Mölln hat den größten Philatelisten-Verein - nach Kiel und Lübeck

  • Sie lieben die schwarze Eins, haben die Lupe als Handwerkszeug und stehen auf Originalgummi: Möllns Briefmarkenfreunde pflegen ein mittlerweile exklusives Hobby.


    Mölln - Seit es Golfschläger auch bei Lidl gibt, wird es schwierig, exclusive Hobbys zu finden. Doch es gibt sie. Nicht im Modischen liegt Exklusivität. Wahre Werte müssen authentisch sein.


    Wer kennt schon die schwarze Eins? Niemand? Wenige verstehen etwas davon. Ihre Leidenschaft wird oft belächelt. Die blaue Mauritius? Sie ist Popstar für diejenigen, die beim Sammeln von Briefmarken mitreden wollen. Wahre Kenner lieben die schwarze Eins.


    Die erste Briefmarke in Deutschland war schwarz, trug eine Eins, und kam aus Bayern. Das Postwertzeichen von 1849 wird in Sammlerkreisen mit bis zu 4000 Euro gehandelt. Nicht die teuren Marken haben den Niedergang des in den sechziger Jahren populären Briefmarkensammelns eingeläutet. Es waren die billigen. Hans-Jürgen Rhode (49), Vorsitzender der Möllner Briefmarkenfreunde, muss es wissen: "Die meisten Leute haben mit Einführung des Euro aufgehört, zu sammeln." Seit den Eurobriefmarken gibt es eine Ausgabenflut der Post. Sammler können nicht mehr mithalten. Rhode: "Ein wahrer Sammler möchte komplette Bestände. Das wird immer teurer." Das ehemals verbreitete Hobby ist heute ein exclusiver Zirkel.


    Die Möllner Briefmarkenfreunde sind der größte Briefmarkenverein in Schleswig-Holstein - nach Kiel und Lübeck. Einmal im Monat ist Versammlung im Möllner "Quellenhof". Beliebte Tauschobjekte sind nicht nur Marken, sondern auch Briefe, beispielsweise aus den ehemaligen portugiesischen Kolonien. Diese tragen oftmals nur einen Stempel der Poststelle, weil Marken noch nicht eingeführt waren. Hans-Jürgen Rhode zeigt begeistert einen mit Feder geschriebenen Brief vom 27. November 1773. Erst am 21. Dezember erreichte er seinen Empfänger in London. Der Geschäftsbrief über Zitrusfrüchte aus Asien wurde in Lissabon abgeschickt und mit Segelschiffen transportiert. Geschäfte wurden anders abgewickelt als im elektronischen Zeitalter.


    Bei den Tauschgeschäften der Möllner Briefmarkenfreunde bekommen Mitglieder für einen Jahresbeitrag von 28 Euro einen tiefen Einblick in 150 Jahre Postwertzeichen im deutschsprachigen Raum. Die Fachzeitschrift "Philatelie" informiert die Mitglieder. Alle gängigen, deutschsprachigen Kataloge können im Möllner Verein ausgeliehen werden. Die Kataloge sind zu wertvoll, um sie Nichtmitglieder auszuhändigen. Im Rundsendedienst werden Kartons mit seltenen Marken und Briefen zum Tausch gefüllt. Die wertvollen Schätze gehen auf Vertrauensbasis von Hand zu Hand. Briefmarkensammler sind eine verschworene, exklusive Gemeinschaft. Die Möllner präsentieren sich alle zwei Jahre auf der Ratzeburger Wirtschaftsschau. Die nächste ist 2006. Geplant ist eine Ausstellung im Seniorenwohnsitz Ratzeburg. Auf so genannten Großtauschtagen wechseln die feinen Kuriositäten ihren Besitzer. Sehr begehrt ist der berühmte Posthornsatz der Bundesrepublik Deutschland, postfrisch mit Originalgummi. Wer ihn ergattert, hütet einen Schatz von annähernd 2500 Euro. Manche Leute erben große Briefmarkenbestände. Die Möllner Briefmarkenfreunde helfen Laien bei der Bewertung. Verschiedenste Feinheiten werden herauskristallisiert, wie Druck- und Farbunterschiede, Änderung der Druckstöcke, Zähnungen.


    "Alte Sachen sind in der Regel teuer", sagt Hans-Jürgen Rhode. Sammler sollten sich auf bestimmte Gebiete konzentrieren, die sie komplettieren wollen, beispielsweise Berlinmarken oder DDR-Marken. Jeder ist Hüter der eigenen Exklusivität. Besonders exklusiv handhaben die so genannten Jahreszeitensammler ihr Hobby. Sie sammeln nur bei schlechtem Wetter. Da kann Golf nicht mithalten.



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