Marken erzählen viele Geschichten

  • Großer Tauschtag der Philatelisten in Mühlacker: Installateur aus Enzberg zeigt auf Briefen aus Baden älteste Briefmarken


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    Heftige Kritik an der Deutschen Post haben gestern die organisierten Briefmarkensammler geübt. Im Uhlandbau in Mühlacker fand der große Tauschtag statt. Vorsitzender Hans Weiland (Mühlacker), Thomas Zorn (Enzberg), Wolfgang Lichtner (Mühlacker), Karl Lukas (Illingen) und Rudolf Stauss (Ötisheim, von links) zeigten ihre zum Teil mehr als 150 Jahre alten Schätze.




    MÜHLACKER. Engagierte Philatelisten fördern so manche historischen Fakten aus der Region zu Tage. Doch ihre Zahl wird immer kleiner. „Der Computer ist zur großen
    Konkurrenz geworden“, sagte Vorsitzender Hans Weiland.


    Knapp ein Dutzend Briefmarkensammler aus Mühlacker, Ötisheim und Illingen beteiligte sich bis in den Abend am großen Tauschtag im Uhlandbau. Aber nur knapp 200 Fachbesucher sahen sich die 20 mit viel Fleiß und Genauigkeit gestalteten Schauwände an. Außerdem hadern viele Sammler gemeinsam mit ihrem Vereinschef Weiland mit der „allein auf Massenproduktion abzielenden Briefmarken-Strategie der Deutschen Post“. „Es geht unserer Post nur noch um den Umsatz. Ein Drittel aller Sammler hat sich deshalb von deutschen Motiven schon abgewendet“, sagte Weiland zur PZ.


    So würden bis zu fünf verschiedene Versionen einer einzigen Briefmarke von der Post veröffentlicht. Diese Inflation könne kein Sammler mehr mitmachen. Der zunehmende Frankierservice dränge die Briefmarke immer mehr an den Rand. „Ich habe mich deshalb Motiven aus China und Japan zugewandt“, stellte Weiland verärgert fest. Außerdem kämpfen die organisierten Philatelisten um die junge Generation und fühlen sich dabei mehr oder weniger von der Deutschen Post im Stich gelassen. Mit den Sonderstempeln für das Partnerschaftsjubiläum mit der italienischen Stadt Bassano habe der Verein mit seinen 44 Mitgliedern in den vergangenen Jahren aber eigene Akzente setzen können.


    Postzug kam aus Straßburg


    In der Sammlung von Wolfgang Lichtner aus Dürrmenz wurde die Heimatgeschichte lebendig. So konnte er einen Brief samt Stempel des Jahres 1854 aus einem Schwarzwalddorf nach Lomersheim vorlegen, in dem ein Pflegesohn seinen Vater um höhere Geldzahlungen bat. Von 1850 an sollen die ersten Poststempel eines Postamts aus Dürrmenz nachzuweisen sein, von 1856 an die ersten Postamtsstempel in Mühlacker. Eine Rarität seien die „Bahnpost-Stempel“ des schon seit 1869 eingesetzten Postzuges von Straßburg nach Mühlacker gewesen. Während der Fahrt hätten die Postbeamten die Briefe gestempelt und sortiert. Sogar in Pforzheim und in Niefern habe dieser Postzug in jenen Jahren angehalten, um weitere Briefsendungen aufzunehmen. „Die Marken und Stempel können viel erzählen“, sagte Lokalmatador Wolfgang Lichtner.


    Die ersten Briefmarken seien in Dürrmenz im Jahr 1889 verwendet worden. Philatelist Thomas Zorn aus Enzberg, ein Wasserinstallateur, hat sich den ersten Postwertzeichen des Herzogtum Baden verschrieben. Er zeigte im Uhlandbau als wertvollstes Stück der gesamten Ausstellung einen Brief samt Postwertzeichen von Gondelsheim nach Bretten aus dem Jahr 1851. Er haderte mit der mangelhaften Aufmerksamkeit der Postbeamten dieser Zeit, die am Schalter die Briefmarken auseinander schneiden mussten. Da sei manche Marke „arg beschnitten worden“. Nur jede tausendste Briefmarke dieses Zeitalters sei „brauchbar erhalten“, sagte Zorn.



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