Bitte um Wertschätzung

  • Hallo Moni


    Wie Nigel schon schrieb, Massenware. Selbst in 200 Jahren werden diese unter Sammlern kaum einen Wert haben, weil es einfach enorme Mengen davon gibt (sicher mehrere Millionen).


    Trotzdem sind diese Markenserien natürlich geschichtliche und historische "Dokumente" mit denen man eine kurze und kleine Deutsches Reich Serie basteln kann.


    Pfennig Werte
    Germania
    Infla
    Rentenpfennig
    Hindenburg
    Hitler


    Coki

  • ...tja, die tägliche kleine Wühlkistenfreude...


    Mit dem Material ist so, wie mit der ominösen Pralinenschachtel aus Ephraim Kishons Satiere, welche bei jeder Familienfeier über Jahrzehnte ungeöffnet weitergegeben wurde und immer wieder auftaucht.


    Diese Marken haben sicher schon zwanzig Wühlkisten von innen gesehen. Sieh´s einfach als Grundstock für den Beginn der einzundzwanzigsten Wühlkiste. :D

  • Hi,


    danke euch :) Dachte ich hätte schon paar Wertvollere Marken dabei :)


    Gibts überhaupt aus der Zeit paar Wertvollere Marken?
    Habe noch drei gefunden, die allerdings aus Bayern stammen (mit Löwenwappen 3, 5 und 10 Pfennig, Wappen sieht aus wie geprägt). Wo kann ich sie einordnen um die Frage in der richtigen Kategorie zu stellen? Stempel gibt an Jahreszahl leider nix her :(


    LG
    Moni

  • Hallo,


    wie bereits geschrieben handelt es sich um massenhaft verfügbare Marken, nichts seltenes.


    Der Katalogwert der Marken liegt zwischen 20ct und etwa 1 Euro pro Marke. Leider gibt es auch hier ein großes ABER: Katalogpreise gelten ausschließlich für einwandfreie Marken, d.h. postfrische Marken mit unberührem Originalgummi, gestempelte Marken mit vollem, klar lesbarem Stempel.


    Wie du selbst sieht, trifft das nur auf die wenigsten Marken zu. Das war aber noch nicht alles. Auch wenn die Kataloghersteller ihre Preise gerne als "Markpreise" bezeichnen, sind diese tatsächlich bei 95% der Marken reine Phantasie. Das trifft besonders auf Massenware zu, bei der Auswahl würde ich keine 5 Euro erwarten.


    Ich denke nicht, daß sich eine Einstellung bei Ebay lohnt, schon gar nicht mit mehreren Bildern.


    Die postfrischen und sauber gestempelten Marken würde ich raussuchen und das Grundstock für eine Sammlung nehmen. Der Rest ist für die berühmte Tauschkiste - vielleicht kann ja wirklich irgend jemand etwas damit anfangen.


    db

  • Hm.. du hast meines Erachtens 2 Möglichkeiten:


    1. Du verbrennst sie und steigerst damit den Marktwert der Marken, was dir dann allerdings nichts mehr bringt... :D


    2. Du machst für eBay ein ominöses, unscharfes Bild und schreibst ein paar interessante Sätze dazu, wie z.B.: ".....sehr alte...."; "......."Schatzkiste"...., ...."ideal für jedermann...."


    Also einfach auf gut Glück verhauen, denn aufheben hat keinen Zweck, da die Dinger eben nie mehr wert seien werden. (Es sei denn es gäbe einen Massenaufruf: "Verbrennt eure Marken") :D


    mfg
    MM


  • Ja und nein. Die gängigen Werte sind alle ausreichend vorhanden. Im Endeffekt findet man von allen Bereichen genug Marken auch zu recht günstigen Preisen, wenn man nicht immer die Top Qualität als Masstab ansetzt.
    Nur wenige Marken sind wirklich teurer, und dann auch nur, weil einfach ein enormer "Bedarf" vorhanden ist.


