stamps für Leipzig: 683.281 Briefmarken gesammelt und schon einen Pokal gewonnen

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    Platz hat Mike Röseler in seinen "heiligen Hallen" genug: 320 Quadratmeter groß ist die Schalterhalle im Gebäude der Deutschen Bank am Martin-Luther-Ring 2. Hier ist Mike Röseler, Leiter des Investment & Finanzcenters der Deutschen Bank Leipzig, Hausherr. Am Donnerstag durfte er Gastgeber sein für ein Dutzend schnipselnder Schüler der Leipzig International School. Und für eine Pokalübergabe.


    Den Pokal bekam das Projekt "stamps for Leipzig", das im Januar von der Leipzig International School aus der Taufe gehoben wurde, um an das Geld für eine neue, größere Schulbibliothek zu kommen. 4.000 Bände umfasst die Bibliothek jetzt. "Aber das ist nicht genug", sagt Annemarie Webster, Sprecherin der Schule. "Wir wünschen uns eine richtig gute Bibliothek, die auch zum Selberlesen animiert."


    Das wünschen sich viele Schulen. Aber überall fehlt das Geld dazu. Zuweilen sogar das Interesse der Lehrer. Schüler, die zu viel lesen, stellen auch zu viele Fragen. An der Leipzig International School, liebevoll von Schülern, Lehrern und Eltern Lissy genannt, ist das anders: Da wünschen sich die Erwachsenen nichts sehnlicher als kluge, neugierige, nervende Kinder. "Die LIS", so James Parsons, Direktor des ICC Sprachinstituts Leipzig, "ist ein echter Standortvorteil für Leipzig. Unternehmen fragen gezielt nach, ob es eine solche Schule dort gibt, wo sie sich niederlassen wollen."


    James Parsons, Annemarie Webster, Mike Röseler.Denn sie wissen dann, dass die Kinder nicht nur mehrsprachig ausgebildet werden. Sie wissen auch, dass die "Kleinen" lernen, international zu denken. Aber wie erfüllt man sich den Wunsch nach einer richtig internationalen Bibliothek? James Parsons hatte die Idee, stieß damit in der LIS auf offene Ohren: Wenn es keine öffentlichen Gelder dafür gibt, startet man eben eine ungewöhnliche Aktion, die Geld bringt. So etwas wie "stamps for Leipzig".


    Man schickt die Kinder los zum Briefmarkensammeln, aktiviert Netzwerkpartner, die mitsammeln, und man setzt sich ein rekordverdächtiges Ziel. Eine Million Briefmarken zum Beispiel. Und einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde. Seit Anfang des Jahres sammeln die Schüler. Gleichzeitig lief die Bewerbung als "Ausgewählter Ort 2007" in der Aktion "Deutschland . Land der Ideen".


    1.500 Bewerbungen hatte es dafür gegeben. Neben Orten wie der Deutschen Nationalbibliothek oder der IG Alte Messe wurde auch das Schülerprojekt "stamps for Leipzig" auserkoren. Vom Bundespräsidenten gab es die Urkunde. Am Donnerstag folgte der Pokal mit den drei Blüten, öffentlicht überreicht von Mike Röseler. Die Deutsche Bank ist Kooperationspartner der Initiative "Deutschland. Land der Ideen". Und weil ein fröhlicher Händedruck zwar fotowirksam, aber nicht allzu spannend ist, lud er die Kinder aus der LIS mit ein, in der Schalterhalle der DB draufloszuschnippeln und zu zählen.


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    Es sollte Bilanz gezogen werden: Wie weit ist es noch bis zur ersten Million? Die Antwort lautete am Donnerstag klipp und klar: 683.281 Marken haben die Kinder schon zusammen, mehr als die Hälfte. Unter den Klassen der LIS ist ein regelrechter Wettbewerb entbrannt: Wer sammelt die meisten Briefmarken?


    "Sogar echte Sammler meldeten sich bei uns", erzählt Annemarie Webster, "bringen ihre Sammlung mit und sind froh, wenn die Kinder begeistert sind. In Leipzig haben viele ältere Philatelisten das Problem, dass niemand mehr ihre Schätze haben will." Aber auch Mike Röseler hat eine markenträchtige Aktion angekurbelt: Seit einer Woche wird für "stamps for Leipzig" auch im Intranet der Deutschen Bank geworben. "Und die Leute schicken", freut sich Röseler. "Wir haben schon Sendungen aus Malta bekommen, aus der Türkei. Und die Aktion ist ja erst angelaufen. Da kommt noch mehr."


    Bei einem Dutzend Leipziger Unternehmen stehen Sammelboxen. Auch bei Ingrid Janik in der Mädlerpassage. Sie hat der sammelfleißigsten Klasse einen Sonderpreis besorgt: Eine Exkursion in eine Farbenfabrik in Nerchau. Mittlerweile zeichnet sich auch ab, dass nicht nur die Million gesammelter Marken zum Rekord führen soll: 100.000 Briefmarken sollen zum größten Briefmarken-Mosaik der Welt verklebt werden. Auch das ein Versuch, die LIS im Guinness Buch der Rekorde zu platzieren.


    Den Entwurf hat ein Schüler der International School, Christian Bär, schon fertig. Er zeigt die Silhouette der Stadt Leipzig. Jetzt muss das Bild noch in 100 je einen Quadratmeter große Quadrate geteilt werden, und dann muss nur noch - farbgerecht - geklebt werden. Dafür gibt es schon einen Termin: Die Messe "modell & hobby" vom 12. bis 14. Oktober. "Da können dann alle Besucher, die mitmachen wollen, nach Herzenslust kleben", verspricht James Parsons. Und wenn alle 100 Quadrate fertig sind, soll's eine zweiwöchige Ausstellung des kompletten Bildes geben, des neuen Rekord-Briefmarken-Mosaiks. "Dafür biete ich gern unsere Schalterhalle an", sagt Mike Röseler. "Platz ist hier genug."


    Wenn der Rekord auch für Guinness im Kasten ist, werden die Einzelquadrate ebenfalls meistbietend versteigert. Genauso wie die "restlichen" Briefmarken. Gesammelt wird noch bis zum Jahresende. Umgezogen wird schon vorher: Das neue Schuljahr wird die International School wahrscheinlich schon im frisch sanierten Gebäude in Schleußig beginnen. In der zweiten Etage ist dann auch schon der Raum gebucht für die neue Bibliothek: 108 Quadratmeter, auf denen dann deutsches, englisches und französisches Lesefutter verfügbar sein soll. Wenn "stamps for Leipzig" ein Erfolg wird, wohl noch ein paar mehr Sprachen. "Und wenn die Bibliothek richtig gut wird", so Michael J. Webster, Direktor der Schule, "werden wir sie auch für die Allgemeinheit öffnen. Bücher sind dazu da, gelesen zu werden. Von möglichst vielen Leuten."



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