbotenen Motiven hat einen simplen Hintergrund: Als Stamps.com den Dienst im letzten Sommer vorstellte, tauchten schnell Briefmarken mit den Konterfeis ausländischer Diktatoren und von Massenmördern auf.


    Und jetzt: Cheeeese!


    PhotoStamps ist aber trotzdem ein Renner: Im dritten Quartal (bis Ende September) wurden insgesamt 105.000 Briefmarkenbögen im Wert von 1,8 Millionen Dollar ausgeliefert. der aktionär hat in Ausgabe 41/04 Stamps.com in Hinblick auf diesen Dienst zum Kauf empfohlen und seither beträgt das Kursplus schon stolze 48 Prozent. Der Aufschwung dürfte sich aus zwei Gründen fortsetzen: Zum einen haben sich die Prognosen für PhotoStamps als zu konservativ erwiesen - vor Thanksgiving und dem Weihnachtsfest dürften die Kunden der Firma regelrecht die Bude einrennen - und zum anderen boomen auch die anderen Geschäftsbereiche.


    Kerngeschäft wächst rasant


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    Mit seinem Online-Store hat Stamps.com im letzten Quartal ebenfalls 1,8 Millionen Dollar erlöst. Über den Shop bietet die Firma unter anderem Briefbögen in verschiedenen Größen, Toner und Druckerpatronen und elektronische Briefwaagen an. Die Nachfrage nach derartigen Artikeln wuchs im Berichtszeitraum gegenüber dem Vorjahr um knapp ein Drittel. Noch stärker legte Stamps.com aber im Kerngeschäft mit den Abonnenten zu, hier ging es um 54 Prozent auf 10,9 Millionen Dollar in die Höhe. Zwar verlangt Stamps.com für das Ausdrucken von Briefmarken keinen Aufschlag, allerdings müssen die Kunden, um Stamps.com überhaupt nutzen zu können, einen monatlichen "Mitgliedsbeitrag" von 15,99 Dollar berappen. Weitere Kosten - außer für die Briefmarken selbst - fallen nicht an. Die Zahl der Kunden, die den Dienst in Anspruch nehmen, liegt derzeit bei rund 300.000.


    Ambitionierte Ziele


    Die Bruttomarge - der Wert gibt an, wie viel (in Prozent vom Umsatz) ein Unternehmen nach Abzug der Herstellungskosten verdient hat - erreichte im dritten Quartal 73 Prozent und lag damit um sieben Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Ermöglicht wurde dieser Zuwachs vor allem aufgrund der Tatsache, dass das Umsatzwachstum ohne nennenswerte Mehrkosten einherging. In der Sparte PhotoStamps hingegen wirkten sich noch die höheren Ausgaben für das Marketing belastend auf den Ertrag aus - nichtsdestotrotz betrug der Wert auch hier rund 34 Prozent. Das Management um Vorstandschef Ken McBride kann mit dem bisherigen Jahresverlauf zufrieden sein, zumal das Unternehmen auf Wachstumskurs bleibt. Für das laufende Gesamtjahr rechnet McBride mit Erlösen von rund 58 Millionen Dollar, 2006 sollen schon bis zu 75 Millionen Dollar durch die Bücher gehen. Das Gewinnwachstum soll dazu überproportional um etwa 50 Prozent auf 0,60 Dollar je Aktie steigen.


    Jetzt geht die Post ab!


    Die offiziellen Schätzungen für 2006 weisen noch Spielraum nach oben auf, insofern erscheint das Gewinnvielfache von 31 absolut vertretbar. Weitere Kaufargumente sind das hohe Gewinnwachstum und der Umstand, dass die Firma nicht nur schuldenfrei ist, sondern auf 90 Millionen Dollar Cash sitzt - das entspricht einem Fünftel des aktuellen Börsenwertes. PhotoStamps sollte sich besonders in der Urlaubs- und Weihnachtszeit gut entwickeln und Stamps.com weitere Aufmerksamkeit an der Börse bescheren.



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