Vorphila Altdeutschland

  • hallo,


    was haltet ihr davon? ein wenig aus opa´s erbe...


    vielleicht kann mir jemand etwas zu den beiden briefen sagen?!
    erklärung der taxzahlen, wo liegen die orte, stempelbewertun & -erklärung, wert des briefes ?(


    1.brief: Neuses nach Mergentheim


    2.brief: Darmstadt nach ??? kann ich nicht lesen
    mit teil der rückseite


    3.brief: Bremen nach Minden (rückseitig Ausgabestempel, schwarz, K1)


    4.brief: Wulfingerode nach Altstrelitz


    5.brief: Mersenburg nach Granau b. Halle



    danke ersteinmal im voraus,


    stamp_charly

  • hallo,


    der Brief von Wulfingerode ist eine Portofreie Dienstsache,


    siehe links unten den Vermerk " Polizei-Sache"


    deshalb auch der Rötelstrich auf dem Brief




    mfg

  • Hallo Stamp_Charly,


    nach meiner Erfahrung liegt der Wert der meissten Altbriefe, sofern sie aus Dienstkorrespondenzen stammen im niedrigen einstelligen Eurobereich. Ausnahmen sind seltene Stempel oder Transitbriefe. Bezüglich der Taxzahlen, da sich ich nach Jahren der Sammellei auch noch einen, der mir das erklären kann - nicht die Zahl selber, aber die Portostufen :( - ich arbeite zur Zeit eine Umzugskiste mit DASV-Heften durch, da findet sich eine Menge Wissen wieder, aber leider nicht in brauchbarer sprich schnell verfügbarer Form.


    Beste Sammlergrüsse!


    Lars

  • Ein Beleg aus Thorn, hatte letztens in Sifi im Gespräch gehört, das Aleks in diese Richtung dentiert. Habe im leider nicht mehr getroffen, sonst hätte er den Brief schon. :-) Ist ja schon aus der Markenzeit, aber Marken los.

  • Hallo Steppenwolf,
    Da hast Du einen der Champusbriefe. Ich sage auch Vorphiladauerserie.;-)
    Der Name Roederer und Zielort Reims sind wohl schon jedem aufgefallen, der in Transitbriefen gestöbert hat. Hier geht es zwar an einen anderen Adressaten, aber Reims/Champagne sagt alles.


    Robert Schwartz, Culmerstr.338 und Sohnemann Joh.Mich. Schwartz jun., Culmerstr. 339 haben reichlich Champus bestellt. Joh.Mich.allerdings bei Louis Roederer.


    Markenlos ist normal, da diese Briefe immer als Porto-Briefe versandt wurden. Ich habe noch nie einen Franco-Brief in dieser Korrespondenz gesehen, warum auch, wenn die Firma zahlt.:-)


    Aleks

    Wehr fähler findet, daf si behaltn.;-)
    Wer Thorn-Belege findet, hat sie bei mir abzuliefern.

  • Hallo Aleks,


    mit Roederer und anderen aus der Champagne hast du schon recht. Es gab aber auch viele Frankobriefe, bei denen die früheren Sammler die Marken ausgeschnitten haben. Der Rest wurde dem Altpapier anvertraut. Die einzigen Frankobriefe, die es aus dieser Korrespondenz heute noch gibt, sind die aus Russland (Polen und Finnland), weil dort übliclherweise barfrankiert wurde, also keine Marken geklebt wurden.


    Dein letzter Nebensatz ist nicht ganz richtig, da die Firmen immer gegenseitig abgerechnet haben. Wer franko hinsandte, bekam franko retour. Wer porto hinsandte, bekam seine Post auch unfrankiert zurück. In den Rechnungen kann man das gut nachlesen. In der Vormarkenzeit und noch lange danach war es unerheblich, ob man frankierte oder nicht. Die Gebühren waren immer dieselben. Im Postverein sah das ganz anders aus.


    Grüsse von bayern klassisch

  • @bayern klassisch
    Hast Du einen Brief, der aus dem Champusland an den Besteller ging? Ich habe bisher keinen Brief in die andere Richtung. Die waren wohl nicht so penibel beim Aufheben wie die Roederers und anderen bekannten Verdächtigen.....


    Aleks

    Wehr fähler findet, daf si behaltn.;-)
    Wer Thorn-Belege findet, hat sie bei mir abzuliefern.

  • Hallo Aleks,


    ich habe Briefe nach St. Petersburg von Roederer aus den vierziger Jahren gesehen, sie aber nicht gekauft, weil sie mein Sammelgebiet nicht tangierten.


    Ich könnte mir vorstellen, dass bei bis zu 10.000 Flaschen Champagner - Bedarf pro Woche in der Sommerzeit allein in St. Petersburg aber noch in den russischen Archiven ein paar liegen könnten...
    Interessanter sind aber die Paketbegleitbriefe dorthin, die oft über Aachen und Lübeck liefen, und in denen die Wagenladungen und Schiffsfuhren verzeichnet sind. Da kann man ahnen, was da alles verprasst wurde...


    Ansonsten sind die umgekehrt laufenden wirklich selten.