    Vom 1 Kreuzer schwarz von 1848 gibt es sicher tausend und mehr Marken. Aber mindestens genauso viele Deutsche Sammler wollen die Nummer 1 der deutschen Briefmarken besitzen. Ähnlich die Blaue und Rote Mauritius, welche sich preislich natürlich auf einem anderen Niveau bewegt.


    Dann wird schon die Luft eng und geht mehr oder weniger ins Spezialistenbereiche über, sprich wo Sammler teilweise für bestimtme Marken, Stempel, Briefe, usw. viel Geld zahlen, weil diese einfach sehr selten sind und unter Umständen nie wieder in beschaffbarer Reichweite befindet.
    Andere Sachen sind teuer weil sie künstlich knapp gehalten wurden, eine Modesache sind oder was auch immer.


    Die von dir gezeigten (auch die genannten Bayern Marken) sind grundsätzlich Marken, die fast jeder ältere Sammler besitzt oder zumindestens mal besass.
    Bei mir füllen alleine die von dir gezeigten Markenserien ganze Seiten in meinen Steckalbum aus, und diese sind dort überlappt einsortiert ;).


    Auf der anderen Seite kann alleine so eine Serie wie die Germania Marken (die mit dem kriegerischen Weibsbild als Motiv) ganze Alben füllen. Letztens habe ich von einem Sammler gelesen, das er ~ 20.000 Marken dieser Serie in unterschiedlichster Erhaltungsform hat. Der kauft dann auch die Marken kiloweise aufgrund seiner jahrelangen Kontakte und Erfahrung.
    Für ihn sind dann einzelne Farbabweichungen, Zähnungsarten, Aufdrücke, Stempelarten, Belege, usw. vom höchsten Interesse wo er unter Umständen viel Geld zu bezahlen bereit ist (berühmt aus dem Zeitraum war jahrzehntelang das Vineta-Provisorium).
    Solche Leute sind Spezialisten und eher selten.


    Was ich damit nur darstellten wollte ist, ob eine Marke einen Wert hat oder nicht, wird bestimmt durch sehr viele Aspekte die hier auch nur angerissen werden können.



    Zu deiner kleinen Sammlung noch ein paar Worte der Erläuterung:


    1. Sie gehören dir. Keinem anderem. Du kannst diese verkaufen, verbrennen, verschenken, behalten oder was auch imemr damit machen. Es ist ein Besitz, wenn auch in dieser Form vorallem in ideeller Form.


    2. Diese Briefmarken haben, unabhängig vom ihrem Massencharakter immer eine Geschichte und vorallem in gestempelter Form, einen Hauch von Einmaligkeit.


    Um es an deiner Sammlung mal zu erläutern.


    -> Seite 6 zeigen Marken des Deutschen Reiches, wie sie ab 1889 verausgabt wurden. Wie man deutlich erkennt, ist oben die Kaiserkrone zu erkennen. Diese Marken erschienen kurz nach dem Drei-Kaiser-Jahr 1888 in dem Kaiser Wilhelm II. zur Herrscher Deutschlands wurde. Es ist der Kaiser, der Deutschland in den 1.Weltkrieg 1914 führte und 1918 abdankte.
    Diese Marken sind die ersten, die zu seiner Herrschaftszeit erschienen.


    Ein zweiter Hinweis noch am Rande. Es ist zu diesem Zeitpunkt gerade mal knapp 14 Jahre her, da waren Pfennige und Mark als Geldwährung deutschlandweit eingeführt. Sie lösten dabei die Groschen und Kreuzer als Währung ab!



    -> Die "letzte" Seite sind Werte, bis auf die eine unten rechts, welche als Germania-Marke genannt werden. Germania ist ein Pedant zum französischen Gegenstück.
    Im Gegensatz zu den vor 1900 eingeführten Marken des Deutschen Reiches, auf denen neben reinen Zahlangaben, auch der Kaiseradler abgebildet war, sollte die Germania als "neutrales" Bindemittel fungieren. Dieses hatte vorallem deswegen eine besondere Brisanz, da einige Länder in Deutschland (wie z.B. deine Bayern Marken zeigen), selbst nach 1871 eine eigene Posthoheit besassen und somit selbst Briefmarken verausgabten.
    Nach der aktuellen Sachlage, wollte man wohl mit der Germania als Motiv versuchen die anderen Länder zu animieren auf ihre Posthoheit zu verzichten. Dieses gelang nur bedingt.
    Kleine Anekdote: Das Frauenbildnis hat eine reele Person als Vorlage gehabt, nämlich Anna Führing, eine Schauspielerin.


