Zählt nur die Postgeschichte?

  • Hallo,


    meine Frage richtet sich wohl hauptsächlich an die Heimatsammler. Sind für Euch nur die postalischen Elemente der Belege interessant? Ich habe ja z. B. viele Rostocker Ansichtskarten. Gerade fällt mir eine in die Hand, die am 2.6.1916 abgestempelt ist. Die Anrede "Geliebter Mann..."
    Interessiert sich auch jemand für das, was die Leute damals geschrieben haben? Ich finde es schade, dass ich meistens die Schrift nicht entziffern kann.

  • selbstverständlich sind solche, am besten Ansichtspostkarten vom Heimatort, wo interessantes draufgeschrieben ist, oben eine Briefmarke mit dem richtigen Stempel dazu, interessant und ebenso wichtig!


    z. B. schreiben Besucher auch über die Stadt und Menschen allgemein.


    So habe ich eine Postansichtskarte vom 22.12.72, da steht u. a. drauf: "Sehr geehrte Frau Meyer! Hans Rosenthal machte uns gestern in seinem Fernsehspiel "Dalli, dalli" mit Ihnen bekannt. Ihr von ihm genannter bescheidener Wunsch (Ansichtskarte) wird gerne von mir erfüllt..."


    Bei einer anderen vom 28.10.65 steht u.a. drauf: "... eine der schönsten Städte, die wir kennen. Die Menschen hier sind so gastlich und wir fühlen uns so wohl ..."


    Davon hab' ich noch ein paar. Wenn ich die hier im Rahmen meiner Heimatsammlung bei der diesjährigen Schau ausstelle, ist davon auszugehen, dass neben dem Herrn Oberbürgermeister noch viele andere dann stehen bleiben und die Texte lesen.


    MfG

    ~ " Die Menschen glauben das, was sie wünschen " (Gaius Julius Cäsar) ~

  • Für mich sind die postalischen Dinge in meiner Heimatsammlung eher nebesächlich. Mich interessieren vor allem Belege die etwas über die Stadt bw. den Landkreis aussagen. Seis nun auf Ansichtskarten Ansichten von längst verschwundenen Gebäuden, aber auch Dokumente die von längst erloschenen Firmen verschickt wurden. Wenn dann natürlich die postalischen Dinge auch noch etwas Besonderes darstellen dann ist das natürlich um so besser.
    Ich hab mal einen Beleg als Beispiel hinzu gefügt der für den Heimatsammler und den Philatelisten interessant ist.Da kommt alles zusamen. Einschreibebrief 1947 mit Stempel Gebühr bezahlt nach Berlin. Zugegeben so was findet man nur sehr schwer aber wie heißts immer so schön. Wer sucht der findet.

  • Schöne Erinnerung an eine für mich bessere Zeit.
    Schade nur daß die Karten gelocht sind
    Sammlergruß Bernd

  • So wurde das halt gehändelt mit der Firmenpost. Eingangsstempel, lochen und ablegen. Kenne ich noch aus meiner aktiven Bürozeit.


    Für Dich bessere Zeit? Wie meinst Du das?

  • Zählt nur die Postgeschichte? Eindeutig NEIN. Sie ist nur ein Teil des Sammelns.


    Allerdings muss gesagt werden, dem Markensammler entgeht vieles, vor allem ist es für mich eine Freude wenn ich Belege samt Inhalt erwerben kann. Oft es der Inhalt aufschlussreich. Und Postkarten genauso. Obwohl aus Platzmangel nicht so viel geschrieben werden kann.


    Vor Jahren erwarb ich einen Beleg, drauf war eine Satzfrankatur der Bautenserie, mit DM 2,63 nach England doch überfrankiert. Aber drauf war auch die gute 15Pfg.


    Am Anfang habe ich erst garnicht bemerkt der Brief sei drinne, na ja dem Händler das Verlangte bezahlt und ich ging fort.


    Der Brief, auf zwei Seiten geschrieben, befasst sich mit dem Leben in Köln 1950. Dass der Wiederaufbau seine Zeit in Anspruch genommen hat, war mir wohl klar, aber zu lesen, es gibt noch Menschen, die in Löchern wohnen, mit Blechstahl als Dach obendrauf errichtet, ferner werden Vergleiche zwischen dem Leben in England und Deutschland gezogen. Der Autor des Briefes war ein Heimkehrer, der an einem noch in der Kriegsgefangenschaft befindlichen Kameraden schreibt.


    Noch in meinem Besitz sind zwei Briefe an Esterhazy aus dem Jahre 1900, zwar in Ungarisch, ich liesse sie 2000 übersetzen. In dem einen bittet ein Prinz aus Königsberg um eine Geldleihe von 700 Forint und sein Vorhaben das Gleiche zurück zu zahlen, in dem anderen Schreiben vom selben Prinzen schreibt er " neulich sind zwei Fernverwandten gestorben, und beauftragt Esterhazy um zu sehen ob er aus dem Nachlass was zu erben hat". Verarmtes Adel.


    Wenn Interesse besteht, dann stelle ich die Bilder ein.


    mfG


    Nigel

  • Mich interessiert es schon. Ich würde mich freuen.


    Auf einer meiner Karten von 1955 schreibt eine Frau, dass Rostock sehr schön ist und dort viel mehr gebaut wird als in Leipzig.

  • Hallo Anne


    Schau mal auf die Homepage der Motivgruppe Deutsche Geschichte.
    Auf der rechten Seite kann man Thematische Heimatsammlung anklicken.




