Wertvolle briefmarken

  • Wieviel kann so eine Briefmarkensammlung wert sein?
    Ich besitze eine große vielzahl an Briefmarkenalben, habe mir jetzt auch schon etliche Kataloge zugelegt um zu erfahren welchen Wert diese besitzen.
    Leider habe ich noch keine interessante Marke entdeckt die irgendwie annähernd alt oder wertvoll aussieht. Vor allem besitze ich Briefmarken aus dem 3. Reich. Kann mir jemand raten wie ich preislich attraktivere Briefmarken aus den anderen rausfischen kann? Worauf muss ich achten, wovon entscheiden diese sich?


    Danköööö

  • Ist bei jeder Marke ein Kapitel für sich-Wasserzeichen, Papierart, Stempel, Fehldrucke, Durckfarbvariationen usw.


    da brauchst schon jede Menge Gerätschaften und einen Prüfer


    Allerdings sind Marken aus dem 3. Reich eher nicht die wertvolleren ^^


    Gruss
    Denis

  • Stefan, Da bleibt Dir nichts weiter übrig, als erstmal die Kataloge zu studieren und mit Deinen vergleichen. Es gibt in jeder Zeitperiode teure und billige Marken, leider sieht man es Ihnen nicht an was sie kosten
    Gruß Kauli

    Suche immer Berlinstempel auf Marken und Belegen, Bitte alles anbieten

  • Zitat

    Original von stefan
    Wieviel kann so eine Briefmarkensammlung wert sein?
    Ich besitze eine große vielzahl an Briefmarkenalben, habe mir jetzt auch schon etliche Kataloge zugelegt um zu erfahren welchen Wert diese besitzen.
    Leider habe ich noch keine interessante Marke entdeckt die irgendwie annähernd alt oder wertvoll aussieht.


    Hallo,


    zunächst einmal herzlich willkommen.


    Wie schon gesagt ist es nicht möglich, pauschal zu sagen welche Briefmarken wertvoll sind und welche nicht.


    Das "alt und wertvolle" Aussehen hilft da überhaupt nicht weiter. Ich habe eine württembergische Marke von 1875 Top Zustand in meiner Sammlung, die gerade mal mit 80 Cent im Katalog steht.


    Womit wir auch beim Thema Katalogpreise wären. Um überhaupt eine Idee vom Wert der Marken zu haben, braucht man entweder viel Erfahurng in seinem Sammelgebiet oder Kataloge.


    Grundsätzlich ist zu sagen, daß Katalogpreise die Marktpreise für Marken in erster Qualität sind. So möchten es zumindest die Katalogverlage glauben machen.


    Tatsächlich liegen die Katalogpreise irgendwo zwischen halbwegs korrekt und reiner Phantasie. Haufenweise vorhandene Marken wie z.B. die aktuelle selbstklebende Marke "Rosengruß" stehen da mit 1,75 Euro für gestempelte Marken. Man wird kaum einen Sammler finden, der einem überhaupt Geld dafür gibt, geschweige denn 1,75 Euro. Preise für ETBs (Ersttagsblätter) sind eine Lachnummer, die teuer gekaufen BRD-ETBs sind so gut wie unverkäuflich.


    Marken unter einem Katalogwert von 5 Euro sind kaum einzeln verkäuflich, und auch höherwertige Stücke werden i.d.R. deutlich unter Katalogpreis gehandelt. Für teure Luxusstücke in entsprechend seltenem Zustand wird dann allerdings schon mal Katalogpreis gezahlt.


    Grundsätzlich würde ich mich beim Briefmarken sammeln nicht zu sehr mit Preisen und dem Wert der Sammlung beschäftigen. Wenn man überhaupt den Wert im Blick hat, sollte man auf jeden Fall auch eine hohe Qualität der Stücke achten.