    Grüsse von bayern klassisch

  • Da die Transitpost ein Nebengebiet von mir ist, habe ich mich vor einigen Jahren etwas intensiver mit der Champuskorrespondenz befasst. Meine Ansammlung umfasst zur Zeit 370 Briefe nach Rheims, aus den Zeitraum 1806-1877.
    Die überwiegend größte Anzahl davon sind indertat Portobriefe, auf 370 Briefe kann ich aber immerhin noch 43 voll frankierte Briefe aufweisen. Diese Frankobriefe gibt es nicht ausschliesslich aus Russland, ungefähr die Hälfte kommt aus andere Gebieten, wie z.B. Preußen, Hannover, Braunschweig oder Bayern. Zur Illustration habe ich einige Briefe beigefügt (v.l.n.r.: Hannover 1846, München 1824, Halle i.W. 1858 (strikt genommen kein Champusbrief), Köln 1825, Stettin 1845)
    Auch der Zeitabschnitt zeigt dass es durchaus auch in früheren Zeiten, vor den DÖPV, Frankobriefe gab.


    Briefe in umgekehrter Richting sind indertat seltener, man kann sie aber finden. Als Beispiel ein Brief aus 1846 (Rechnung mit Einlage) von Ruinart aus Rheims nach York in England. Ich habe bisher 3 solche Briefe in umgekehrte Richtung gefunden, aber bisher auch nicht richtig danach gesucht.


    Mit besten Grüßen,


    Hans

  • Da muss ich ja dem guten jariwee etwas entgegenhalten können.


    Ich habe mal 5 Briefe aus meiner Transitsammlung gescannt.


    Frankobrief 12 Kreuzer aus Kaiserslautern vom 25.10.1865 nach Reims an Bernheim.


    Beaune war die Zentrale des Weinanbaus, aber nicht des Champagners. Trotzdem mal ein eingeschriebenes Briefchen von Nürnberg 2.6.1829 nach dahin.


    Eine Spezialität aus Reims vom 14.7.1858 - Ein Portobrief von dort nach Rüdenahausen, den die franz. Post mit ihrem 18 Decimes - Stempel taxiert hatte, was nicht erlaubt war. Bayern hätte 18 Kr. manuell notieren müssen. So mir nur 3 mal bekannt. Briefe aus Reims sind nicht häufig nach Bayern.


    Portobrief aus Hannover vom 16.4.1861 nach Reims mit 8 Decimes Belastung.


    Portobrief aus Rostock nach Reims, was auch keine Massenware darstellt.


    Ich hoffe, Ihr mögt den kleinen Auszug aus Transiten aus und über die bayerische Pfalz nach Frankreich.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Offensichtlich hatten nicht nur die Nürnberger Durst auf französischen Wein. Auch wenn in Franken ebenfalls edle Tropfen gedeihen.
    Hier ein Briefchen an die gleiche Adresse aus Würzburg vom 20. Mai 1841. Leider kann ich nicht lesen, was Herr Anton Fischer mitteilte.
    Wer hilft hier bitte?


    Danke und herzliche Grüße
    Luitpold


    PS Rückseitig AK BEAUNE 25. MAI 1841 (Zweikreisstempel mit Zierstücken) und kleiner Zweikreis DESANCON 24. Mai.


    Vorderseitig im Original schwach zu erkennen, da ist der Scan besser, der "Grenzübergangsstempel".

  • Hallo Luitpold,


    der Stempel hinten müsste Besancon sein.


    Der Text lautet:


    Herrn Poulet Père & fils in Beaune
    Würzburg 20. May 1841


    Ich habe die eine mit Ihrem Werthen vom 5 paß. (=passierten, also vergangenen) avisierte PPqF No.56.57 2 Faß Wein für Herrn Carl Panizza in Kissingen empfangen und muß Ihnen mittheilen, das wie eben bei Empfangnahme der Weine, von d(em) Herrn C. Panizza die Anzeige geworden ist, das er die Weine nicht annehmen sondern diese zu Ihrer Verfügung bleiben. Ich habe daher diese auf k. Halte (=königliche Halde, also Lager) unterbringen lassen und sehe Ihrer gefälligen ????????? Bestimmung darüber entgegen, ergebend empfiehlt sich Ihnen Anton Fischer.


    Nicht alles aus Beaune schien also zu schmecken, oder war der Herr Panizza im schönen Kissingen finanziell etwas klamm geworden?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo in die feuchtfröhliche Runde!


    Auflösung der Fragezeichen im vorigen Beitrag: "ferneren".


    Solche Briefe werde ich aus meinem Sammelgebiet wohl eher nicht zu Gesicht bekommen, die Händler in meiner näheren Umgebung haben sich mit Sicherheit alle bei Groß- und Zwischenhändlern eingedeckt ...


    Viele Grüße vom Erdinger

  • Hallo Erdinger,


    danke für deine Mithilfe.


    Mit Erding hast du da wohl Recht - auch ich habe in über 30 Jahren noch keinen Frankreichbrief von oder nach Erding entdeckt (wenn ich einen finde, bist du der 1. Anwärter darauf).


    Dafür gab es aber sicher Bier in Mengen, auch wenn das damals noch nicht weit transportierbar war (erst die Eisenbahn machte dies möglich, wie so vieles damals ...).


    Grüsse von bayern klassisch