Aus aller Herren Länder

  • Marken, Münzen, Banknoten und Postkarten bei der 27. Sammlerbörse


    WITTSTOCK Was treibt jemanden an einem Sonntag in aller Frühe nach Wittstock? Noch dazu, wenn es ein trüber Februarmorgen ist? Die Antwort: In Wittstock war wieder einmal Sammlerbörse und Großtausch. Die Münz- und Briefmarkensammler hatten zum 27. Mal dazu eingeladen, und die Händler kamen von nah und fern.


    Ein Verkäufer von Überraschungseierfiguren war sogar aus Hannover angereist. Um 3.45 Uhr hat er sich auf den Weg nach Wittstock gemacht, um gegen 6 Uhr mit dem Aufbau seines Standes zu beginnen. Mit den Geschäften war er am Vormittag noch nicht ganz so zufrieden. "Gekauft werden nur die billigen Figuren zu einem Euro das Stück", sagte er. Dabei hatte er auch ganz Seltenes dabei: Den Zehnersatz Hippos am Strand von 1985 bot er für 55 Euro an, zehn Figuren aus "Herr der Ringe" für 19 Euro, und "Asterix und die Römer" gab es schon für 15 Euro. "Man hört nicht mehr, ob eine Figur drin ist oder Spielzeug zum Zusammensetzen, und das Wiegen nützt auch nichts", sagte der Mann. Der Inhalt werde ziemlich gut verpackt.


    Obwohl das Interesse der Besucher groß war, hätten die Geschäfte auch bei den Briefmarken besser laufen können. "Wir sterben aus", sagte Wilfried Günther, Briefmarkensammler aus Berlin. Junge Leute hätten daran kein Interesse mehr. "Die haben andere Hobbys." Der Sammler hatte mehrere Alben mit DDR-Marken dabei, außerdem ist er spezialisiert auf Weltraum- und Tiermotive. "Spezialisierung ist besser", sagte er und zeigte auf seine Bögen mit Satelliten-Motiven aus der ganzen Welt - aus den USA, von den Cook-Inseln oder auch aus der Karibik. Die Komoren haben sogar goldene Briefmarken. Auch wundervolle Tiermarken bot Günther zum Verkauf an. Bhutan hat ganz faszinierende Motive aus dem Dschungelbuch. "In allen Ländern der Welt sind die Briefmarken schöner als in Deutschland", stellte Wilfried Günther fest.


    Diese Aussage bestätigte auch ein Briefmarken- und Münzsammler aus Stendal, der schon seit ein paar Jahren zur Wittstocker Sammlerbörse kommt. "Drei Striche und ein Kreis - das soll dann ein Handballer sein", kritisierte er an den Marken der Neuzeit. Gute Geschäfte seien allenfalls noch mit Marken aus der DDR bis höchstens Mitte der 50er-Jahre zu machen.


    Insgesamt ging es gestern ziemlich international in der Stadthalle zu. Aus aller Herren Länder kamen die Münzen, Banknoten, Briefmarken, Abzeichen, Orden, Postkarten, die die Händler an den neuen Besitzer bringen wollten.


    Das interessierte Publikum und die Sammler gehörten gleichermaßen vorwiegend zu den etwas älteren Semestern. Viele Händler, die ja allesamt selbst Sammler sind, kommen auch deswegen nach Wittstock, weil sie sich gegenseitig besuchen wollen. Das passierte freilich schon vor 9 Uhr, also noch bevor sich die Türen der Stadthalle fürs Publikum öffneten.



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