    Wenn man Opas Dachboden-Briefmarkenfund-Nachlaß beim Händler verkauft, ist man meistens mit 10% Katalogpreis sehr gut bedient - sofern der das überhaupt haben will.


    Ich hoffe, ich habe dich jetzt nicht zu sehr geschock, aber das ist nun einmal die Realität. Es ist immer schade, wenn man einem Sammler nach Jahrzehnten die Illusion über den Wert seiner Sammlung rauben muß, daher lieber gleich am Anfang.


    Briefmarken sammeln ist ein interessantes Hobby. Der positive Effekt des geringen Wertes ist auch der dadurch günstigere Ankaufspreis. Ich würde einfach möglichst viel tauschen. Oft werden Katalogpreise als Tauschbasis genommen, und außerdem lernt man dabei andere Sammler kennen. Dann spielt der tatsächliche Wert nur eine untergeordnete Rolle.


    Katalogpreise und Wert sind nur ein Nebenaspekt der Philatelie, Briefmarken taugen halt zu 99,9% nicht als Spekulationsobjekte.


    db

  • Hallo Stephan,


    wenn Du db1201037´s Text liest, hast Du schon sehr viele gute Infos, um die Sache aus dem richtigen Blickwinkel zu betrachten.


    Es ist halt ein sehr komplexes Feld und nicht so einfach zu beantworten. Auch die Katalogwerte sind nur sehr relativ. Ein Beispiel:


    Gerade eben wird bei e-bay eine interessante Marke angeboten (E-Bay Nr.: 5637856723) und ich bin gespannt, wie hoch dieses Stück schlußendlich bewertet wird (PS: ich bin weder Verkäufer noch Käufer dieser Marke).


    Also: hier haben wir eine österr. 9 Kreuzer von 1850/54....wenn wir nun im (deutschen) Michel Katalog nachschlagen sehen wir eine Unterteilung nach Handpapier (3.-- Euro) und Maschinenpapier (2 Euro) für gestempelte 9 Kreuzer Marken. Um es kurz zu machen...es ist Handpapier.


    Nehmen wir den österr. ANK-Katalog zur Hand finden wir eine weitere Unterteilung der Typen und lesen für Type I je nach Farbnuance zw. 16 und 30 Euro.


    Ganz ähnlich wertet auch der Ferchenbauer-Katalog, führt jedoch noch eine weitere Farbnuance an, womit sich ein Wert von 16 bis 75 Euro ergeben würde (allerdings handelt es sich hierbei nicht um die 75 Euro Variante).


    Blättern wir etwas weiter, sehen wir, daß es sich bei dem bei E-Bay angeboten Stück um eine Marke mit einem markanten Plattenfehler handelt (fehlende Ecke oben links [roter Pfeil]): es handelt sich um den sogn. Plattenfehler Nr. 1, welcher im Ferchenbauer mit 300 Euro angeschrieben steht.


    Naja, jetzt könnte man natürlich zweifeln und meinen, daß die Farbe an dieser Stelle absichtlich abgeschliffen wurde. Hat man nun weitere Spezialliteratur zur Hand, sieht man, daß diese Marke noch weitere Eigentümlichkeiten aufweisen muß....im Frey werden beispielsweise insges. sieben große und kleine Fehler bei genau dieser Marke illustriert. Einen davon habe ich Dir mit einem grünen Pfeil eingezeichnet. Passend dazu beschreibt der Kainbacher, der DeFrank und der Huber/Wesely diese Marke als Platte 1b. Kurz: die Marke ist wohl tatsächlich ein Original.


    Tja, damit wären wir schon fast am Ende. Nehmen wir die 300 Euro als Ausgangsbasis, so würde sich ein Preis von 30 bis 60 Euro ergeben (für perfektes Material)...die Marke ist allerdings unten engrandig geschnitten. Andererseits klebt sie noch auf einem Briefstück (welches in diesem Fall aber nicht unbedingt zu einer wesentlich besseren Bewertung führen muß).


