Markige Propaganda im kleinen Format

  • [Blockierte Grafik: http://www.taz.de/taz/gifs/zumachta.jpg]


    Die Ausstellung "Briefmarkenentwürfe im Nationalsozialismus" thematisiert einen bisher wenig beleuchteten Aspekt des NS-Faschismus


    Mit der beachtenswerten Ausstellung "Propaganda im kleinen Format: Briefmarkenentwürfe im Nationalsozialismus" thematisiert das Museum für Kommunikation einen bisher wenig beleuchteten Aspekt des NS-Faschismus. Bis zum 5. März zeigt das Museum eine Auswahl aus der umfangreichen Sammlung des in Bonn ansässigen "Archivs für Philatelie".


    Insgesamt 70 originale Exponate vermitteln einen repräsentativen Ausschnitt der zwischen 1933 und 1945 erschienenen etwa 430 Briefmarken, deren Motive bzw. Ausgabeanlässe sich explizit auf nationalsozialistische Ideologie bezogen. Sie sind chronologisch angeordnet, so dass bei der Betrachtung durchaus Konstanten wie die immer wiederkehrende Abbildung Hitlers, aber auch Änderungen im Gestaltungskonzept erkennbar werden.


    Gezeigt wird neben den veröffentlichten Motiven eine ganze Reihe von letztlich nicht realisierten Entwürfen. "Die Frage, warum sie abgelehnt wurden, führt zur Erkenntnis über Grundprinzipien von NS-Propaganda", erklärt der für die Ausstellungskonzeption verantwortliche Leiter des Bonner Philatelie-Archivs, Dr. Andreas Hahn. "Das Motiv zum Beispiel eines kampfbereiten deutschen Panzers vor zerstörten Häusern wurde 1943 abgelehnt, da es auch an die Zerstörung deutscher Städte erinnerte." Schriftliche Zeugnisse über die Entscheidungsprozesse innerhalb des Reichspostministeriums, die, manchmal auch unter Beteiligung des Propagandaministeriums, zur Auswahl der veröffentlichten Briefmarkenmotive führten, sind allerdings nicht bekannt.


    Unter Oberbegriffen wie "Das Menschenbild des Nationalsozialismus", "Führerkult" oder "Der Krieg" beleuchtet die Schau bevorzugte Motive der NS-Bildsprache. Hahn: "Gerade durch ihre massenhafte Verbreitung und ihre alltägliche Präsenz waren Briefmarken besonders geeignet, der Bevölkerung nationalsozialistische Wertvorstellungen subtil zu vermitteln."


    Neben diesen ideologischen Zielsetzungen verfolgten die verantwortlichen Funktionäre der NSDAP zugleich aber auch handfeste ökonomische Ziele. Auf manche Briefmarken wurde neben dem eigentlichen Frankierwert ein Zuschlag für den "Kulturfonds des Führers" erhoben. Dieser Fonds wurde durch den engen Vertrauten Hitlers und Leiter der Partei-Kanzlei Martin Bormann verwaltet und sollte vor allem das geplante "Führermuseum" in Linz finanzieren. Bis Kriegsende sind auf diese Weise 55 Millionen Reichsmark zusammengekommen.


    Erstaunlicherweise haben die Initiatoren mit der Ausstellung Neuland betreten, denn es existiert gegenwärtig keine wissenschaftlich geschlossene Darstellung zur Philatelie während des Nationalsozialismus. Insoweit steht auch die Erforschung der Selbstgleichschaltung der organisierten Philatelisten unter dem NS-Regime in Deutschland noch am Anfang. Schon im Jahre 1933 wurden verdiente Funktionäre ausgeschlossen, die nunmehr als Juden nicht mehr Teil der "arisierten" deutschen Philatelie sein durften.



    Quelle / Artikel: