Germeringer versenden Postamt

  • Germering - Zum 100-jährigen Bestehen des Postamts in Germering (Kreis Fürstenfeldbruck) wollten die Briefmarkenfreunde eine Sondermarke drucken lassen. Die deutsche Post stellte sich quer - also haben die Germeringer via Internet in Österreich den Druck einer Marke in Auftrag gegeben. Denn dort kann man Postwertzeichen im Netz bestellen.




    Seit Tagen hat Manfred Lünz auf Post aus Österreich gewartet, auf einen leeren, weißen Umschlag. Er hat es abgesehen auf die 55-Cent-Marke, die auf dem Kuvert klebt. Denn die österreichische Post hat eine Briefmarke herausgegeben, mit dem Germeringer Postamt als Motiv.


    Und das kam so: Das Postamt in Germering wurde am 1. Februar 100 Jahre alt. Also dachten sich die Briefmarkenfreunde, deren Vorsitzender Lünz ist, es wäre schön, wenn die Deutsche Post eine Sondermarke zum Jubiläum auflegt. Doch die spielte nicht mit. "Ich hab angerufen, aber keiner hat sich zuständig gefühlt. So kam es mir jedenfalls vor", sagt Lünz.


    Nun ist es so, dass in Deutschland nicht die Post, sondern das Bundesfinanzministerium Briefmarken herausbringt - während Österreich seit Herbst 2003 auch Marken auf Bestellung druckt. Einfach die Adresse im Internet anklicken, ein Bild hochladen, Gelb oder Blau als Farbe des Markenrands wählen und die Bestellung abschicken. So haben es auch die Germeringer gemacht. 500 Marken zu 55 Cent ließen sie von der österreichischen Staatsdruckerei anfertigen. "Nach vier Wochen bekamen wir die Marken zugeschickt", sagt Lünz. Daher prangt unter dem Bild des Germeringer Postamts jetzt der Schriftzug Österreich.


    Laut Michael Homola, Pressesprecher der österreichischen Post, haben bisher rund 8000 Briefmarkenfreunde aus aller Welt via Internet Postwertzeichen bestellt, in einer Auflage von fünf Millionen Stück. "Auch aus Abu Dabi war jemand dabei." Ob Bild vom Opa oder Urlaubsfoto, in der Wahl der Motive ist der Postkunde frei. Dennoch schafft es nicht jedes Motiv auf eine österreichische Marke. "NS-Symbole und pornographische Motive, die durchaus bestellt werden, drucken wir nicht."


    "Wir machen das aus Image-Gründen." Österreichs Post-Sprecher Homola Die österreichische Post ist gerade dabei, sich zu privatisieren. Lukrativ ist das Geschäft mit den Marken aus dem Internet nicht. "Wir machen das eher aus Imagegründen", sagt Homola. Dabei zahlen Postkunden, die eine 55-Cent-Marke bestellen, nicht 55 Cent dafür, sondern 1,99 Euro. "Der Preis ist höher, weil wir die österreichische Staatsdruckerei bezahlen müssen. Die macht das auch nicht für umsonst", sagt Homola.


    Warum aber druckt die Deutsche Post nicht Marken auf Bestellung? "Das ist gegen unsere Grundsätze", sagt Ulrike Böhm, Leiterin des Referats Postwertzeichen im Bundesfinanzministerium. "Eine Briefmarke ist die Visitenkarte, die Kulturbotschafterin eines Landes." Wenn jeder eine Marke drucken lassen könnte, werde das den "hohen Ansprüchen" der Deutschen Post an die Briefmarke nicht gerecht.


    Mittlerweile hat Lünz die ersehnte Post aus Österreich bekommen. Mit einem "sauberen Stempel". Datum: 1. Februar, dem Tag des 100-jährigen Bestehens des Germeringer Postamts. Aufgeben hat den leeren, weißen Umschlag Rainer Chilian, Schriftführer der Germeringer Briefmarkenfreunde. "Er war in Bad Füssing in einer Ferienwohnung und ist nach Österreich gefahren", sagt Lünz. Denn so schön die Marke ist, einen Fehler hat sie: sie ist nur in Österreich gültig.




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