Mehr als ein gezähntes Stückchen Papier

  • Leichlingen - Postfrische Bund-Briefmarken, Marken aus aller Welt, Heimat-Belege oder Black-Penny . . . Die Welt der Philatelisten hat ihre ganz eigene Sprache. Und jene Menschen, die an eben dieser bunten Papier-Welt teilhaben, sind genauso unterschiedlich wie die viereckigen Postwertzeichen selbst.


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    Kritischer Blick durch den Fadenzähler: Jonny Reher begutachtet seine Schätze ganz genau. Seit seinem sechsten Lebensjahr ist der Solinger Drucker von Briefmarken fasziniert.


    „Der eine sammelt postfrische Marken, der andere Belege, also gestempelte Briefe oder Karten. Der nächste interessiert sich besonders für Marken aus bestimmten Ländern, wieder ein anderer für solche aus einer speziellen Zeit“, erklärt Claudia Fiedler, Zweite Vorsitzende der Briefmarkenfreunde Leichlingen, während sie am Sonntag in ihrem Album blättert. Es ist Großtauschtag im Leichlinger Bürgerhaus. Mehr als 30 Briefmarken-Freunde sind der Einladung der Blütenstädter gefolgt.


    Sie präsentieren, tauschen, kaufen oder verkaufen - und unterhalten sich natürlich über das eine oder oder andere alte, teure Schätzchen. Fiedlers Schätzchen heißen Lübecker Marienkirche und Mona Lisa - die beiden Bund-Marken stammen aus den Jahren 1951 und 1952. Es sind die Lieblingsstücke der selbst erklärten Einsteiger-Sammlerin. Als Jugendliche hatte sie begonnen, Marken zu sammeln, verlor aber irgendwann sowohl Interesse als auch ihre Alben. Vor zwei Jahren habe sie ihr altes Hobby dann wieder neu entdeckt. „Irgendwann hätte ich gerne eine kunstgeschichtliche Sammlung“, träumt sie.


    Drei Tische weiter sitzt der Solinger Jonny Reher. „One Penny Black“ hat es ihm besonders angetan. Im Mai 1840 im Vereinigten Königreich erschienen, gilt sie als erste Briefmarke der Welt, für deren Herstellung Stahlplatten verwendet wurden. Reher ist fasziniert vom frühen Briefmarkenwesen. Über Jahre habe er sich durch entsprechende Fachliteratur mit dem aufwändigen Druck-Verfahren, verschiedenen Stempel-Formen sowie den Schriftarten auf den Marken befasst. Bereits mit sechs Jahren sei er von seinem Vater für die Philatelie begeistert worden. Und redet Reher von einem „astrein gezähnten Luxusstück“, kann der Laie nur ahnen, dass es sich um ein viele Euro schweres Märkchen handelt.


    Klaus Dieter Hartmann hingegen fühlt sich eher den heimischen Wertzeichen zugetan. Und nicht nur den Zeichen. Der Vorsitzende der Blütenstädter Briefmarkenfreunde hat sich auf Leichlinger Ansichtskarten spezialisiert. Seine Sammlung startet im Jahr 1894 und endet mit den Karten von heute. Er plant eine Ausstellung anlässlich des 150. Stadt-Geburtstags.


    Dass am Sonntag wieder keine jugendlichen Sammler im Bürgerhaus zu sehen waren, findet Hartmann schade. „Es gibt inzwischen so viele andere Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche“, sieht er als Ursache für die Überalterung im Briefmarkenverein. Zumal das Postwesen durch Computer und E-Mail ohnehin weitgehend aus dem Bewusstsein junger Leute verschwunden sei.


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    DDR, Spanien, Kanada, Deutschland... Die Welt der Briefmarken kennt keine Grenzen. Rund um den Globus werden Postwertzeichen gesammelt.


    Vereins-Kollege Paul Kooymann hat diesem Trend bereits entgegengewirkt. Innerhalb des Fördervereins der Grundschule in Odenthal-Voiswinkel habe er Kindern die Welt der Briefmarken näher gebracht. „Kinder sammeln natürlich eher nach bestimmten Motiven, zum Beispiel Tier-Motive“, erzählt er. Und: „Mädchen sind eher dafür zu begeistern.“


    Und was machen die Briefmarkenfreunde, wenn das Postmonopol abgeschafft wird? Große Euphorie? Mitnichten. „Ich sehe dem eher mit Schrecken entgegen“, meint Hartmann. „Das wird zu viel. Ich würde mich dann nur noch auf meine bisherigen Sammlungen konzentrieren.“



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