Fußballgeschichte im Kleinformat

  • Die Ausstellung „Fußball regiert die Welt“ im Nürnberger Museum für Kommunikation erzählt die Fußballgeschichte auf zeitgenössischen Briefmarken.


    HB NÜRNBERG. Fußball regiert die Welt. Auch die Philatelie spiegelt die Geschichte der beliebtesten Sportart rund um den Globus wieder. Superstars wie Pele und Beckenbauer, Trainer wie Sepp Herberger und Helmut Schön, Meistermannschaften und Spielszenen gehören spätestens seit der ersten Fußball-WM im Jahr 1930 zu den beliebtesten Motiven auf Briefmarken, Postkarten, Sonderstempeln und Ersttagsbriefen. Mehr als 5000 Exponate aus aller Welt zeigt das Museum für Kommunikation noch bis zum 15. Januar 2006, ergänzt durch eine Präsentation des Deutschen Fußballmuseums in Erkelenz über die drei deutschen Weltmeisterteams von 1954, 1974 und 1990.


    „Der Kampf um das runde Leder war und ist rund um den Erdball Anlass für die Ausgabe von Briefmarken“, erläutert Museums-Direktor Stefan Kley am Dienstag den Hintergrund der Ausstellung „Fußball regiert die Welt. Fußballgeschichte auf Briefmarken erzählt.“ Die Exponate stammen großenteils aus dem Nachlass des Dortmunder Braumeisters Joachim Kortüm, eines in die USA emigrierten Fußballfans und Philatelisten.


    Ausstellungsleiter Klaus-Peter Baschke spannt den Bogen zurück bis in das Jahr 1863, als sich der Fußball in England vom Rugby abspaltete und als eigene Sportart zunächst auf dem Inselreich etablierte. „Auf den Kontinent schwappte der Fußball erst relativ spät über“, erinnert Baschke an die Gründung des Deutschen Fußball- Bundes im Jahr 1900. Dass die Ausstellung schon am 15. Januar wieder beendet werde, habe seine Gründe: „Je näher die WM rückt, desto mehr wird angeboten. Da geht viel unter“, erklärt Baschke. „Wir wollen das Entrée machen.“


    Der VfB Leipzig war in der Saison 1902/03 erster deutscher Fußballmeister. Seit 1908 ist Fußball olympisch. Die erste Weltmeisterschaft fand dagegen erst 1930 statt, in Uruguay, dem Land des Olympiasiegers von 1924 und 1928.Von dort stammt auch die älteste Fußballbriefmarke mit einem Bild der griechischen Siegesgöttin Nike. Später folgten Motive von berühmten Spielern, packenden Spielszenen, imposanten Stadien und Pokalen. Zu den kuriosen Besonderheiten zählt eine Briefmarke zum „Länderspiel des Jahrhunderts“ im Jahr 1953, erklärt Kley. „Nach dem 6:3-Sieg gegen England haben die Ungarn eine eigene Briefmarke mit dem Ergebnis herausgebracht.“


    In der Nürnberger Ausstellung finden sich unter anderem Briefmarken zum 1000. Tor von Fußball-Legende Pele am 19. November 1969, Postwertzeichen mit Porträts von Franz Beckenbauer, Gerd Müller oder Sepp Herberger, eine Grußkarte der deutschen Fußball-Elf aus dem WM-Jahr 1958 mit Unterschriften aller Spieler, eine Autogrammkarte von Fritz Walter und das Trikot von Max Morlock, in dem er möglicherweise das entscheidende Tor bei der Weltmeisterschaft 1954 in Bern geschossen hat.


    Philatelistische Dokumente erinnern ebenso an das „Wunder von Bern“ wie eine Original-Eintrittskarte, eine Speisekarte vom Festbankett, eine Nachbildung des Siegerpokals und steinerne Reste des vor Kurzem abgerissenen Wankdorfstadions. In einer Vitrine prangt die Ausgabe der „Bild“-Zeitung vom 5. Juli 1954 mit der Schlagzeile „3:2 - Deutschland ist WELTMEISTER - Triumph über Ungarn“. Aus dem Fußballmuseum in Erkelenz stammen Fotos der deutschen Mannschaften und ihrer Gegner auf ihrem Weg zu den Titelgewinnen 1954, 1974 und 1990.


    Für Nostalgiker hält Baschke zudem Mauerreste sowie einen Teil einer hölzernen Sitzbank aus dem Wankdorf-Stadion in einer Glasvitrine parat, gleich unter einer Nachbildung des Weltmeisterschaftspokals von 1954. Und über allem thront ein kleiner Bildschirm, auf dem gleichsam zur Beschwörung der Siegeslaune ein Videofilm an das legendäre „Wunder von Bern“ erinnert. „Da kann man sich schon richtig einstimmen“, schwärmt Baschke.


    „Wir wollen den Fußball auch als weltumspannendes Phänomen darstellen“, betont Ausstellungsleiter Baschke. „Heute sind im internationalen Fußball-Verband Fifa 150 Verbände in allen Erdteilen mit rund 300 000 Vereinen zusammengeschlossen. Weltweit spielen gut 22 Millionen Aktive in rund 600 000 Mannschaften.“ Die Vielfalt und die Farbigkeit des Fußballs wie der Länder dokumentieren in der Ausstellung auch Briefmarken aus Südkorea, Tansania, Togo oder Afghanistan. Bis zur Fußball-WM im Sommer 2006 soll die Ausstellung noch in mehreren anderen WM-Städten gezeigt werden. Eine endgültige Bleibe soll sie in Kortüms Heimatstadt Dortmund finden.



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