Beiträge von northstar

    Hallo 241264hsv-fan,


    zu den Briefen aus Kischinjow:

    rein von der Logik her würde ich dazu tendieren, dass es sich um das Siegel des Zensors handelt.

    - beide Briefe sind an gleicher Stelle aufgeschnitten und gleichartig durch die Siegel wieder verschlossen. Dies sind zwar nur zwei Briefe, aber eine Systematik lässt sich erkennen ;)

    - die Schriften der Absender sind nicht nur unterschiedlich, sondern der eine Brief trägt auch rechts unten auf der Vorderseite die Absenderangabe; und hier stimmen die Initialen des Absenders I. Schneider (И.Ш.) überhaupt nicht mit denen auf dem Siegel überein.

    Sehr amüsanter Thread (grins) mit vielen Aspekten


    Mein Mostrich hierzu:


    I. Landbezirk

    Leider kenne ich mich in der Geschichte Nürnbergs wenig aus, aber bei vielen größeren Städten gab es ländliche Territorien, die aus unterschiedlichen Gründen zum Besitz bzw. zum Verwaltungsgebiet der Stadt gehörten. D.h. das Stadtgebiet umfasste de iure mehr als nur die urbanisierten Bereiche. Könnte das hier nicht auch der Fall sein? https://www.nordbayern.de/regi…Page=bm9yZGJheWVybi5kZQ==


    II. Fliegenschiss

    Die Philatelie ist vielfältig und umfasst sowohl die direkte Beschäftigung mit Objekten in Form von Postwertzeichen (incl. der Suche nach Fliegenschissen), als auch die Beschäftigung mit Objekten der postalischen Kommunikation unter postgeschichtlichen und anderen historischen Gesichtspunkten.

    Alles hat seine Daseinsberechtigung und ich zitiere hier mal den schon länger nicht mehr gesichteten Doktorstamp: Sammeln wie es einem Spaß macht!


    So, das war mein Wort zum Freitag. Allen noch viel Spaß mit Euren Sammelobjekten!

    Den Text zu übersetzen, um daraus Schlüsse zu ziehen, ist für mich unmöglich.


    Militärzensor - Debiarowitsch (?)

    Die Handschrift ist eine echte Herausforderung für einen echten Graphologen ;)

    Mit etwas Mühe habe ich einige Fragmente entziffern können, aber leider nichts ortsbezogenes gefunden (was dann wohl geschwärzt worden wäre) - nur personenbezogenes.


    Die Karte bietet zwei Anhaltspunkte: sie stammt aus Finnland (was aber nicht zwingend Rückschlüsse auf den Absendeort zulässt) und es gibt einen blauen Stempel der "Verwaltung des Divisionskontrolleurs der 116. Infanteriedivision". Per Yandex habe ich folgende Seite gefunden:  http://ria1914.info/index.php/116-я_пехотная_дивизия

    Leider ohne Daten zur Dislozierung.


    Der Name des Zensors sollte Downarowitsch (Довнаровичъ) sein.

    Vorderseitg befindet sich in rot der Einschreibestempel, der aussieht, als handelte es sich um einen Rollenstempel. Weiß jemand, ob es sowas gab?

    Das sieht nach einem Stempel eines Annahmeautomaten für Einschreiben aus! In Natura habe ich so einen Stempel von St. Petersburg bisher nur in der Sammlung von Lev Ratner gesehen.

    Hallo Bee,


    1) ja

    2) wichtig ist auch das Datum, weil man daran die zeitgerechte Verwendung der Marke erkennen kann

    3) auf keinen Fall trennen, auch keine Bogenränder - insbesondere mit Druckvermerken - abtrennen.

    Es gibt einige Marken sowohl vom Bogen als auch von der Rolle, waagerecht zusammenhängende Marken sind aus dem Bogen.

    Beim Zertrennen größerer Einheiten wird u.a. auch der über mehrere Marken gehende Stempel zertrennt, damit auch Ort und Datum der Abstempelung.

    Ich denke nicht, denn vor dem, was man ggf. als Võru interpretieren könnte, steht abgekürzt das Wort Dorf (дер.) und der dritte Buchstabe ist eindeutig ein б (b).


    Эстлян[д]ской губерн[ии]

    чер[ез] гор.[од] Вейшенштейнъ

    волост[ь] Анненской

    дер[евня] вебу

    Гн-у Янъ Алевъ


    Es ist allerdings nicht sicher, dass die russische Bezeichnung dieses Dorfs die korrekte Variante ist. Denn die Handschrift sowie die Abweichungen in der Orthographie und die Genitive in der Anschrift, lassen vermuten, dass der Absender Russisch wahrscheinlich eher selten als Schriftsprache gebrauchte, weil beim ihm Russisch nicht die Erstsprache war und/oder er zu einer Bevölkerungsschicht zählte, die nicht so häufig schriftlich kommunizierte.

