Die Odyssee zur Briefmarke

  • Die Odyssee zur Briefmarke
    09. März 2006


    Wer schreibt schon in Zeiten von E-Mail und SMS noch Briefe? Eine Salzburgerin erlebte, dass es gar nicht so einfach ist, eine Marke zu kaufen.


    Salzburg (SN-mack). Frau Brigitte aus Salzburg hatte sich in der Trafik bei der Obuskehre in Obergnigl nur eine Briefmarke kaufen wollen. Freitagabend, kurz vor 18 Uhr. "Ich habe höflich um eine Marke gebeten, aber der Trafikant meinte, die bekäme ich nur, wenn ich gleichzeitig eine Zeitung oder Zigaretten kaufen würde." Frau Brigitte ist erst ganz perplex, dann bittet sie einen nach ihr kommenden Herrn, ihr eine Marke mitzunehmen. "Da erklärte mir der Verkäufer, auf diesen Schmäh falle er schon lange nicht mehr herein."


    Ein paar Tage später der SN-Test: Es ist dieselbe Trafik, etwa dieselbe Uhrzeit. Auch der Herr im Kiosk muss derselbe sein, denn er erfüllt uns den Wunsch nach einer Briefmarke nicht. "Für Stammkunden habe ich immer welche", erklärt Alfred Giovannini, "ansonsten bekommt niemand bei mir eine Briefmarke allein. Wer seine Zeitung im Supermarkt kauft, soll sich dort auch um Marken bemühen."


    Geschäft ist der Verkauf von Briefmarken für Österreichs Trafikanten schon lange keines mehr. Betrug die Gewinnspanne bis 2001 noch sieben Prozent, liegt der Verdienst heute für hundert verkaufte 55-Cent-Marken genau bei 1,65 Euro. "Ein reiner Kundenservice, vor allem für ältere Menschen, die noch vermehrt Briefe schreiben", sagt Peter Meingassner, Besitzer der Trafik in der Rochusgasse. Giovannini fügt hinzu: "Die meisten Kollegen führen keine Marken mehr im Sortiment. Andere verkaufen sie nur zusammen mit Billetts oder Ansichtskarten."


    "Aus betriebswirtschaftlichen Gründen können wir den Trafikanten nicht mehr bezahlen", so Siegfried Grobmann von der Post AG. Die gibt jährlich bei der österreichischen Staatsdruckerei 250 Millionen Briefmarken in Auftrag, 40 Millionen davon sind Sondermarken. Insgesamt wurden im Vorjahr 58 verschiedene herausgegeben. "Dank der großen Nachfrage an Sondermarken sind die Verkaufszahlen trotz E-Mail und SMS jetzt endlich wieder im Steigen", erklärt Grobmann.


    © SN.


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