    Nun ein paar weitere Besonderheiten deiner Germania Marken
    In der zweiten Reihe, die dritte Marke von links (leicht schräg) ist die älteste Germania Marke in deiner Sammlung. Zu erkennen an der Reichspost in der Inschrift. Alle andere haben nämlich Deutsches Reich.
    Die Marke mit der Reichspost wurden erstmals am 01.01.1900 verausgabt! Schon zwei Jahre später stand da Deutsches Reich. Das mit der Reichspost hat eine ähnliche Bewandnis wie mit dem Germania-Motiv.


    Desweiteren ist auch die Gelbe Germania unten links von Interesse, und zwar aus zwei Gründen: a.) Es ist ein sogenannter Kriegsdruck (gegensatz zum Friedensdruck) und zum anderen b) hat die Marken einen Wert von 7,5 Pfennigen! Richtig, ein halber Pfennig ist hier angegeben. Diese Briefmarke erschien am 01.08.1916, also mitten im 1.Weltkrieg. Der gut erkennbare Stempeldatum zeigt, das die Marke im Mai 1917 entwertet wurde, also rund 9 Monate später. Eingesetzt wurde die Briefmarke z.B. zur Frankierung von Postkarten im Ortsverkehr.
    Der halbe Pfennig kaum, wenn ich mich jetzt nicht irre durch eine Kriegssteuer zustande die im allgemeinen erhoben wurde und unter anderem zu solchen komischen Gebilden führt. Meines Wissens gab es nämlich damals keine halben Pfennig Münzen. ;)
    Kleine Anmerkung: Es gab auch noch einen 2,5 Pfennig Briefmarke.



    -> Seite 3 und 4 zeigen sogenannten Infla-Marken, sprich Marken die zur Inflationszeit (ab 1920) erschienen sind. Merkmal sind die immer höheren Wertangaben. Teilweise durch die Überdrücke auf älteren Marken (siehe Seite 4).
    Ich denke die Inflationszeit sollte bekannt sein. Interessant ist, das diese Marken in grossen Massen produziert und stellenweise als Geldersatz genutzt wurden. Aufgrund der, vorallem 1923, täglichen Entwertungen des Geldes, wurden neben der Reichsdruckerei, die traditionell die Briefmarken produzierte, auch zahlreiche private Druckerreien mit der Produktion beauftragt um einfach die permanente Nachfrage zu stillen. Deswegen gibt es auch soviele postfrische Marken noch aus dieser Zeit. Die Leute kauften mit dem Papiergeld alle möglichen Sachwerte, und wenn es halt nur Briefmarken sind bzw. waren. Nur so schnell wie man sie kaufte, konnte man diese gar nicht verbrauchen und die Portotarife änderten sich vorallem 1923 ständig. Daher sind gestempelte Marken aus diesem Jahr recht selten und gesucht.


    Diese Marken aus der Infla-Zeit erzählen dem Kenner heute noch von der Zerstörung grosser Geldmengen, Sparbuch-Konten, usw. mit all seinen Folgen. Wer darauf Wert legt, sollte sie gerade in unser heutigen Zeit als Warnung sehen, das nichts ewig währt!



    -> Die nächste interessante Serie ist auf Seite 5 abgebildeten. Sie zeigen Köpfe berühmter Deutschen. Erschienen sind die beiden Markenserien in den Jahren 1926 und 1927/28.
    Im einzelnen:
    ---> grün zu 5 Reichspfennig -> Friedrich von Schiller (sollte als Dichter doch bekannt sein ;) )
    ---> rot 10 Reichspfennig -> Friedrich der Große (na klar, der König von Preussen und ständige Kriegstreiber)
    ---> orange 15 Reichspfennig -> Imannuel Kant (jedem Hobby Philosophen ein Begriff)


    Die anderen beiden Köpfe sollten ebenfalls aus dem Geschichtsbuch bekannt sein. Es handelt sich nämlich um unsere einzigen Reichspräsidenten (Hiter war ja immer nur der Führer ;) )
    -> In grün und violett, der gute Friedrich Ebert. 1.Reichspräsident, der die schwere Aufgabe hatte das kaiserliche Deutschland nach dem verlorenen 1.WK in eine Demokratie zu führen und zugleich die grossen Inflation und manch anderem an den Backen zu haben.
    -> In grün und rot der Herr Hindenburg, der später ja nochmal auf einer Markenserie verewigt wurde. 2.Reichspräsident. Held an der Ostfront des 1.WK (Tannenberg!) und der grosse Mann des deutschen Militärs, der wohl nie ganz die Niederlage des Deutschen Reiches überwunden hat. Kapitulierte praktisch aufgrund seiner Senilität und Ohnmacht vor Hitler.



    -> Auf Seite 2 hast du dann nochmal den guten Hindenburg auf Briefmarken, diesesmal als Seitenansicht. Die Nazis missbrauchten den Reichspräsidenten für ihre Zwecke und als neutrales Aushängeschild zum Volk. Logisch das er entsprechend stark (der gute Ebert fiel unter dem Tisch, war ja Tod und Sozialdemokrat) propagiert wurde. Ausserdem war die Zeit 1933, da erschienen die ersten dieser Marken, noch nicht reif das ganze Land in allen Aspekten mit Naziobjekten zu überziehen.


    Schon ein Jahr später, September 1934, eschien von den gleichen Marken eine Version mit einem Trauerrand (hast du keine Marken von abgebildet). Sprich der weisse gezackte Rand war schwarz. Dies erfolgte zum Tode Hindenburgs und ist meines Wissens in der deutschen Briefmarkengeschichte einzigartig.


    Trotzdem blieb die Markenserie, die praktisch ja gerade erst eingeführt wurde noch jahrelang im Einsatz.


    -> Nämlich bis 1941, als das Konterfei des Führers auf die Marken kam. Schon vorher in einzelnen Werten geschehen, so erwischte es ab 01.08.41 die gesamte Freimarkenserie (siehe bei dir die Bsp. auf der Seite 1).
    Naja zum GröFaz sollte eigentzlich alles bekannt sein, immerhin wird er ja gerne von den Medien immer wieder aufgegriffen.


    Von dieser Serie fasziniert mich immer wieder die grosse grüne Marke mit dem Wert 42. Sie erschien als einziger Wert nach der Änderung der Inschrift von Deutschen Reich aus Grossdeutsches Reiches! Die Marke erschien 1944, keine Ahnung im Moment, für welches Porto 42 Pfennige benötigt wurde.
    Die Änderung von Deutsches Reich auf Grossdeutsches Reich bei den Neuerscheinungen (bis halt auf die Grüne, nur noch bei Sondermarken) erfolgte Januar 1944.
    Naja, gross war Deutschland zu diesem Zeitpunkt wohl nicht mehr. ;)



    Hoffe dir damit einen interessanten Einblick zu deinen Marken vermittelt zu haben.


    Coki

  • @ Coki


    Großartig, ein netter Abriss aus der deutschen Geschichte und auch interessant für mich als Nichtdeutscher bzw. als Nichtdeutschlandsammler. :ok:

  • Toller Artikel, Coki
    Den sollten mal alle diejenigen lesen, die das Briefmarkensammeln
    immer müde belächeln.
    das macht das Sammeln ja erst aus, sich mit den Marken
    beschäftigen, und nicht nur in`s Album und das war es dann
    Da spielt der Preis dann auch keine Rolle mehr.
    Wie oben schon erklärt hat , vor allem eine gestempelte,
    jede Marke auch wenn sie nur 10 cent kostet ihre eigene
    Geschichte.
    Gerade die Inflamarken bieten da ein reiches Betätigungsfeld
    Und ehe ich eine Marke wegschmeisse muß schon viel
    passieren.


    kauli

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