    Ich hoffe mal, das ich das alles richtig entziffert habe. Wohin der Brief gelaufen ist, kann ich leider nicht sagen. Und warum übersetzt werden musste, deshalb auch nicht. Vielleicht kann northstar da nachhelfen - auch mit dem Slogan auf der Vorderseite?

    Ja, das ist fast alles richtig entziffert, kleine Korrektur подпрапощникъ - подпрапорщикъ.


    Der Empfänger des Briefes war ein Herr Jan Alev im Dorf Võõbu? im Gouvernement Estland – über Weißenstein (Paide) / Bezirk Anna. Der Name des Empfängers klingt nicht zwingend russisch und ich nehme an, dass der Brief auch nicht in russischer Sprache verfasst war, sondern evtl. in Estnisch. Und der Zensor konnte kein Estnisch… deshalb die Übersetzung.


    Der Slogan lautet:

    Ты лети в родимый край,

    Там увидишь светлый рай!

    Flieg in das heimatliche Land,

    dort erblickst du das lichte Paradies!

    Hallo 241264-hsvfan,


    evtl. rühren die zwei verschiedenen Verschlussstreifen daher, dass der Brief zweimal in St. Peterburg geprüft wurde; es sind ja auch zwei Kastenstempel von unterschiedlichen Zensoren abgeschlagen.


    Der ovale Stempel "OUVERT 912 ..." ist ein französischer Zensurstempel.

    Laut google-Übersetzer ist старший лейтенант nur ein Oberleutnant. Und подполковник ist der Oberstleutnant. In Deutschland wären es 3 Ränge höher (Oberleutnant, Hauptmann, Major, Oberstleutnant). Wie das in Russland ist, weiß ich nicht. Vielleicht klärt northstar das auf.

    Inzwischen habt Ihr die Lösung ja schon gefunden. Ich hätte auch auf Wikipedia verwiesen (ergänzend: https://de.wikipedia.org/wiki/Oberstleutnant und https://ru.wikipedia.org/wiki/Подполковник)

    Direkt nach dem heutigen Besuch der historischen Ausstellung der Alexanderkirche zu Narva ins Forum:


    Ingermanland ist ein Gebiet rund um St. Petersburg, das ursprünglich von finno-ugrischen Völkerschaften besiedelt war. Nordingermanland war in den Jahren 1919-1920 kurzzeitig unabhängig. Die provisorische Regierung ließ eigene Briefmarken drucken, die in der Ausstellung auf einer Tafel dargestellt sind.



    Ergänzt wird dieses Exponat durch einige moderne Phantasiebelege, die ein ehemaliger Pastor der Kirche und begeisterter Philatelist gestaltet hat/hat gestalten lassen. :)



    Anfang der 1990er, als territorial alles "im Fluss" war, gab es Anregungen, Ingermanland mit Petersburg als unabhängigen Staat aus dem Gebiet Russlands herauszulösen.

    Na denn machen wir mal (endlich) weiter:


    Umbennenungen


    Petrograd -> Leningrad

    1924 vollzog sich die Umstellung auf Stempel mit der Bezeichnung "Leningrad" gemäß Anweisung recht zügig innerhalb von 2 Monaten.


    Einschreibbrief nach Helsinki/Finnland vom 11.04.1924, zweieinhalb Monate nach Umbenennung. Der mit einer Mehrfachfrankatur aus 8 geschnittenen Dauermarken des sog. "Goldstandards" und einer Lenin-Trauermarke rückseitig frankierte Brief weist gleich drei Stempel der 1. Expedition des Leningrader Postamts auf: Aufgabestempel vom 11.04. (UB "2") sowie zwei Transitstempel vom 11. bzw. 12.04. (UB "3" und "15") - Nr. 31.01.03 nach Ratner 1985. Ankunftstempel Helsinki 14.06. Bemerkenswert ist der Einschreibzettel mit der Ortsbezeichnung "Leningrad" in lateinischen Buchstaben und einem "R", dessen Gestaltung an den Stil der Russischen Avantgarde erinnert.


    Absender ist die Leningrader Hanfindustrievereinigung (Ленинградпенькотрест) mit Büro am Prospekt des 25. Oktober (so hieß der Nevski Prospekt 1918-1944, benannt nach dem Datum der Oktoberrevolution).



    Wenn auch die Tagesstempel zügig ausgewechselt wurden, so wurden z.B. Einschreibzettel für Auslandssendungen in lateinischer Schrift nach Überstempelung noch längere Zeit aufgebraucht. Einschreibbrief von Leningrad 4 (Wassilij-Insel) nach Schwäbisch-Gmünd. Tagesstempel Leningrad 4 (UB "v") vom 12.10.1925 - Nr. 32.004.04. Rückseitig zwei Transitstempel der 1. Expedition (UB "3" und "17") vom 12. bzw. 13.10.1925 - Nr. 31.01.03 nach Ratner 1985. Der Ankunftstempel von Schwäbisch-Gmünd sowie der handschriftliche Vermerk des Zustellers zeugen davon, dass der Brief bereits nach 5 Tagen am Bestimmungsort war.



    Das ist ja sehr interessant und zeigt, daß diese Nummer äußerst selten ist.


    Es ist ein zart abgeschlagener Stempel Nr. 31 von 1899.

    Der Stempel war ja auch nur ungefähr ein Jahr in Verwendung.


    Gratuliere, die XXXI ist auch nicht gerade häufig - und eigentlich auch kein Stadtpoststempel, sondern nur ein Figurenstempel des 31. Telegraphenkontors. Imhof (1976) ging irrtümlich noch von einer Existenz der Stadtpostabteilungen 18-30 aus.

    Hallo zusammen,


    ein etwas neueres Werk (russ./engl.) zu den Petersburger Poststempeln wurde von M.A. Dobin/L.G. Ratner verfasst: From the History of the Saint-Petersburg Post, 1703-1914. Standard-Collection: SPb 2004.


    Die Seltenheit des Stempels der Stadtpostabteilung XVII wird hier mit 9 von 10 bewertet, der Marktwert wird von den Autoren für diesen Seltenheitsgrad zum Zeitpunkt der Drucklegung mit 1500-2000 USD angegeben. An ein aktuelles Angebot dieses Stempels kann ich mich nicht bewusst erinnern.


    Nichts ist so kontinuierlich wie die Veränderung


    Die Stadt, 1703 als Sankt Pieter Burch (Санкт-Питер-Бурх) von Peter I. Als „Fenster nach Europa“ gegründet und ab 1724 offiziell St. Petersburg (russisch Sankt-Peterburg/Санкт-Петербург) genannt, hat im Laufe des 20. Jahrhunderts dreimal Ihren Namen gewechselt.


    Bis 1914 hieß die Stadt St. Petersburg (Санкт-Петербург). Nach Eintritt Russlands in den ersten Weltkrieg wurde der deutsch klingende Name russifiziert und die Stadt erhielt am 18.(31.)08.1914 den Namen Petrograd (Петроград). Zu Ehren von Vladimir Il’ič Lenin (eigentlich Uljanov) (10.(24.)04.1870-21.01.1924); Vorsitzender des Rates der Volkskommissare) wurde die Stadt nach dessen Ableben dann am 26.01.1924 in Leningrad (Ленинград) umbenannt. Am 06.09.1991 erhielt die Stadt nach dem Volksentscheid vom 5. Juni 1991 wieder ihren historischen Namen St. Petersburg (Санкт-Петербург).


    Für jede der drei Umbenennungen zeige ich nachfolgend entsprechende Belege. Zunächst:


    St. Petersburg -> Petrograd

    Die Umstellung auf Stempel mit der neuen Bezeichnung "Petrograd" erfolgte nicht besonders zügig und zog sich bis ins Jahr 1915 hin. Anfang Januar 1915 wurde ein Rundschreiben des Postdirektors versandt, in dem aufgefordert wurde, vorrangig Stempel mit dem neuen Namen zu verwenden. Am 20.02.1915 forderte der Postdirektor dann, dass "… beim Stempeln der Korrespondenz sowohl bei den Expeditionen des Postamtes als auch bei den städtischen Filialen Stempel mit dem neuen Namen der Hauptstadt zu verwenden sind." Einzelne Stempel mit dem alten Namen waren dennoch weiter in Gebrauch, so dass im September 1915 dazu aufgefordert wurde, die alten Stempel an die Verwaltungsabteilung zum Umgravieren einzureichen. Formulare, Einschreibzettel etc. mit dem alten Namen wurden jedoch weiter aufgebraucht. Privat aufgelegte Drucksachen wurden nach der Umbenennung ebenfalls weiterverwendet und teilweise mit einem Überdruck versehen.


    Ansichtskarte mit überstempelter Ortsangabe auf der Bildseite aus dem Dezember 1915.

    Stempel Petrograd 28, UB "ж" (22.28.40 nach Ratner 1985), Ankunftstempel Norskaja Manufaktura (Gouv. Jaroslawl)


    Brief von Kurgan nach Stockholm (Rückseite). Lacksiegel der Petrograder Militärzensur (Typ 55 nach Kosoy 1986), Transitstempel der 1. Expedition vom 15.02.1915 mit der Ortsbezeichnung S. PETERBURG, UB "Э" (Nr. 02-00.22nach Dobin|Ratner 2004).


    Einschreibbrief nach Kopenhagen vom April 1915 (Vorderseite). Einschreibzettel mit altem Ortsnamen St.-Pétersbourg in Französisch. Tagesstempel der 1. Expedition mit neuem Ortsnamen PETROGRAD, UB "27" (Nr. 21.01.02).

    HKO könnte auch:

    НКО -Народный комиссариат (комиссар) обороны- Volkskommissariat für Verteidigung

    Das Kommissariat trägt diese Bezeichnung erst seit 1934. 1917 wurde es unter dem Namen Народный комиссариат по военным делам eingerichtet.


    Bei den Initialen unter bzw. in den Zensurstempeln sollte es sich ausschließlich um Namen der Zensoren handeln (Vor-, Vaters-, Familienname).