Der größte Betrugsfall seit Jahren

  • Firma "Europin" schlägt hohe Wellen in Fachkreisen / Sechsstellige Schadenssumme


    Vom 12.05.2007
    KIRN Sie boten an, hohe Preise für Münzen und Briefmarken zu zahlen. Zahlreiche Sammler lieferten Briefmarken bei der Firma "Europin" im Steinweg ein. Doch weder sahen die Kunden Geld noch ihre Sammlungen jemals wieder. In Fachkreisen schlägt dieser Betrug hohe Wellen.


    Seit März ermittelt die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach in dieser Sache, möchte sich aber zu laufenden Ermitttlungen nicht äußern, so der Leitende Oberstaatsanwalt, Dr. Jürgen Brauer. Anders jedoch Fachleute aus der Briefmarkenbranche, die sehr daran interessiert sind, die Täter zu finden. Denn: Die Firma existierte im Kirner Steinweg kaum zwei Monate und verschwand Mitte März spurlos. Das Büro ist aufgegeben und leer.


    Als "größten Betrugsfall der Branche seit Jahren" bezeichnet der Göttinger Fachjournalist Gerd Aschoff das Gebaren der Firma. Diese Einschätzung teilt auch der Präsident des Bundesverbands des deutschen Briefmarkenhandels, Arnim Hölzer. Der Verband vertritt laut Hölzer rund 500 Händler aus ganz Deutschland. Rund die Hälfte der Händler sei damit in diesem Verband organisiert. Von mindestens 50 Geschädigten aus ganz Deutschland weiß Hölzer. Seinen Erkenntnissen nach ist "die Schadenssumme mit Sicherheit im sechsstelligen Bereich zu suchen".
    Die großformatigen Anzeigen in Fachblättern der Briefmarkenbranche waren das Erste, was Hölzer im Januar aufgefallen sei, berichtet er. Die Preise, zu denen "Europin" Briefmarken ankaufen wollte, seien viel zu hoch gewesen, so Hölzer. Als Händler bekam er sogar eine Einladung zur Verkaufsveranstaltung in Kirn. "Die hat jedoch nie stattgefunden." Der Auslöser, der ihn veranlasste, am 14. März doch nach Kirn zu fahren, sei gewesen, dass ein Sammler eine wertvolle Sammlung an "Europin" geben wollte. Hölzer stand in Kirn jedoch vor verschlossener Tür, ging daraufhin zur Polizei und setzte damit die Ermittlungen in Gang.
    "Das ist professionell aufgezogen", ist sich der Fachmann sicher. Von der philatelistischen Seite her müssen die Täter Unterstützung von Fachleuten gehabt haben, ist sich Hölzer sicher.


    "Da stimmt was nicht", dachte sich auch der Vorsitzende des Kirner Clubs der Briefmarkenfreunde, Wolfgang Glitsch, als er die Anzeigen der Firma entdeckte. Auch er stolperte über die angebotenen Ankaufspreise. Er rief im Steinweg an und erfuhr von einem Herrn "Braun", "Europin" richte sich nur an Händler. "Da wusste ich, es ist Schwindel."


    Glitsch kann aber nachvollziehen, warum doch einige Briefmarkensammler auf das Unternehmen hereinfielen. Seit sieben, acht Jahren fallen die Preise, schildert der Vorsitzende die Situation. Es werden weniger Sammler, das Material bleibe aber weitgehend dasselbe. Die Sammler hätten aber "hohe Erwartungen", was die Preise angehe. Und diese Erwartungshaltung machte sich "Europin" zunutze. Glitsch mahnt deshalb zur Vorsicht: "Man muss sich damit befassen, sonst fällt man irgendwann rein."


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