Geschäftsbrief für 80 000 Euro

  • Die teuersten Hamburg-Briefmarken werden in Berlin versteigert


    Christian Burmeister, Geschäftsführer des Berliner Briefmarken-Auktionshauses Köhler, hat schon viele Briefmarken unter den Hammer gebracht. Da waren seltene Exemplare aus Deutsch-Südwestafrika dabei und Raritäten von Thurn und Taxis.


    Doch wenn Burmeister am kommenden Freitag lautstark und routiniert "Zum ersten, zum zweiten und zum dritten!" ruft, dann läßt selbst ihn das nicht kalt. Versteigert wird an diesem Tag die teuerste und bedeutendste Sammlung von Hamburg-Briefmarken aus Privatbesitz.


    Der Schätzpreis der 180 Briefe und Briefmarken vom Ende des 19. Jahrhunderts liegt bei 250 000 Euro. Teuerstes Unikat sind vier Marken auf einem Umschlag von 1862 mit 14-Schilling-Frankatur. "Tolle Qualität und frische Farbe" lobt Auktionator Burmeister die philatelistische Kostbarkeit. Sie ist fast so selten wie die "Blaue Mauritius", allerdings etwas billiger. Der Einstiegspreis liegt bei 80 000 Euro. Wer bietet mehr?


    Rund 400 Interessenten erwartet das Auktionshaus Köhler zu dieser öffentlichen Versteigerung im Hotel "Sylter Hof" in der Berliner Kurfürstenstraße. Gegen 14 Uhr beginnt der Einlaß, und dann geht es Schlag auf Schlag: zwei schwarze 1/2-Schilling Postmarken aus Hamburg ab 300 Euro; ein Brief nach New York von 1862 ab 2000 Euro. Viel Geld, aber dafür leuchtet die 2-Schillingmarke laut Katalog auch "lebhaft rotbraun". Und dann eben jenes unübertreffliche Luxusstück von 1862, adressiert an die "Eagle Insurance Company" zu London mit drei "dunkelgelblichgrünen" 4-Schilling-Marken und einer "orangeroten" 2-Schilling-Frankatur.


    Daß die "Senator Brodersen-Kollektion" so gut erhalten ge- blieben ist, liegt an der Sorgfalt eines privaten Sammlers. Der jüngst verstorbene Brief- markenfreund stammte aus Hamburg und richtete seine philatelistische Leidenschaft in alter Verbundenheit zu seiner Heimatstadt auf das ausgehende 19. Jahrhundert aus.


    Damals jedenfalls war es in Deutschland üblich, daß die einzelnen Territorien eigene Briefmarken herausgaben. Bis zur Gründung der Hamburgerischen Staatspost 1821 unterhielten verschiedene Fremdländer in Hamburg ihre Postanstalten. Die Hansestadt selbst gab von 1859 bis 1867 eigene Marken heraus, danach übernahm das der Norddeutsche Bund. In diesen Jahren erschienen ins- gesamt 22 Marken-Motive, von denen später etliche billig nachgedruckt wurden.


    Zwei Besonderheiten zeichnen die hanseatischen Briefmarken besonders aus. Zum einen spiegeln die postalischen Wertzeichen Hamburgs Rolle als "Tor zur Welt" wider. "Zahlreiche Auslandsbriefe in viele Destinationen in Europa und Übersee sind erhalten geblieben", sagt Burmeister.


    Zum anderen hat die Insel Helgoland ein langes Kapitel in Hamburgs Postgeschichte mitgeschrieben. Das Eiland mit den Buntsandsteinfelsen, 70 Kilometer von Cuxhaven entfernt, ge- hörte zeitweise zu Hamburg. Die Stadt bezahlte dort sogar den Postagenten.


    Schon damals allerdings führte die deutsche Bürokratie zu merkwürdigen Verordnungen: Zwar bekamen Briefe, welche die Insulaner verschicken wollten, Hamburger Briefmarken. Doch erst auf dem Hamburger Stadtpostamt wurden die Schreiben gestempelt und erhielten den Aufdruck "Helgoland" auf dem Kuvert.



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