Briefmarken - Die große Welt im ganz Kleinen

  • Die Erbengeneration verdirbt die Marken-Preise.



    Voesch. Die Welt zu Gast in Voesch – das Motto der Fußball-Weltmeisterschaft des vergangenen Jahres galt am Sonntag en miniature für das Treffen der Briefmarkenfreunde im Bürgerhaus Voesch. Beim Großtauschtag und einer Ausstellung der Arbeitsgemeinschaft der Philatelisten Linker Niederrhein (ALN) wurden die gezackten Schätzchen aus aller Welt getauscht, ge- und verkauft.


    Ein permanentes Grummeln hängt über den Tischen. Der scharfe Blick der Interessenten wandert zwischen den begehrten Objekten und der „Bibel“ der Philatelisten, dem Michel-Katalog. In Alben oder feinsäuberlich in Klarsichthüllen verpackt, in Kästen aufgereiht, durchforsten die Sammler das Angebot nach Marken, Briefen oder Postkarten, die ihnen in ihrem Bestand fehlen.
    Sogar aus Worms und Mannheim reisten die Sammler an


    „Alle Tische sind ausverkauft“, sagt Josef Vinken, Vorsitzender der ALN, und macht nach diesem Sonntagnachmittag einen zufriedenen Eindruck. Den Großtauschtag haben sie bewusst in den Sommer gelegt, da sei die Konkurrenz durch andere Veranstaltungen nicht so groß. „Die Leute standen heute morgen schon vor der Tür.“ Sogar einige Sammler aus Worms und Mannheim reisten an den Niederrhein. „Das hat mich schon gewundert, sonst kommen sie nur aus der Region. Ich schätze, dass wir 120 Anbieter, Sammler und Besucher haben.“


    Vor allem durch Werbung in Fachzeitschriften und den Tageszeitungen wurde der Großtauschtag bekannt gemacht. Aber getauscht werde bei solchen Treffen kaum noch. Früher hätten die Leute noch getauscht, heute kaufen sie in der Regel. „Die meisten haben fast alles. Was ihnen fehlt, sind die teuren Stücke.“ Auf der Suche nach den fehlenden Sammelstücken, öffnen die Philatelisten dann ihre Geldbörse.


    Die Massen an Marken ist überwältigend. „Es gibt keine Allround-Sammler mehr, es sind alles Spezialisten“, erklärt Vinken. Prompt nähert sich ein Sammler seinem Tisch. „Berlin-Marken“, sagt er ohne weitere Worte zu Vinken. Der legt ihm ein Album mit den gewünschten Briefmarken vor. Und umgehend geht das Blättern los.
    Manche stöbern nach Motiven beispielsweise nur mit Tieren, Eisenbahnen oder Politikernköpfen in verschiedenen Farben, für andere zählen nur Länder wie die DDR. „Ich sammle nur Inflationsbögen“, sagt Vinken. „ Aus der Zeit von 1913 bis 1923.“ Davon existieren sogar noch postfrische Bögen. Für das Deutsche Reich interessierte er sich schon immer. So kam er irgendwann auf die Inflationsmarken.

    Das „Drumherum“ um die gezackten Kostbarkeiten, also der Druck, die Geschichte und so weiter, damit beschäftige er sich auch und so treten die Marken dann schon mal in den Hintergrund. Übrigens, Briefmarken werden am preußischen Niederrhein seit etwa 1850 auf Briefe geklebt. Vorher wurden diese mit einem Stempel versehen. „Es gibt sogar noch alte Briefe mit einem Voescher Stempel“, weiß Vinken.


    Grundlage für alle Geschäftsverhandlungen beim Großtauschtag ist der Michel-Katalog. „Das Maß aller Dinge“, so Vinken.
    Junge Leute kennen oft den Wert der Marken nicht


    Alle deutschen Briefmarken sind in den Bänden des Katalogs aufgeführt, jede hat eine feste Nummer und einen Preis. „Man zahlt aber nicht den Katalogpreis.“ Vielmehr werde gefeilscht. Doch der Markenverkauf sei zurzeit eher schlecht. „Erbengeneration“, sagt Vinken nur. „Die jungen Leute wissen nichts damit anzufangen und werfen die Marken auf den Markt.“ Das senke die Preise. Teure Sammlungen gingen oft für einen „Appel und ein Ei“ weg.


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    Beim Großtauschtag des ALN im Voescher Bürgerhaus suchen, tauschen und kaufen Sammler Briefmarken aus aller Welt. ALN-Vorsitzender Josef Vinken (rechts, sitzend) spezialisierte sich auf Inflationsmarken.