Frankreich Postkarte mit China Small Dragon - Fragen zu einer Faelschung

  • Hallo zusammen,
    ein Bekannter aus ROC hat ein paar Fragen zu dieser Karte. Ich selber kenne mich in klassischer Philatelie nicht aus.


    Ich vermute aber Folgendes:
    Die Karte lief von Paris nach Naumburg? (ueber Marseilles).
    Ich kann zweimal Naumburg in der urspruenglichen Anschrift (es ist auch ein Ankunftsstempel Naumburg? abgeschlagen) erkennen, aber nicht die beiden Woerter darunter. Falls sich bei dem Ort wirklich um Naumburg handelt, welches Naumburg ist es denn?


    Stimmt das denn mit der Frankatur 10 Centimes fuer eine Postkarte F nach D?


    Dann wurde eine neue Adresse aufgebracht, jetzt in Shanghai.
    Und die Karte dann wohl auch dorthin geschickt.
    Allerdings ist keine weitere Marke aufgeklebt worden. Deswegen wohl der Nachporto Stempel, oder?


    In Shanghai kam dann eine drei Candarins Small Dragon der China Customs Post hinzu, um fuer die Weiterleitung innerhalb Chinas zu bezahlen... FALSCH


    Der Stempel, der fuer die Entwertung der Small Dragon Marke verwendet wurde, ist naemlich falsch (Jahreszahl muesste 2-stellig anstatt 4-stellig sein). Die Marke wurde also erst nachtraeglich hinzugeklebt, wohl um einen hoeheren Preis fuer die Karte zu erzielen.


    Macht das Alles Sinn? Wenn die Experten hier etwas zur vollstaendigen Aufklaerung beitragen koennten, waere das wunderbar.
    Vielen Dank im voraus,
    KR

  • Naumburg
    an der Saale

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.

    Voltaire

  • Frama_enthusiast:


    Das UPU-Porto für Postkarten betrug in der Tat 10 Centimes. Die Karte kam auch nur bis Naumburg (an der Saale). Der Rest ist m.E. komplett falsch. Die Stempelfarben, die Stempeltypen passen überhaupt nicht. Auch die Adresse hätte kein Deutscher so geschrieben, das sieht nach einer englischen Sauklaue aus.


    P.S. Ich sehe auch keine Notwendigkeit für ein Nachporto (das übrigends nirgends vermerkt wurde), normalerweise hätte die Weiterleitung kostenlos sein müssen (lass mich da aber von einem Nachporto-Spezi gerne belehren)


    P.P.S. Eine meiner Sammlungen beschäftigt sich mit Nachportobelegen...

  • @alle.
    Erst einmal vielen Dank fuer Eure Anmerkungen.


    @Gagrakacka
    Ich hatte auch schon so ein merkwuerdiges Gefuehl bzgl. der diversen weiteren Stempel...
    War es denn damals so ueblich, dass die Post kostenlos, d.h. ohne mit Nachporto belegt zu werden, ins Ausland weitergeleitet wurde?


    Und koennte die Sauklaue auch franzoesischer Natur sein (wegen dem "Chine")?

    asmodeus
    Ist das wirklich eine "21"? Koennte die "1" nicht auch eine andere Ziffer sein? Jedenfalls passt der Marseille "29 SEP" Stempel zeitlich nicht.
    Das wuerde dann auch Gagrakacka's Vermutung bekraeftigen.



    KR

  • Frama_enthusiast:


    Der Naumburg-Stempel lautet auf 24/9 - so wie Hangover es geschrieben hat. Der Platz ist zu gross, wenn es eine "1" wäre. Die "Sauklaue" gehört dem Fälscher, obwohl ich kein Grafologe bin, sieht die Schrift von der Linienführung typisch Englisch aus.


    Wenn es eine Nachsendung gegeben hätte, dann hätte ein deutscher Postbeamter die Adresse ergänzt. Die Nachsendung erfolgte m.W. portofrei, weil die Postkarte für das UPU-Ausland vollständig freigemacht wurde. Ich kenne Nachporto eigentlich nur, wenn Inlandspostkarten in das Ausland nachgesandt wurde. Ausserdem fehlt der Nachportovermerk, der zu dem "T" gehören würde. Oder das "T" hätte gestrichen werden müssen. Das "Too Pay" ist einfach ein grotesker Fehler.

  • @Gagrakacka
    Vielen Dank fuer Deine Ausfuehrungen.
    Das mit der portofreien Nachsendung habe ich jetzt geschnallt, trotzdem noch eine Frage dazu. Wie hat es damals in punkto Nachporto mit dem Nicht-UPU Ausland ausgeschaut? China war zu der Zeit noch nicht in der UPU.


    Deswegen mussten damals dann auch in China ankommende Sendungen entweder mit China Customs Post Briefmarken freigemeacht werden (wenn ein Zollmitarbeiter der Empfaenger war) oder eben mit einem solchen "To Pay" Stempel versehen werden, damit der Adressat dann die faellige Gebuehr entrichtet (s. Beleg unten; habe ich eben auf gefunden).


    Insofern haette aus der Sicht eines Faelschers der "To Pay" schon Sinn gemacht. Aber eben nicht in Kombination mit einer chines. Customs Post Briefmarke. Deswegen hat mein Bekannter (genauer gesagt ein Freund von ihm) erst gemerkt, dass etwas faul an der Geschichte ist. Na ja, und wie es jetzt ausschaut ist der Beleg noch viel fauler :-)


    KR