Post lässt Sammler abblitzen

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    Österreich macht’s möglich: Das Germeringer Postamt wurde zum 100. Geburtstag mit einer eigenen Sonderbriefmarke aus der Alpenrepublik geehrt


    Österreich macht uns vor, was Kundenfreundlichkeit ist


    Was in Deutschland undenkbar wäre – im Nachbarland Österreich ist es längst gang und gäbe: Wer die Internetadresse anklickt, kann sich bei der österreichischen Post seine ganz private Briefmarke gestalten. Die Sache ist allerdings nicht ganz billig: 1,99 Euro kostet jedes einzelne Exemplar, das nur 55 Cent wert ist. Doch der Markt boomt: „Über 8000 Briefmarkensammler haben bei uns schon Privatmarken bestellt“, schildert Michael Homola, Pressesprecher der österreichischen Post.


    Bei uns gibt es diesen Service nicht. Aus aller Herren Länder stammen die Anfragen an die österreichische Post. Selbst die Germeringer „Briefmarkenfreunde“ haben sich zum 100-jährigen Bestehen ihres Postamts 500 Sondermarken aus der Alpenrepublik zuschicken lassen. Auch aus Frust: „Die gute Deutsche Post macht so etwas ja nicht“, wie der Schriftführer des Germeringer Vereins, Rainer Chilian, bemängelt. Er hatte angefragt, ob Deutschland eine Sondermarke anlässlich des Germeringer Jubiläums herausbringen könnte. Allerdings habe sich beim „Gelben Riesen“ keiner für diese Anfrage zuständig gefühlt.


    Das hat einen ganz einfachen Grund: Anders als in Österreich unterstehen Auswahl und Druck von Sondermarken dem Bundesfinanzministerium und damit dem ureigenen Hoheitsgebiet des Staates. Und der legt ganz andere Maßstäbe an die Motive an. „Personalisierte Briefmarken passen nicht zu dem Bildungsauftrag, zu dem sich die Bundesrepublik verpflichtet hat“, informiert die Leiterin des Referats Postwertzeichen im Bundesfinanzministerium, Ulrike Bohm.


    Der Staat versteht das Postwesen als eine Sache der Exklusivität: Nicht mit persönlichen Motiven versehene Allerweltsmarken sollen in den Grenzen der Bundesrepublik kursieren, sondern „grafisch hochwertige Erzeugnisse mit Abbildungen, die einen hohen Erinnerungswert haben“, wie Bohm schildert. Also der Deutsche Reichstag und nicht eine Postkutschenstation, die 100 Jahre später einmal zu einer ansehnlichen Behörde avancieren wird. Ein ehrwürdiger deutscher Bundeskanzler und nicht Hinz und Kunz beim Skifahren.


    Aus diesem Grund gibt das Ministerium Bohm zufolge höchstens 50 Sondermarken pro Jahr heraus. Ein Team von Experten wird hierfür engagiert, Professoren und Grafiker tüfteln oft monatelang, bis eine Marke steht und fälschungssicher ist. Anders in Österreich: Hier genügt ein Mausklick auf die Internetadresse, das Herunter-Scrollen von Motiven, die Auswahl der Umrandung – gelb oder blau –, die Angabe von einigen wenigen Formalitäten, ein letzter Klick, und ab geht die Post. „Schon ein paar Tage nach der Bestellung hatten wir unsere Marken“, freut sich Chilian.


    Auch Österreich versteht das Briefmarkenwesen als eine Sache der Exklusivität. „Wir machen das aus Image-Gründen“, betont Homola. Denn lukrativ ist das Geschäft mit den Internet-Marken nicht. Und nicht jedes Motiv wird angenommen. Pornographische Inhalte oder NS-Symbole werden bestimmt nicht gedruckt, versichert Homola. Zudem lassen sich die Sondermarken auch nur von der Alpenrepublik aus verschicken. Für Chilian spielt das keine Rolle: „Wir haben jetzt wunderschöne Marken, die sind wirklich eine Visitenkarte für unser Postamt.“



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