    Viele Grüße
    Rolf

  • Kein ausgesprochen wertvolles Stück (es hat mich, wenn ich mich recht entsinne, 1 Euro gekostet), auch nicht mit einem besonderen "Briefgesicht" gesegnet, aber zeithistorisch interessant: Der Adressat war nach dem Krieg berühmt - er war, wie sagt man?, Wunderheiler. Die Presse hatte ihn bekannt gemacht, und viele Verzweifelte und Versehrte (von denen es nach dem Krieg mehr als genug gab, in körperlicher wie seelischer Hinsicht) setzten große Hoffnungen auf ihn. Bei den Behörden in Nordrhein-Westfalen war er nicht ganz so gut gelitten, also verlegte er seinen Wirkungskreis nach Bayern. Hier gehen bekanntlich die Uhren anders, und angeblich hielten bedeutende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ihre Hand über ihn - zumindest für einige Zeit. Auch jetzt kam es zu regelrechten Massenaufläufen, die eingehende Post wurde wohl eher nach Säcken, denn nach einzelnen Stücken bemessen. Einige Zeit darauf bekam er wieder Schwierigkeiten mit den Behörden und wurde vor Gericht gestellt. Sich selbst konnte er übrigens nicht helfen - er starb 1959 in Paris an Krebs.


    Ich habe mich übrigens absichtlich sehr neutral über die Person ausgedrückt, um die es hier geht. Es gibt immer noch glühende Anhänger, es gibt aber auch Sektenforscher, die zu dem Thema etwas zu sagen haben. Wie gesagt: Ein zeithistorisches Stück, ideal für einen Heimatsammler wie mich - und nicht mehr.
    Wer mehr wissen will, kann sich einiges ergoogeln - ein Urteil sollte sich jeder selbst bilden.


    Viele Grüße vom Erdinger, der sich über geschichtliche Threads wie diesen sehr freut.

  • Das ist wirklich interessant, Erdinger. Oh, wenn ich doch nur mehr Zeit hätte. Aber irgendwann komme ich auch noch dazu, meine Stücke mal einer genaueren Prüfung zu unterziehen. Mal schaun, ob ich dann auch noch auf interessante Geschichten stoße.

  • Hallo Bios,


    natürlich ist der Inhalt wichtig. Vor allem wenn man auch mal Glück hat und einen Beleg bekommt der von einem mehr als nur bekannten Autographen stammt. Im Anhang habe ich diesbezüglich mein schönsten Beleg, ein Brief vom 20.04.1844 aus Leipzig nach Zürich an den dortigen Musikdirektor Abt, gescannt. Der Absender ist Albert Lortzing (Komponist von Zar und Zimmermann). Er war von 1845 bis 1847 sogar Kapellmeister am Leipziger Stadttheater. Bereits 1833 war Lortzing in Leipzig musikalisch aktiv.


    Gruss Totalo-Flauti


    PS. Den Brief hab ich in ebay für 5,00 EUR erworben. Der Verkäufer wuste wohl auch gar nicht, was er da verkaufte. Ich glaube nicht, dass er da mal rein geschaut hatte.
    PPS. Über den Inhalt selbst,bin ich mir leider noch nicht so im klaren. Ich kann immer nur wieder einzelen Wörter entziffern und bekomme keinen Sinn rein.

  • Ich danke Ihnen vielmals, lieber Herr Abt, für Ihre
    freundlichen Zeilen. In Bezug auf Ihren Wunsch,
    ein Engagement in der Nähe Ihrer werthen An=
    gehörigen zu erhalten, kann ich Ihnen leider
    nichts Erfreuliches erwiedern. Die Musikdirekto=
    ren und Chordirigenten balgen sich hier förm=
    lich und von dem Gesichtspunkte aus betrachtet,
    daß man bei jeder Bühne wohl viele Schau=
    spieler, leider aber nur einige oder höchstens
    zwei Musikdirektoren haben kann, rathe ich
    Ihnen, im Falle Ihre dortige Stellung nur
    einigermaßen angenehm und einträglich,
    sie ja nicht ohne Noth aufzugeben. Unser
    zeitiger Musikdirektor Bach hat - wie man
    sagt - nur durch Mendelsohns Verwendung
    ein Engagement in Dresden erhalten, sonst
    säße er - wenn das hiesige Unternehmen
    zu Ende ist - wahrscheinlich blank.
    Empfehlen Sie mich gef(älligst) Ihrem Herrn
    Direktor. - Ich arbeite an einer großen
    romantischen Oper. -
    Indem ich Ihnen noch danke, daß Sie mir
    bei der Gelegenheit die Ehre der Bekanntschaft
    Ihrer liebenswürdigen Schwiegermutter
    verschafften, grüße ich Sie mit freundschaft=
    licher Hochachtung
    als Ihr stets bereitwillig
    ergebener
    Albert Lortzing


    Leipzig
    13/3 (18)44


    Tolles Stück, danke fürs Zeigen sagt der
    Erdinger!

  • Irgendwie spielt mir die Codierung bei der Datumsangabe einen Streich, wo eigentlich 8 und eine Klammer stehen sollte ...
    Bei der im Brief angesprochenen Oper könnte es sich übrigens um die "Undine" handeln!

  • Und schon bekommt der Brief dank Erdinger ein eigenes Leben und läßt uns ein wenig in die musischen Verhältnisse in der Messestadt jener Zeit blicken. Vielen Dank Erdinger.


    Gruss Totalo-Flauti


    PS zur Undine (Lortzing)

  • im Brief von To.- Fl. ist die Rede von einem Musikdirektorr "Bach" der dank "Mendelson" ein Engegement in Dresden erhielt, meint ihr das es der "Bach" und der "Mendelson" sind.


    MfG
    soaha


    PS: im übrigen ich liebe klassische Musik.