Portotaxen Sachsen

  • Ich habe einen Brief aus Leipig von 1856 nach Oxford bekommen. Wie damals üblich ohne Marken (die Verwendung von Marken mußte zwischen den Vertragspartern - einzelnen Postanstalten untereinander - vertraglich anerkannt sein). Es ist kein Franco- und Rekovermerk drauf.
    Auf der Briefvorderseite sind einmal 2 Ngr. (Neugroschen), 6 Ngr. und 1/4 Ngr. zu erkennen. Auf der Rückseite sind nochmal 6 Ngr. vermerkt. Ein Leitweg ist leider nicht vorgegeben. Auf der Rückseite ist ein Bahnpoststempel Leipzig-Magdeburg abgeschlagen. Man kann also davon ausgehen, dass der Brief über Preussen und Belgien ging (höchstwahrscheinlich der schnellste Weg). Die Postvereinsgebühr wären 3 Ngr. der belgische Transit 3 1/4 Ngr. und die britische Gebühr 5 Ngr. zusammen 11 1/4 Ngr. Wenn ich alles auf dem Brief zusammenrechne komme ich auf 14 1/4 Ngr.
    Meine Frage ist, wo bleiben die 3 Ngr.? Was bedeutet das Signum neben der 2 (Vergößerung)?
    Ich bedank mich schon mal.


    Gruss Totalo-Flauti.


    PS
    Ich merk gerade, dass ich im falschen Forum gelandet bin. Die Frage gehört natürlich nach Altdeutschland Sachsen.

  • Hallo ,


    eindeutig kann ich den Brief auch nicht entziffern, aber meiner Meinung nach, ist 11 1/4 erstmal korrekt, und mit roter Schrift notiert ( ich les das als 11 1/4 nicht als 1 1/4) .Es war ja Vorschrift in rot den vom Absender bezahlten Betrag so zu kennzeichnen.
    Die blauen Vermerke werden die Anteile von Belgien und England sein in der jeweiligen Währung.
    Und der kleine Vermerk ( Extrascan) müßte das Gewicht deklarieren, 1 Loth, also ein einfacher Brief.


    Laß mich aber gerne anders belehren, bei solchen Bestimmungen hab ich auch so meine Probleme.


    mfg

  • Hallo Totalo-Flauti,


    Brief der 2. Gewichtsstufe (so in schwarz vermerkt), in GB mit 1/4d taxiert (2x 8d). M.E. ist er mit 6 Sgr. für den deutschen Anteil belastet worden.


    Beste Ratefuchsgrüsse!


    Lars

  • Hallo Lars,
    Tja, ich finde dein Posting geht ja wieder in eine völlig andere Richtung. Ist der Brief dann direkt über Bremen oder Hamburg nach England gesandt worden und ist der Versand auch ohne belgischen Transit möglich gewesen? (War wohl der viel schnellere Weg - Ich meine ohne Belgien)
    Danke!
    Gruss Totalo-Flauti

  • Hallo Totalo-Flauti,


    nach meiner Meinung ging der Brief über Berlin-Aachen-Belgien nach England. Hamburg oder Bremen würde mich schwer wundern, dafür gibt es m.E. auch keinen Anhaltspunkt, weil das keine Austauschpostämter waren.


    "Durch diesen Additional-Vertrag ward dass Porto für die Deutsch-Englische Correspondenz auf der Route über Belgien, die nunmehr ausschliesslich benutzt wurde, auf 7 Sgr. (8d) für den einfachen Brief (bis 1 Zollloth...) ermässigt. Dieses Porto wird zw. Preussen und England halbscheidlich geteilt und das belgische Transitporto von jedem der beiden Staaten zur Hälfte getragen." (Heinrich Stephan, Geschichte der preussischen Post)


    Also hat Preussen für den Brief 7 Sgr. bekommen, Sachsen als Ursprungsland 6 Sgr. für den Postvereinsanteil. Das wäre meine (laienhafte) Interpretation.


    Beste Sammlergrüsse!


    Lars


    P.S. Der Band "Vorphilatelie" von Dr. Helbig wäre auch eine Empfehlung zur Interpretation von Taxzahlen.

  • Hallo, bin zwar kein Sachsen - Experte, aber es war ein reiner Portobrief, der Sachsen 6 Neugroschen = 7 Silbergroschen preussisch eingebracht hat, wovon die Transite und die innerbritische Gebühr natürlich abgezogen wurde.
    In GB hat er dann einen Shilling 4 d, wie schon richtig beschrieben, als Gesamtporto gekostet.
    Der Neugroschen war wertvoller als der Silbergroschen, daher denke ich, kam die Differenz von 6 zu 7 zustande.


    Laienhaft sächsische Grüsse von bayern klassisch

  • Briefe aus Sachsen nach Großbritannien konnten zum fraglichen Zeitpunkt über Frankfurt (Taxis), Baden oder Preußen-Belgien geleitet werden.


    Da der vorliegende Brief im Zug nach Magdeburg gelandet war, ist alles andere als der Leitweg über Preußen - Belgien höchst unwahrscheinlich.


    Ausweislich der Angaben im sächsischen Postverordnungsblatt betrug die Taxe pro Loth incl. neben der Vereinstaxe von 3 Ngr., die Sachsen zustand, für Belgien und Großbritannien 4 Ngr., die übrigens mit Sgr. gleichwertig waren (!).


    Aus den div. Vermerken ist eine Gewichtsangabe, die seitens der sächsischen Post mit schwarzer Tinte hätte vermerkt werden müssen, nicht eindeutig zu erkennen.


    Die siegelseitige "6" spricht sehr dafür, daß es sich um einen Doppelbrief handelte und folglich der sächsischen Post 2 x 3 Ngr. zustanden.


    Zu einer eindeutigen diesbezüglichen Aussage fehlt aber die Gewichtsangabe, die bei nicht-einfachen Briefen zwingend vorgeschrieben war.


    Es darf also weiter gerätselt werden.


    Altsax