Fußballgeschichte auf Briefmarken

  • Nürnberg (AP) Kämpferisch hechtet der Fußball-Spieler nach dem Ball. Hinter ihm sind die Säulen eines römischen Tempels zu erkennen, über ihm kreist ein Doppeldecker-Flugzeug. Was auf den ersten Blick als Sportszene etwas seltsam anmuten mag, ziert als Motiv die erste Fußball-Briefmarke, die anlässlich der Weltmeisterschaft 1934 vom damaligen Gastgeber und späteren Gewinner Italien herausgegeben wurde. Zusammen mit mehr als 5.000 weiteren Exponaten ist das Sammlerstück in der Ausstellung «Fußball regiert die Welt» im Nürnberger Museum für Kommunikation zu bewundern.


    «Das Motiv auf der Briefmarke symbolisiert die Verbundenheit von Vergangenheit und Zukunft, in die der Fußball eingebettet ist», erklärt Klaus-Peter Baschke, der für die Ausstellung verantwortlich ist.


    Von der schlichten schwarz-weißen Briefmarke über Postkarten, aufwendige bunte Sonderdrucke auf Briefumschlägen bis hin zu Original-Eintrittskarten liefert die Ausstellung nicht nur einen philatelistischen Überblick über Entstehung und Entwicklung des beliebten Ballspiels, sondern auch einen historischen Abriss von der Gründung der ersten Fußballvereine in England 1863 bis zur Neuzeit. «Damit sollen die Fußballfans auf das bevorstehende Großereignis im Juni 2006 vorbereitet werden», betont Baschke.


    Dass die Ausstellung schon am 15. Januar wieder beendet werde, habe seine Gründe: «Je näher die WM rückt, desto mehr wird angeboten. Da geht viel unter», erklärt er. «Wir wollen das Entrée machen.»


    Alle in Nürnberg gezeigten Exponate sind Leihgaben der Dortmunder Philatelisten Bruno Maas und Gerd Kolbe sowie des Deutschen Fußballmuseums in Erkelenz und sollen später noch in anderen deutschen Städten ausgestellt werden.


    Als wohl ältester philatelistischer Beleg zum Thema Fußball wird in der Schau eine Postkarte aus dem Jahr 1912 gezeigt. Sie wurde laut Baschke anlässlich des ersten olympischen Fußballturniers in Stockholm vom damaligen Sieger Großbritannien herausgegeben, ist in ihrer Gestaltung aber noch eher schlicht gehalten und verzichtet auf eine Fußballszene als Motiv.


    Auch Uruguay, das als zweimaliger Olympiasieger 1924 und 1928 Briefmarken herausbrachte, wählte lieber eine Abbildung der griechischen Siegesgöttin Nike statt eine dramatische Torszene.


    Erst von 1934 an, nach der Weltmeisterschaft in Italien, wurde es üblich, auf Briefmarken packende Fußballszenen wichtiger Turniere, berühmte Stadien, Spieler oder Trainer darzustellen. «Da entstand allmählich ein Markt», erklärt Baschke.


    So finden sich in der Nürnberger Ausstellung unter anderem Briefmarken zum 1000. Tor von Fußball-Legende Pele am 19. November 1969, Postwertzeichen mit Porträts von Franz Beckenbauer, Gerd Müller oder Sepp Herberger, eine Grußkarte der deutschen Fußball-Elf aus dem WM-Jahr 1958 mit Unterschriften aller Spieler, eine Autogrammkarte von Fritz Walter und das Trikot von Max Morlock, in dem er möglicherweise das entscheidende Tor bei der Weltmeisterschaft 1954 in Bern geschossen hat.


    Ohnehin ist dem deutschen National-Team und seiner WM-Siege 1954, 1974 und 1900 ein Schwerpunkt der Ausstellung gewidmet. In einem eigenen Raum hat Baschke einen Teil des berühmten und inzwischen längst abgerissenen Berner Wankdorf-Stadions in Miniatur nachbilden lassen, in dem die deutsche Elf 1954 ihren ersten WM-Titel holte. Neben Original-WM-Plakaten - auch der Spiele von 1974 und 1990 - sind dort allerlei Fotos und die jeweiligen Torverhältnisse verschiedener Zwischenrundenspiele erfasst.


    Für Nostalgiker hält Baschke zudem Mauerreste sowie einen Teil einer hölzernen Sitzbank aus dem Wankdorf-Stadion in einer Glasvitrine parat, gleich unter einer Nachbildung des Weltmeisterschaftspokals von 1954. Und über allem thront ein kleiner Bildschirm, auf dem gleichsam zur Beschwörung der Siegeslaune ein Videofilm an das legendäre «Wunder von Bern» erinnert. «Da kann man sich schon richtig einstimmen», schwärmt Baschke.



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