Beiträge von northstar

    P.S.: noch zum Kastenstempel МЕЖДУНАРОДНОЕ (INTERNATIONAL) auf dem ersten Brief: dies ist ein Zensurstempel, der in den 1950-1960er Jahren auf abgehenden wie einkommenden Auslandssendungen abgeschlagen wurde. Auffällig sind die absichtlichen Rahmenbrüche, die eine Zuordnung zu einem bestimmten Zensor ermöglichen sollen. Es gibt hierzu mehrere Aufsätze in englischer und russischer Sprache, deren Autoren logische Schlüsse ziehen, aber keine direkten Beweise anführen (können).

    Hallo zusammen_


    jmh67 hat das meiste ja schon herausklamüsert, was bei der Schrift nicht ganz einfach ist.


    Ergänzend kann ich hinzufügen, dass es sich bei dem Ort nach dem Pokrovskij r-n (Rayon=Bezirk) um die Siedlung Kamyschovka (Камышов[ка]) handeln könnte. Die Absenderin hatte es anscheinend nicht so mit den Endungen.


    Und auch bei ihrem Namen hat sie wohl etwas ausgelassen, vermute ich: Dik Marga[rita] Fran[z]ovna. Ich nehme an, dass die Absenderin deutschstämmig war (deutsche Schreibweise des Nachnamens Dick) und ihre Vorfahren unter Katherina II. oder später eingewandert sind.

    Jetzt, wo dijaltel es sagt, sehe ich es auch: Die Stempelfragmente sind gegenläufig - bei der linken Marke steht der Stempel Kopf, bei der rechten aufrecht. Die 3 Kop.-Marke war ursprünglich sicherlich nicht auf diesem Brief und wurde anscheinend anstelle einer abgefallenen oder abgelösten Marke aufgeklebt.

    Не за что! Вот это слово Versorgungsgebührnisse (= пособие) тоже не знал (я - носитель нем. яз. :) ), пока не загуглил текст закона.


    Da nicht für! Ich kannte dieses Wort "Versorgungsgebührnisse" bis zum Ergoogeln des Gesetzestextes auch nicht

    Hallo 241264hsv-fan,


    Der Bestimmungsort ist Vecpiebalga (deutsch: Alt-Pebalg) in Lettland. Hier der Link zu einer Karte auf meshok.net mit sehr klar abgeschlagenem Stempel


    Als Namen des Zensors lese ich Калнинь. Eventuell ist es ja sogar dieser Herr.


    Der Aufgabestempel gehört zu einem Feldpostkontor (ПОЛЕВ. ПОЧТ. КОНТОРА). Eine Nr. kann ich nicht erkennen. Bei dem UB handelt es sich mMn um eine Ischiza (Ѵ). Oder der "UB" ist eine verzerrte Nr.?:/

    Den Zensurstempel auf dieser Karte aus ...? vom Juni 1915 nach Oberpalen kann ich leider nur teilweise lesen, da dieser etwas schwach abgeschlagen ist. Geprüft Militär- / zensur ....- / . Vielleicht kann northstar hier ergänzen und korrekt übersetzen (auch wegen der Abkürzung)?

    Hallo 211264hsv-fan,


    Aufgegeben wurde die Karte in Vammelsuu/ Ваммелсуу (seit 1948 Serovo), einem kleinen Ort auf der Karelischen Landenge nordöstlich von Kronstadt am Ufer des Finnischen Meerbusens.


    Der vollständige Text des Zensurstempels sollte heißen:


    Просмотрено военной цензурой […]* Кронштадтского Крепостн[ого] временн[ого] госпиталя.


    Geprüft durch die Militärzensur des [...]* Kronstädter provisorischen Festungshospitals


    *hier steht evtl. eine Nummer, die aber nicht erkennbar ist, weil an dieser Stelle der Tagesstempel zu festt abgeschlagen ist

    Zum Abschluss heute ein Brief vom Dezember 1911 von Frankfurt (Main) 1 nach Paris, Ankunftstempel PARIS – R.P. / ETRANGER, adressiert an Bertha Sjögren. Die Sjögrens reisten zwischen 1901 und 1914 fast jedes Jahr nach Paris. Absender des Briefes ist die Konzert- und Theaterdirektion Robert Knoblauch.



    Aus dem maschinengeschriebenen und von Herrn Knoblauch selbst unterzeichneten Brief kann man schließen, das Bertha wohl so eine Art Managerin für ihren Gatten gewesen ist und sich um PR und Organisation von Konzerten kümmerte.


    Heute war ich bei meiner Zustellpostfiliale (St. Petersburg 25), um einen aus Moskau eingegangen Brief abzuholen. Bei der Gelegenheit habe ich dann bei der Annahme nachgefragt, ob noch Sendungen ins Ausland - konkret auch nach Deutschland - angenommen werden. Die Dame am Schalter anwortete, dass es keine Beschränkungen gäbe, nur Sendungen in die Mongolei und einige andere Länder (die sie auf Anhieb nicht erinnern konnte) würden derzeit nicht angenommen.

    Lenin war sowohl in der sowjetischen Kunst als auch im Alltagsdesign, darunter in der Gebrauchsgraphik, ein häufiges Motiv. Die sowjetische Post war auch nicht gerade sparsam mit der Herausgabe von Marken, Ganzsachen und Sonderstempeln zum Thema Lenin und das Sammeln von entsprechendem philatelistischem Material war verbreitet.


    Aus Anlass des 150. Geburtstags von Wladimir Iljitsch eröffnete Anfang März eine Ausstellung im DK Gromov (St. Petersburg).


    Da Museen, Galerien und Ausstellungsräume aufgrund der aktuellen Umstände geschlossen sind, ist es populär geworden, sich Ausstellungen online anzusehen. Deshalb heute ein paar Screenshots aus einem Bericht über diese Ausstellung (ganzes Video:

    ) und leider keine eigenen Photos.








    Ich habe heute noch von einem russischen Händler, von dem ich etwas bei ebay gekauft hatte, die Info bekommen, dass gerade einschreiben, aber auch normale Post seit Ende März kaum noch aus dem Land kommt.

    Ich nehme an, dass für die Beförderung von Postsendungen ins/aus dem Ausland auch die Kapazitäten gewöhnlicher Passagiermaschinen und nicht nur reiner Frachtmaschinen genutzt werden, insbesondere wenn das Aufkommen nicht so hoch ist. Da gegenwärtig keine Passagierlinienflüge von der RF ins Ausland/in die RF aus dem Ausland durchgeführt werden, wird auch es auch mit der Beförderung von Post problematisch.

    Heute eine weitere Drucksache (ohne entsprechenden Vermerk, aber die Frankatur von 5 Pf. und der Inhalt weisen auf die Versendungsform hin) aus dem März 1911 von Berlin W 10 nach Stockholm mit Weiterleitung nach Knivsta (Bleistiftvermerk "Knifsta"), wo die Sjögrens 1910 eine Villa erwarben, adressiert an „Herrn Emil Sjögren |Komponist u. Organist“. Absender ist die Geschäftsstelle des Musikpädagogischen Kongresses.



    Inhalt der Sendung ist eine Einladung zum Musikpädagogischen Kongress mit Angabe des Programms,






    Unterzeichner der Einladung: Komponist Gustav Kulenkampff (https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Kulenkampff_(Komponist).

    Ich habe spaßeshalber mal auf der Website der Russischen Post nachgeguckt - dort gibt es keine Hinweise auf Einschränkungen im internationalen Postverkehr (auch nicht mit Österreich). Die Frage aber ist, wie die Sendungen bei einer fast kompletten Einstellung des internationalen Land- und Luftverkehrs - und damit verbunden einer Unterbrechung der üblichen Beförderungswege - überhaupt transportiert werden kann.:/

    Weiter geht es mit einer Drucksache aus dem Jahr 1908 von Dresden-Altstadt 1 nach Stockholm, adressiert an „Herrn Componist Emil Sjögren|Organist zu St. Johannes“. Sjögren war von der Einweihung 1890 bis zu seinem Lebensende 1918 Organist an dieser Kirche.



