Braunschweig

  • Hallo an alle Altdeutschland Kenner,


    zu der weiter unten angehängten Marke, Braunschweig Nr. 2, habe ich eine Frage: was meint Ihr, ist sie echt?
    Was Briefmarken betrifft bin ich weitgehend Anfänger. Besonders interessieren mich altdeutsche Marken und immer wieder bin ich erstaunt wie erfahrene Sammler mit einem Blick auf einen Scan sofort sagen "echt" oder "Fälschung". Die Marke sieht recht klecksig aus, das bewirkt auch, daß manche Details, wie die Krone, undeutlich sind und anders aussehen als sie sollten. War hier einfach die Farbe zu dick aufgetragen oder ist das ein Hinweis daß die Marke falsch ist. Leider hat Nr. 2 ja kein Wasserzeichen, das könnte einem sonst bei der Erkennung einer Fälschung gut weiterhelfen (ich gehe davon aus, daß ein Wasserzeichen nicht so einfach zu fälschen ist). Das Papier macht auf mich einen authentischen Eindruck, wobei ich auch davon nicht viel verstehe. Falls mir jemand sagen kann, ob die Marke echt oder falsch ist würde ich gerne wissen woran man das sieht, denn gerne würde ich das selbst lernen beurteilen zu können. Die Marke habe ich übrigens vor über 1 Jahr gekauft, geprüft ist sie nicht.
    Vielen Dank schonmal im Voraus!
    Johensen

  • Hallo Carolinus,


    erstmal vielen Dank. Vor allem der erste Link ist sehr hilfreich, genau so etwas habe ich schon gesucht. Trotz recht umfangreicher Literatur (Krötzsch, Müller-Mark, Grobe, Bade, diverse Lexika usw.) hatte ich diese Informationen nicht.
    Wenn ich mir allerdings auf der Seite die angegebenen Echtheitsmerkmale ansehe und meine Marke anschaue, dann stimmt sie wenn ich das richtig sehe in diesen Merkmalen mit echten überein (R und A und deren kleiner Abstand, dicker Fuß vom G).
    Natürlich, die restliche Zeichnung, vor allem die klecksigen Linien und die klecksige Krone. Kann das nicht doch einfach ein Druckartefakt durch zuviel Farbe bei einer echten Marke sein? Auch die doppelte Linie im oberen Teil des Ovals sieht mir ganz gut aus, die Steine unter dem Pferd und das Pferd selbst eigentlich auch. Oder etwa nicht? Andrerseits spricht natürlich einiges für eine Fälschung.
    Wenn noch jemand was zu der Marke sagen kann und/oder mir Tips geben kann wie man bei Braunschweig, bzw. bei dieser Marke echt von falsch unterscheidet wäre ich sehr dankbar.
    Wie gesagt, ich bin ehrlich immer sehr erstaunt, wenn im Forum zu irgendwelchen Marken gleich irgendwer schreibt "die ist sicher falsch" und ich frage mich, wie man das lernt und wie es überhaupt funktioniert. Das ist wirklich bewundernswert.


    Viele Grüße Johensen

  • Hallo Johensen,
    falls dir hier keiner weiterhelfen kann, stell die Marke mal im BDPh Forum vor. Dort gibt's garantiert Leute, die dir was zu der Marke sagen werden und ob sich eine Prüfung ev. lohnt.


    Gruß carolinus

  • Johensen


    Bei Deiner Marke handelt es sich zu 99% um eine Steindruckfälschung.
    Abb. 28 bei F.Billig.
    Hast Du etwas dagegen, wenn ich die Marke mit in meinen Fälschungskatalog aufnehme ?


