Große Propaganda mit kleinen Marken

  • HAMBURG -


    Briefmarken sind nicht nur Sammlerstücke, sie haben auch den Rang zeitgeschichtlicher Dokumente. Die Anlässe, ihre Ausgabe, ihre Themen, Motive und die künstlerische Gestaltung sagen viel über die jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse aus.


    Alle 430 Briefmarken, die zwischen 1933 und 1945 erschienen sind, zeigt das Museum für Kommunikation jetzt in der Ausstellung "Propaganda im kleinen Format: Briefmarkenentwürfe des Nationalsozialismus". Aus dem Bestand des Archivs für Philatelie in Bonn werden nicht nur die originalen Marken gezeigt, sondern außerdem 70 Originalentwürfe, die teils realisiert, teils abgelehnt wurden.


    Neben der chronologischen Präsentation gibt es thematische Schwerpunkte zu den Stichworten "Symbole", "Der Stolz des Regimes", "Meilensteine" und "Der Krieg". Durch ihre massenhafte Verbreitung erlangten die kleinen Marken für die Nazi-Propaganda große Bedeutung. Deshalb überließen das Reichspost- und das Propagandaministerium nichts dem Zufall.


    Besonders interessant sind die abgelehnten Entwürfe: So durfte zum Beispiel eine Marke, die einen deutschen Panzer vor Ruinen zeigt, nicht gedruckt werden, weil die Trümmer möglicherweise Erinnerungen an zerstörte deutsche Großstädte geweckt hätten.


    Besonderes verbreitet war die Darstellung des nationalsozialistischen (Über)Menschenideals: So sieht man immer wieder Soldaten oder kämpferische Männer mit finsterem Blick, muskelbepackte Sportler und blonde, ernst dreinblickende Mütter. Zunächst wurden die Marken stets mit der Staatsbezeichnung "Deutsches Reich" versehen, ausgerechnet nach dem Fall von Stalingrad bevorzugte man aber die Bezeichnung "Großdeutsches Reich". Besonders zynisch wirkt eine Marke, die am 24. Oktober 1943 "zum 800jährigen Bestehen der Hansestadt Lübeck" ausgegeben wurde. Sie zeigt die berühmten Türme der Stadt, die in Wahrheit bereits im März 1942 in Trümmer gesunken waren.



    Museum für Kommunikation , Gorch-Fock-Wall 1, bis 5. März, di-so 10-17 Uhr geöffnet.



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