    Auf der Rückseite des Umschlags befindet sich ein etwas undeutlich abgeschlagener Transitstempel von KJØBENHAVN B. [Kopenhagen]. Vielleicht kann ja noch ein Dänemark-Spezialist etwas zu diesem Stempel sagen.



    Leider ist kein Inhalt mehr vorhanden und auch kein Absender auf dem Umschlag vermerkt.

    Hallo zusammen,


    Als Beifang eines Konvoluts erhielt ich vor einiger Zeit vier mit Germania-Marken frankierte Belege aus der Korrespondenz des schwedischen Komponisten und Musikpädagogen Emil Sjögren (http://www.emilsjogren.se), drei davon mit Inhalt. Die Belege sind sehr schöne Zeitdokumente und illustrieren einen Ausschnitt aus Verbindungen und Tätigkeit von Sjögren und seiner Frau Bertha innerhalb der Musikwelt.


    Die Briefe stelle ich hier chronologisch vor:


    Ich beginne mit einem Brief aus dem Jahr 1907 von Berlin W 35 nach Kopenhagen, adressiert an „Herr Emil Sjögren |Tonkünstler“; Absender ist die Musikalienhandlung Otto Jonasson-Eckermann & Co.




    Das inliegende Schreiben ist in schwedischer Sprache verfasst und von Erhard Heymann unterzeichnet; u.a. wird darin Adolf Wiklund (https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Wiklund) erwähnt, der zu jener Zeit Repetitor an der Königlichen Oper in Berlin war.




    Die Transkription und Übersetzung des Briefes ist etwas für kommende lange Winterabende (oder jemanden, dem Schwedisch geläufiger ist als mir und deshalb schneller ist ;) ).

    Hallo 241264hsv-fan,


    die Anschrift lautet:

    Черезъ Баку въ Мешедессеръ

    Персiя К-ра Н-въ

    Г.С. Лиaнозова Петру

    Ефимовичу Шерстневу


    Über Baku nach Maschhad-e Sar [seit 1927 Bābolsar]

    Persien Kontor N-w [Abk. konnte ich auf Anhieb nicht enträtseln]

    von G.S. Lianosow an Pjotr

    Jefimowitsch Scherstnjew


    Bei G.S. Lianosow könnte es sich um den Sohn des Kaufmanns Stepan Georgiewitsch Lianosow handeln (https://ru.wikipedia.org/wiki/Лианозов,_Степан_Мартынович).

    Dieser Stempel liest sich wörtlich wie folgt - "Geprüft Zensur bei Wjatka Gouvernement Kollege Plenbeschentschew".

    Hallo anhei64,


    hier muss leider ich eine kleine Korrektur anbringen: der "Kollege" ist ein "Kollegium" (коллегия, hier im Genitiv) und das Wort пленбеженцев ist ein Akronym für пленных и беженцев. Es handelt sich also um ein "Kollegium für Kriegsgefangene und Flüchtlinge".


    Außerdem bin ich auf folgenden Thread gestoßen, in dem dieser Stempel kontrovers diskutiert wird: https://forumuuu.com/showthread.php?t=454912


    Unter anderem wirft sich die Frage auf, ob dieser Stempel auf Sendungen vor dem Oktober 1918 zeitgerecht sein kann, da der Text in der neuen Orthographie abgefasst ist, z.B. wurde das Wort просмотрено zuvor mit dem Buchstaben ѣ“ anstelle des "e" geschrieben.

    M.W.D. -- Archangelsker Polizeimeister sowie Tschik. Wofür M.W.D. und Tschik stehen kann ich nicht sagen. 

    M.W.D. = Министерство внутренних дел (Innenministerium)


    Tschik könnte eine Abkürzung für Чиновник sein. Dafür spricht, dass eine Unterschrift folgt, dagegen, dass ich diese nicht in Nachschlagewerken und über Yandex finden konnte, diese auch in neuer Zeit nicht untergekommen ist und die Form ihrer Bildung ungewöhnlich ist.


    Der Stempel


    Дос ______18/II  

    согласно надписи на повестке [gemäß Aufsschrift auf der Ladung]

    Чик Unterschrift


    könnte evtl, eine Gefängniszensur sein.

    Gibt es Text auf der Rückseite?