    helgophil


  • Hallo Helgophil,


    vielen Dank für den Hinweis.
    Gerne kannst Du die Marke in Deinen Fälschungskatalog aufnehmen.
    Eine Steindruckfälschung. Das heißt vermutlich, daß sie vor sehr langer Zeit entstanden ist, da Steindruck schließlich eine sehr alte Methode ist?
    Woran sieht man das, etwa an der unscharfen, klecksigen Zeichnung? Oder gibt es noch andere Digne woran man das schon an einem Scan erkenne kann?
    Habe die Marke vor mehr als einem Jahr bei ebay ersteigert und dafür etwa (wenn ich mich richtig erinnere, ist ja schon eine Weile her) 25 % Michel bezahlt. Macht nix, war eben "Lehrgeld" das jeder Anfänger bezahlen muß (und ein solcher bin ich), denke ich hab bißchen was gelernt dadurch.
    Dachte mir ja schon lange, daß es eine Fälschung ist. (Ist es eigentlich richtig, daß Braunschweig Nr. 1-3 wegen der fehlenden Wasserzeichen besonders gerne gefälscht werden/wurden?)
    Beste Grüße
    Johensen

  • Hallo Johensen,


    nach meiner Erfahrung wurde und wird so ziemlich alles gefälscht. Bei Altdeutschland sind die Hinweise im Michel zu Fälschungen immer ernst zu nehmen. Wenn Du (noch) kein Experte bist, dann solltest Du nur aktuell geprüfte Werte kaufen. Ansonsten häuft sich das Lehrgeld.


    Braunschweig ist durchgehend fälschungsgefährdet. Nicht nur die Mi. 1-3. Da das Gebiet sehr beliebt und hochpreisig war und ist, gibt es genügend falsches Material.


    Beste Sammlergrüsse!


    Lars

  • Johensen:


    Die drei bei AD gebräuchlichsten Drucktechniken (Buch-, Stein- u. Stichtiefdruck) unterscheiden sich vom Druckbild deutlich. Lege einfach eine Bayern-Quadratausgabe, eine frühe Preussenmarke und die Braunschweigmarke nebeneinander und betrachte sie sorgfältig mit einer Lupe. Die Unterschiede fallen sofort ins Auge.


    Die Angaben zum Druckverfahren findest Du im Michel. Wenn Du ungeprüfte bzw. altgeprüfte Marken über Internet kaufst, besorge Dir vorher immer einen guten Scan vom Verkäufer und lass Dir eine Nachprüfgarantie einräumen. Wenn er dazu nicht bereit ist, vergiss es. Wenn er darauf eingeht, die Marke(n) zeitnah zum Prüfer schicken.

  • Zitat

    Köstlich bei F.Billig der Hinweis zu dieser Fälschung: 'Stute'
    Im Original eben ein Hengst !! .


    Ja, doch! - man erkennt es ziemlich genau. :D
    Jetzt fang ich doch noch mit Braunschweig an - ich weiß ja jetzt, worauf ich achten muss!

  • Nochmals vielen Dank für die interessaten Hinweise, vor allem Dank an helgophil. Die website ist übrigens sehr gut und hochinformativ! (Und eine große Ehre für die kleine blaue Stute.)
    Das mit der Stute ist wirklich wunderbar. So gesehen freue ich mich fast über die lustige Fälschung.
    Kann mir jemand sagen was F. Billig für eine Quelle ist, ein Buch?
    Leider kenn ich es nicht und habe es auch nicht gefunden.


    Überhaupt wäre es eine Frage von mir in welcher Fachliteratur man eben dieses Wissen über Fälschungen, deren Merkmale, wie man sie erkennt usw. (speziell bei Altdeutschland oder auch sonst) nachlesen kann (?).


    Ich habe einen Band von Oppitz ("Wissen schützt vor Schaden" der Band übers Deutsche Reich bis Bund und DDR) und bin davon sehr enttäuscht. Nur sehr wenige und zu konkrete Beispiele, sieht ein bißchen aus wie eine Skripte, man kann nicht viel damit anfangen. Aber mag sein, daß die anderen Bände über Altdeutschland (leider vergriffen) besser sind, immerhin werden sie oft gelobt.
    Aber welche Literatur kann man hierzu empfehlen?


    Viele Grüße
    Johensen

  • Hallo Johensen,


    Fritz Billig hat eine ganze Reihe von Büchern und Heften über Fälschungen veröffentlicht. Bei eBay.com tauchen sie eigentlich regelmässig auf. Aber man sollte wissen, welcher Band für einen interessant ist.


    Der beste Weg sich vor Fälschungen zu schützen, ist echte, geprüfte Marken zu kaufen und sich die Echtheitsmerkmale einzuprägen. Die Hefte der Arbeitsgemeinschaft Braunschweig/Hannover dürften auch noch jede Menge Informationen erhalten. Aber m.W. gibt es kein Buch, dass auch nur annähernd alle deutschen Gebiete abdeckt bzw. abdecken kann. Dafür gibt es zuviele Fälschungen.


    Beste Fälschungserkennungsgrüsse!


    Lars

  • Zitat

    Original von Johensen
    Ich habe einen Band von Oppitz ("Echt oder Falsch" der Band übers Deutsche Reich bis Bund DDR) und bin davon sehr enttäuscht. Nur sehr wenige und zu konkrete Beispiele, sieht ein bißchen aus wie eine Skripte, man kann nicht viel damit anfangen. Aber mag sein, daß die anderen Bände über Altdeutschland (leider vergriffen) besser sind, immerhin werden sie oftr gelobt.


    Da kann ich mich nur anschließen. Das Buch hat mich auch nicht überzeugt. Daher würde mich ein Feedback zu den anderen Bänden ebenfalls sehr interessieren.


    Gruß
    Phila_Tom

    Gesucht: Belege/Stempel aus Bremervörde und Umgebung, Vorphila bis heute. AM-Post Belege, Bogenränder mit Besonderheiten, gest. Einheiten.

  • Johensen


    Bei F.Billig findest Du mit Sicherheit mehr als 95% aller wichtigen Altdeutschland-Fälschungen.
    Das Buch ist leider nicht erhältlich und es gibt einige Leute, die sind darüber nicht unglücklich. Es wäre ja auch fatal, wenn der gewöhnliche Sammler selber Fälschungen erkennt.


    Mit meiner Homepage habe ich mir deshalb nicht nur Freunde gemacht.


    Ich bin auch schon 'dezent' darauf hingewiesen wurden, daß ich doch ja das Copyright von den uralten Biillig-Büchern (1935) beachten möge ...
    Deshalb habe ich auch das 2. Foto von dem Pferd (Billig) erstmal wieder rausgenommen.


    Viele Sammlergrüße


    helgophil


  • Zitat

    Überhaupt wäre es eine Frage von mir in welcher Fachliteratur man eben dieses Wissen über Fälschungen, deren Merkmale, wie man sie erkennt usw. (speziell bei Altdeutschland oder auch sonst) nachlesen kann (?).


    Hallo Johensen,
    bei den Literaturempfehlungen kommt es einfach auf dein Sammelgebiet an.


    AD ist eben einfach nicht ein Gebiet. Literatur, die allen einzelnen Staaten gleichermaßen gerecht werden will, kann nur einen Kompromiss darstellen. Und selbst in "Spezial-Literatur" wirst du widersprüchliche Informationen finden. Bei Bergedorf gebe ich dir gerne Beispiele (Knauer widerlegt Kroetzsch: Auflagezahlen der Nummer 1a und 1b, Entstehung der 1b... - die Angaben im Michel sind falsch!!!).


    Übrigens: Was in diesem Bereich im Michel steht ist leider häufig falsch und führt zu Desinformationen. Jeder ernsthafte Bayern- und Badensammler, kann nicht ohne Spezialliteratur auskommen (Für Bayern z.B. Sem, Helbig, Zangerle).
    Der Michel-Spezial ist ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr als Informationsquelle geeignet.


    Ein Standardwerk wäre m.E. Müller-Mark (hierzu gibts übrigens auch ganz andere Meinungen).
    Das Buch gibt es als Gesamtausgabe und als Einzelhefte. Diese lohnen sich, wenn du nur bestimmte Gebiete sammeln willst.
    Ansonsten sollte mal alle verfügbaren Infos im Netz nutzen - zum Beispiel die eben angeführte Website von helgophil oder die Seiten von Jürgen Kraft und... Google sei Dank!


    Gruß carolinus