Eine Eiche geht auf Briefen um die Welt

  • Vorlage gefunden: Das Motiv auf der Sonderbriefmarke stammt aus Beberbeck


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    Hofgeismar. Immer wieder blickt Benjamin Westdickenberg von der Briefmarke auf den Baum und wieder zurück. "Nein, der kann es nicht sein, der hat einen Ast zu viel." Die nächste Eiche ist zu hoch, die übernächste hat einen zu dünnen Stamm. Der Spaziergänger aus Vellmar ist auf der Suche nach der Reinhardswald-Eiche, die auf der Winterbriefmarke der Sonderserie "Vier Jahreszeiten" der Deutschen Post zu sehen ist (wir berichteten). Irgendwo auf dem Gelände der Staatsdomäne Beberbeck soll der mehrere Jahrhunderte alte Baum stehen.


    Auch der Designer der Briefmarke weiß nicht, wo sich die Eiche genau befindet: "Ich war noch nie im Reinhardswald", erklärt Professor Johannes Graf von der Dortmunder Fachhochschule. Der Grafik-Designer hat das Foto von einem ehemaligen Studenten, dem Fotografen Heinz Wohner, bekommen. "Ich hatte mehrere Bilder zur Auswahl, aber das war einfach das stärkste Motiv." Die ruhende Natur, die Kraft trotz der kargen Umgebung - das habe ihn sofort überzeugt.


    "Die größte Herausforderung beim Entwurf einer Briefmarke ist die Größe", berichtet der Professor, der insgesamt schon neun Postwertzeichen entworfen hat. Das Motiv müsse auf dem 46-mal 27 Millimeter großen Stück Papier wirken und möglichst viele Menschen ansprechen. All das sei bei der Reinhardswald-Eiche gegeben. "Sie hat etwas Mystisches", meint Graf. An dem Foto habe er kaum etwas verändern müssen. Lediglich den Himmel habe er etwas retuschiert.


    Das Mystische ist es auch, das den Dortmunder Landschafts- und Reisefotografen Heinz Wohner in den Bann gezogen hat. Seit zehn Jahren kommt er regelmäßig in den nordhessischen Urwald, um Bäume abzulichten.


    An den Tag, als er die Beberbecker Eiche im Bild festhielt, erinnert sich Wohner noch ganz genau: "Es hat nicht nur geschneit, sondern auch ein eisiger Wind geweht." Die Beberbecker Eiche sei inzwischen einer seiner Lieblingsbäume geworden. Und das heißt etwas: Der Fotograf hat schon komplette Kalender und Bildbände mit Fotografien von alten Bäumen herausgegeben. Kein Wunder, dass sich Wohner auch noch an den genauen Standort der alten Eiche erinnert: "Sie befindet sich auf einem Feld hinter dem letzten Bauernhof von Beberbeck." Tatsächlich: Benjamin Westdickenberg blickt von der Briefmarke auf die Eiche und wieder zurück. Der knorpelige Stamm, der abgebrochene Ast, die Bäume im Hintergrund - alles stimmt. Der Spaziergänger hat den Baum gefunden, der inzwischen auf Briefumschlägen um die ganze Welt reist.



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