    Aber so einfach ist das eben nicht: wir müssen nämlich noch den Stempel bewerten und finden, daß im Müller-Katalog für den "Asch RL" Stempel 25x4 Punkte vergeben werden (ein Punkt entspricht heute ca. 1 bis 2 Euro). 100 Punkte weisen auf einen relativ schwierig zu bekommenden Stempel hin. D.h. es werden auch hier ein paar Stempelliebhaber kräftig mitbieten.


    Also verfolge die Auktion, vergleiche mit anderen 9 Kreuzer-Marken und wundere Dich über die Preisunterschiede.


    Fakt: ohne Literatur würdest Du diese Informationen nie erhalten und daher würde Dich so eine Marke wohl auch nicht interessieren. Aus diesem Grund ist´s aber auch möglich so komplexes Material irgendwann einmal in einer anderen Quelle günstig zu erhalten...eben ein Schnäppchen. Probier´ dies mit einer "Hepburn", oder einer "Mauritius"...welches jedes Kind kennt....hier hättest Du keine Chance auf einen günstigen Treffer.


    Man kann es sich nun aussuchen, ob man lieber in Zukunft Generalist, oder Spezialist sein möchte. Als Generalist, wird Dein Literaturbestand sicher auch nicht klein sein, aber Deine Sammlungen werden nie voll werden. Viele "Schnäppchen" werden Dir auch entgehen....damit muß man leben.


    Umgekehrt: als Spezialist kann es sein, daß Du so manche "fremde" Marke abseits von Deinem Sammelgebiet viel zu billig abgibst. Aber in "Deinem Wald" kennst Du Deine Bäume und Du wirst sehr viel gezielter investieren, als ein Generalist.

  • Daß die Literatur das "Um und Auf" ist, sollte Dir nun schon klar sein. Aber Literatur zu besitzen reicht nicht aus. Man muß sich schon mit den Marken beschäftigen...womit wir beim Punkt "Erfahrung" wären.
    Also schau´ Dir Deine Marken immer wieder und wieder an. Man glaubt gar nicht, was man alles irgendwann in der Sammlung abgesteckt und dabei übersehen hat (oder schlichtweg vergaß zu notieren). Erst heute ist mir beim Umsortieren wieder ein interessantes Stück in die Hände gefallen.


    Also hier handelt es sich um Lombardei & Venetien 5 Soldi Marken, welche grob in Type I und Type II unterschieden werden. Type I wertet mit ca. 30, Type II mit ca. 5 Euro. Die Typen kann man anhand einiger Details unterscheiden (siehe grüne Pfeile....die Schleife, das Ornament in der Ecke).


    Tja und dann ist mir der rote Balken an der unteren Type I aufgefallen (gelbe Pfeile). Wenn Du genau schaust, siehst Du, daß dieser Balken links etwas länger ist, als der Rahmen der Marke darüber. Im Vergleich dazu ist rechts unten eine Type II mit Balken oben abgebildet. Die Auflösung: Bei der Type II mit dem Balken oben, handelt es sich ganz primitiv um nur ein stark dezentriertes Stück, wobei man einen Teil der oberen Nachbarmarke sehen kann. Bei der Type I unten haben wir´s jedoch mit einem sogn. "Andreaskreuz-Ansatz" zu tun. Die Andreaskreuze können nur links, oder unten vorkommen. Marken mit ganzen Andreaskreuzen sind sehr selten und werten dementsprechend hoch. Man erhält sie, wenn überhaupt, nur bei großen Auktionen.


    Der hier abgebildete Andreaskreuz-Ansatze wertet leider nur mit 50 Euro. Aber immerhin ist damit der Wert der Marke knapp verdoppelt worden. Zudem ist so eine Marke auch viel besser "verkaufbar" als eine ganz "Normale"....der real erzielbare Wert wird darum um einiges höher liegen, als die üblichen 20-30 Prozent.