Beiträge von huiftjanix

    Nach kurzer Suche konnte ich erfahren, dass bei der Witwe des Autors Horst Hamann, im oberbayerischen Ohlstadt zuhause, das Buch "Zwischen Käuzen, Königinnen und Skandalen" noch erhältlich ist. Ich habe an sich mit der Briefmarken-Branche garnichts zu tun, sondern mit Marketing und Vertrieb, weshalb die Aktivitäten des Briefmarkenhaus Krüger für mich von Interesse waren. So besuchte ich die alte Dame in Ohlstadt und erfuhr, dass Lothar Krüger in jungen Jahren im Briefmarkengeschäft der Amanns erfolgreich mitarbeitete und der Kontakt zu Lothar Krüger über Jahrzente bestand. Es war zwar ein kurzes, aber sehr unterhaltsames, interessantes Gespräch. Dass Lothar Krüger vor ca. einem Jahr verstorben ist, wusste Frau Hamann allerdings noch nicht. Das Buch ist sicherlich für Briefmarkenfreunde äußerst interessant und spannt einen Bogen von der Nachkriegszeit bis 1993. Es ist so unterhaltsam verfasst, dass ich nach Lektüre der Seiten bezüglich Lothar Krüger nun angefangen habe, es von Anfang an zu lesen. Interessierte können das Buch bei Frau Hamann erstehen, gegen EUR 20,00 zzgl. EUR 5,00 für Porto (der Einfachheit halber V-Scheck senden). Die Adresse:
    Gertrud Hamann
    Loisachstraße 26
    82441 Ohlstadt

    Durch einen Freund bin ich um 1987/88 einmal in der Villa von Lothar Krüger gelandet. Da saß ein wuchtiger Mann am Biedermeier-Schreibtischchen und skizzierte Werbeaussendungen in Postkartenformat. Neugierig fragte ich, was er da mache und schon erklärte er freimütig sein Business: Er werbe gerade für WWF-Briefmarken; er kaufe vom WWF für "nen Klicker und nen Knopf" die Namensrechte und schon glaubten die Leute, sie würden mit den Briefmarken was für die Natur, die Umwelt, den Regenwald oder sonstwas für den WWF tun; dabei ginge alles in seine Tasche. Er erklärte bei welchen Adress-Verlagen er zig-hunderttausend Adressen er wie selektiert einkauft (damals bei Schober, erinnere ich mich noch), wieviel Promille davon bestellen und wie lange dann die Abos der Briefmarken automatisch jeden Monat wieviel Geld bringen. Damit finanzierte er einen aufwändigen Lebensstil mit pompöser Villa in München Grünwald, in der ja diese Unterrichtsstunde in Direktmarketing stattfand, ca. 20 teuerste Sportwagen (hauptsächlich vom soeben mysteriös umgekommenen Porsche-Tuner Gemballa in giftgelb) und als Hobby schöne Jungs, die ihn umgaben und dafür auch mal Ferrarri fahren durften. Schließlich folgte noch ein Spaziergang an der Isar, hinter der Villa im Tal verlaufend, ich glaube mit Hund und weiteren interessanten Details, in denen er aber auch nicht zu erwähnen vergass, dass 5 Millionen (damals D-mark) für ihn ja nun leicht aufzubringen wären, wenn's mal nötig sei, dass das bevorstehende Geschäft mit Sammler-Telefonkarten (wer erinnert sich noch?) garnicht zu ermessen wäre und Briefmarken dagegen garnichts seien. Ich hatte den Eindruck, dass an Allem viel Wahres dran ist, dieser Lothar Krüger aber gerne ein bisschen übertreibt und alles vielleicht nicht ganz so stabil ist, wie er es darzustellen vermag. Nach den wenigen Stunden in Gründwald kam ich nie wieder in die Villa, sah Lothar Krüger kein zweites Mal. Irgendwann war der vertraute Leucht-Schriftzug "Briefmarken Krüger" ggü. dem Hauptbahnhof verschwunden. Ich hörte, das Briefmarkenhaus sei insolvent und es habe Unregelmäßigkeiten gegeben. Dennoch: was Lothar Krüger damals in 3 Stunden erwähnte, waren bedeutende Lehrstunden des Direktmarketings mit nachhaltiger Wirkung auf meine Arbeit; damals und manchmal sogar noch bis heute.... wenn zum Beispiel Unwissende von einer Responsequote einer Mailing-Aktion von 5 Prozent träumen. Dann sage ich gerne mal: "schon bei Lothar Krüger gab's in den Achtzigern nur 5 Promille und das waren noch Zeiten!!!"